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Soziologe
04. Januar 2019

Hoher AfD-Anteil im Osten hat nichts mit Religionsferne zu tun

In den ostdeutschen Bundesländern hat die AfD eine größere Akzeptanz als im Westen. Foto: picture-alliance/ZB
In den ostdeutschen Bundesländern hat die AfD eine größere Akzeptanz als im Westen. Foto: picture-alliance/ZB

Berlin (idea) – Die größere Akzeptanz der AfD in den östlichen Bundesländern „hat kaum etwas mit der dort höheren Konfessionslosigkeit und Religionsferne zu tun“. Diese Ansicht vertritt der Soziologieprofessor und Extremismus-Experte Armin Pfahl-Traughber (Brühl bei Köln), in einem Interview mit dem Humanistischen Pressedienst (Berlin). Zum Hintergrund: Nach jüngsten Umfragen liegt die AfD in Sachsen bei 25 Prozent und in Brandenburg bei 20 Prozent. Pfahl-Traughber: „Ebenso wenig wie der hohe Anteil von AfD-Wählerstimmen etwas mit dem hohen Anteil von Konfessionslosen zu tun hat, hat der Rückgang der Geburtenrate etwas mit dem Rückgang der Störche zu tun.“ In den ostdeutschen Ländern bestehe auf mehreren Ebenen eine andere gesellschaftliche Rahmensituation als in Westdeutschland. Die sozioökonomische Entwicklung sei im Osten „vergleichsweise immer noch rückständig“. Vor allem im ländlichen Raum mangele es an beruflichen wie sozialen Perspektiven. Eine „einschlägige demokratische Zivilgesellschaft“ habe sich noch nicht herausgebildet. Es fehle in der politischen Kultur an Sensibilitäten bezüglich Themen wie Migration, Nationalismus und Nationalsozialismus. „Die rechtsextremistischen Einstellungspotenziale sind dort auch bedeutend höher“, so der Soziologe, der an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl lehrt. Es sei kein Zufall, dass die NPD in zwei ostdeutschen Bundesländern in die Parlamenten einzog, aber in den westdeutschen Bundesländern keine solchen Erfolge verbuchen konnte. Die NPD war zeitweise in den Landtagen von Mecklenburg-Vorpommern (2006–2016) und Sachsen (2004–2014) vertreten. Die AfD schneidet laut Pfahl-Traughber bei Wahlen besser ab, weil sie als bürgerliche Partei wahrgenommen werde. Nach seinen Worten ist der Rechtsruck in der Gesellschaft ein gesamtdeutsches Phänomen. In den westdeutschen Bundesländern gehörten Ende 2017 62 Prozent der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an, im Osten waren es knapp 22 Prozent.

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