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Prof. Roland Deines
08. Januar 2020

Die biblische Mitte nicht verlieren

Der Professor für Biblische Theologie und Antikes Judentum an der Internationalen Hochschule Liebenzell, Roland Deines. Screenshot: University of Nottingham
Der Professor für Biblische Theologie und Antikes Judentum an der Internationalen Hochschule Liebenzell, Roland Deines. Screenshot: University of Nottingham

Bad Liebenzell (idea) – Vor einem Verlust der biblischen Mitte hat der Professor für Biblische Theologie und Antikes Judentum an der Theologischen Hochschule Liebenzell, Roland Deines (Bad Liebenzell), gewarnt. In der Zeitschrift „Mission weltweit“ der Liebenzeller Mission analysiert er aktuelle Entwicklungen im Umgang mit der Heiligen Schrift.

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Zum einen nimmt er eine „biblische Kaffeetassenfrömmigkeit“ wahr. Dabei werde das geistliche Leben von „Postkartensprüchen mit harmonischen Bildhintergründen, Liedern, in denen Gott sein Nahe- und Vatersein“ zuspreche, sowie vom „Feiern und Fröhlichsein in der Gemeinschaft Gleichgesinnter und dem Erleben von Gottes Für-mich-Dasein“ dominiert. Bei dieser Frömmigkeit blieben „schwierige und herausfordernde Texte“ außen vor, biblische Zusammenhänge spielten kaum eine Rolle, „und die Anstößigkeit des christlichen Glaubens ist nahezu aufgehoben“.

Auf der anderen Seite erlebe er jedoch auch Christen, die von einer fast schon verbissenen „Bibelfrömmigkeit“ geprägt seien. Ihre erstaunliche Bibelkenntnis führe sie jedoch nicht „in die Weite, sondern in die Enge“. Offene Fragen dürfe es für sie nicht geben, da Gott versprochen habe, „uns in alle Wahrheit zu führen“. Zweifel und Fragen würden deshalb als „Zeichen des Klein- oder Unglaubens“ dargestellt.

„Ein bibelgesättigter Glaube bietet mehr als fromme Sprüche“

Deines kann, wie er schreibt, zwar die Anliegen beider Seiten verstehen, aber: „Mir ist es bei den einen zu warm und bei den anderen zu kalt.“ Er plädiert dafür, zu einer „vernünftigen, nachdenklichen und intelligenten Mitte“ zurückzukehren, in der „sowohl um die großen biblischen Fragen als auch um die der Gegenwart mit Leidenschaft, Liebe, Lust und biblisch-theologischem Sachverstand gerungen“ werde. Deines ist überzeugt: „Ein bibelgesättigter Glaube erträgt kritische Fragen und bietet mehr als fromme Sprüche.“

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