Montag • 22. April
Satireverein
13. April 2019

„Spaghettimonster-Kirche“ klagt beim Gerichtshof für Menschenrechte

Die „Pastafari“ verehren eine Pseudo-Gottheit und feiern ihre Nudelmessen mit Pasta und Bier anstatt mit Brot und Wein wie beim christlichen Abendmahl. Foto: picture-alliance/dpa
Die „Pastafari“ verehren eine Pseudo-Gottheit und feiern ihre Nudelmessen mit Pasta und Bier anstatt mit Brot und Wein wie beim christlichen Abendmahl. Foto: picture-alliance/dpa

Straßburg (idea) – Die sogenannte „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ hat Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg eingereicht. Wie der religionskritische Satireverein auf seiner Internetseite mitteilte, will er seine Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft erreichen. Unterstützt wird die Klage von den atheistischen Organisationen Giordano-Bruno-Stiftung und Institut für Weltanschauungsrecht (beide Oberwesel). Dem Gerichtshof lägen bereits Klagen der „Spaghettimonster-Kirchen“ aus Polen und den Niederlanden vor, heißt es in der Mitteilung. Im Unterschied zu ihnen fordere die deutsche Sektion aber nicht die Anerkennung als Religion. Sie gebe offen zu, „dass wir die Lehre vom Spaghettimonster nur als Stilmittel benutzen, um unsere eigentliche Absicht, die Förderung des evolutionären Humanismus, besser umsetzen zu können“. Hintergrund der Klage ist ein Streit aus dem Jahr 2014. Damals hatte das Land Brandenburg dem Verein verboten, an Ortseingängen auf Hinweisschildern für seine wöchentlichen „Nudelmessen“ zu werben. Dadurch sieht sich die „Spaghettimonster-Kirche“ gegenüber den christlichen Kirchen diskriminiert, die an Ortseingängen mit Schildern auf die Zeiten ihrer Gottesdienste hinweisen dürfen. Im November 2018 hatte das Bundesverfassungsgericht eine Klage der atheistischen Gruppe als „offensichtlich unbegründet“ abgewiesen. 2017 hatte bereits das Oberlandesgericht Brandenburg entschieden, den „Pastafaris“ genannten Mitgliedern der „Spaghettimonster-Kirche“ fehle es an einer gemeinsamen Weltanschauung. Vielmehr imitierten sie als Mittel der Satire Texte und Symbole der christlichen Religion.

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Nudelmesse mit Pasta, Bier und „Monsterunser“

Die „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ hat ihren Ursprung in den USA. Sie entstand als Reaktion auf den Kreationismus, der davon ausgeht, dass Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hat. Die „Pastafari“ verehren eine Pseudo-Gottheit, die aussieht wie eine große Portion Nudeln mit Fleischbällchen. Sie feiern ihre Nudelmessen mit Pasta und Bier anstatt mit Brot und Wein wie beim christlichen Abendmahl. Zudem bekennen sie ihren Glauben an das fliegende Spaghettimonster und beten ein „Monsterunser“. Ziel der satirischen Religionskritiker ist es nach eigenen Angaben, wissenschaftliche Weltanschauungen zu fördern.

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