Montag • 25. März
Zeugnis
11. März 2019

Eltern der ermordeten Maria Ladenburger: „Gott steht uns zur Seite“

Friederike und Clemens Ladenburger sprachen darüber, dass ihnen der Glaube Kraft gibt. Foto: BDZV/Peter Rakoczy
Friederike und Clemens Ladenburger sprachen darüber, dass ihnen der Glaube Kraft gibt. Foto: BDZV/Peter Rakoczy

Freiburg/Köln/Brüssel (idea) – Die Eltern der im Oktober 2016 ermordeten Maria Ladenburger finden im christlichen Glauben Halt und Kraft. Das bekannten sie in einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger und der Badischen Zeitung (Freiburg). Maria, die Tochter von Friederike und Clemens Ladenburger (Brüssel), war im Alter von 19 Jahren an ihrem Studienort Freiburg von einem afghanischen Flüchtling vergewaltigt und getötet worden. Der Täter wurde 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gedenken an ihre Tochter richtete das Ehepaar Ladenburger eine nach ihrer Tochter benannte Stiftung ein, die Studenten in schwierigen Situationen fördert sowie ausländische Studenten und Entwicklungshilfeprojekte unterstützt. Dafür bekamen sie nun den Bürgerpreis der Deutschen Zeitungen. Im Gespräch schildert Friederike Ladenburger, die als Juristin für die Vertretung der katholischen Kirche bei der EU arbeitet, ihre „persönliche Trauer“ und „Fassungslosigkeit über diese grauenhafte Tat“: „Der Täter hat uns und allen, denen Maria etwas bedeutet hat, unermessliches Leid zugefügt.“

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Gott ist im Leid gegenwärtig

Die Tat und der Täter hätten Fragen aufgeworfen, „die zu schwer für uns sind“, und „die wir deshalb an unseren Gott abgeben“, so Clemens Ladenburger, der als Jurist für die Europäische Kommission tätig ist. „Gott weiß, was aus diesem Menschen noch werden kann.“ Als Christen seien sie gewiss, „dass es Maria gutgeht, dass sie gut aufgehoben und bewahrt ist.“ Sie seien dankbar für die Zeit, die sie mit ihr verbracht haben, und für die Gewissheit, sie wiederzusehen. In der schlimmsten Zeit der Trauer hätten sie viel Hilfe von Menschen und von Gott erfahren. „Wir haben gespürt, Gott gibt uns die Kraft, dieses Schicksal zu meistern. Er ist bei uns, er begleitet uns.“ Gott habe diese Tat nicht gewollt, „aber er ist im Leid gegenwärtig, und er teilt unser Leid. Das haben wir seit Marias Tod sehr wohl erfahren. Unser Gott steht uns zur Seite. Genau wie er Maria zur Seite steht.“ An dem Tod Marias sei nichts Gutes: „Ob im Leben nach und mit Marias Tod etwas Gutes wachsen kann, das ist dann freilich eine andere Frage.“

Eine Stiftung gegen den Hass

Als schmerzhaft hätten sie es empfunden, dass die Tat politisch genutzt worden sei, so Clemens Ladenburger. „Schließlich mussten wir miterleben, wie das Schicksal unserer Tochter instrumentalisiert wurde, wie mit ihrem Namen Hass geschürt wurde.“ Sie selbst wollten sich als unmittelbar Betroffene nicht politisch äußern. Es sei dennoch wichtig, „Fragen wie die nach den Zusammenhängen von Migration und innerer Sicherheit, nach den Kontrollen in Asylverfahren, nach der Zusammenarbeit in Europa und nicht zuletzt nach den großen Herausforderungen der Integration“ zu diskutieren. Als eigenen Debattenbeitrag sähen sie die Gründung der Stiftung. „Damit wollen wir ein Zeichen setzen, dass wir als Gesellschaft Taten des Hasses und kaltblütiger Menschenverachtung nicht mit Hetze und noch mehr Hass beantworten dürfen.“ Maria Ladenburger war ebenfalls engagierte Katholikin und war in der „Flüchtlingshilfe Freiburg“ aktiv. Ihre Eltern und Geschwister setzten über die Todesanzeige die Bibelstelle: „Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle“ (Psalm 16,11).

Präses Diener: Ein Glaube, der durchträgt

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Pfarrer Michael Diener (Kassel), bezeichnete die Äußerungen des Ehepaars Ladenburger auf Facebook als „ehrlich und tief“. Er sehe darin einen christlichen Glauben, „der durchträgt, ohne Hass, ohne dumme, dumpfe Töne der Fremdenfeindlichkeit, wie ich sie sonst hier, voller Scham, bei einigen besonders Frommen vernehme“. Er verneige sich vor dieser menschlichen Größe und diesem Vorbild. „Familie Ladenburger macht mir Mut, an Besonnenheit und Augenmaß, an Gerechtigkeit und christliche Liebe immer wieder neu zu glauben.“

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