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Neustrukturierung
19. September 2018

Pietismus: „Chrischona International“ beendet Verbandsarbeit

Mit dem Ende des Verbandes scheidet auch dessen Direktor René Winkler nach sechs Jahren aus dem Amt. Foto: www.rolfpessel.de
Mit dem Ende des Verbandes scheidet auch dessen Direktor René Winkler nach sechs Jahren aus dem Amt. Foto: www.rolfpessel.de

Basel (idea) – 2015 feierte eine der größten pietistischen Organisationen im deutschsprachigen Europa – „Chrischona International“ (früher Pilgermission St. Chrischona) – noch ihr 175-jähriges Bestehen. Zum 31. Dezember endet das Bestehen des Verbandes. Das hat die Mitgliederversammlung (Komitee) beschlossen, wie dessen Zentrale in Bettingen bei Basel mitteilte. Demnach werden die verschiedenen Arbeitsbereiche neu strukturiert und als Netzwerk miteinander verbunden. Unter dem Dach von „Chrischona International“ befinden sich bisher unter anderem das Theologische Seminar St. Chrischona sowie die Gemeindeverbände in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Sie umfassen rund 180 Gemeinden und Gemeinschaften, in denen sich rund 15.000 Mitglieder und regelmäßige Besucher versammeln. Der Verband arbeitete nach eigenen Angaben bereits seit über zwei Jahren an einer strategischen Neuausrichtung. Insbesondere die Leitungskreise von Chrischona Schweiz und des Chrischona Gemeinschaftswerks Deutschland hätten Vorbehalte geäußert, die bisherige Verbandsarbeit fortzusetzen. Sie äußerten die Überzeugung, dass es zeitgemäßer und verheißungsvoller sei, „in einer Art offenem Netzwerk“ zusammenzuarbeiten. Zum Hintergrund: Chrischona International erlebte 2016 einen Spendeneinbruch. Als Folge mussten vier Stellen gestrichen und die Zeitschrift „Chrischona Panorama“ eingestellt werden. Die Zahl der festangestellten Mitarbeiter liegt heute bei rund 40. Die finanzielle Entwicklung habe den Umstrukturierungsprozess beschleunigt, sagte der Leiter der Chrischona-Kommunikation, Michael Gross, gegenüber idea. Nach seinen Angaben sind die Chrischona-Gemeinden nicht von der Neustrukturierung betroffen, denn sie seien schon seit 1997 in Ländervereinen organisiert.

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Zurück zu den Wurzeln

Künftig soll die Bildungsarbeit im Zentrum der Aktivitäten stehen. Dazu erhält das Theologische Seminar St. Chrischona (tsc) eine eigenständige Rechtsform als Verein. Chrischona kehre damit zu seinen Wurzeln zurück, denn 1840 habe die Geschichte des Werkes mit der theologischen Ausbildung begonnen, heißt es in der Mitteilung. Damals gründete Christian Friedrich Spittler (1782–1840) auf dem Berg St. Chrischona bei Basel eine „Schule für Pilgermissionare“. Nach ihrer Ausbildung zogen sie aus, um die christliche Botschaft zu verbreiten. Der Mitteilung zufolge soll künftig ein „tsc-Netzwerk“ geknüpft werden. Es sei offen für eine Kooperation mit neuen Partnern auch außerhalb des bisherigen Chrischona-Verbandes. Gegenwärtig bereiten sich an der Ausbildungsstätte rund 152 junge Christen – etwa je zur Hälfte aus Deutschland und der Schweiz – auf ihren Dienst in Gemeinde und Mission vor. Das Theologische Seminar St. Chrischona finanziert sich durch Studiengebühren und Spenden. Beschlossen wurde ferner die Gründung einer Chrischona-Campus AG. Sie soll alle nicht steuerbefreiten Arbeitsbereiche bündeln, darunter das Konferenzzentrum und die Gastronomie auf St. Chrischona. Der Verein „Theologisches Seminar St. Chrischona“ hält alle Anteile an der AG. Mit dem Ende des Verbandes scheidet auch dessen Direktor René Winkler nach sechs Jahren aus dem Amt. Der 58-jährige Schweizer wird ab März 2019 für das Theologische Seminar St. Chrischona unter anderem für Vernetzung und Weiterbildung tätig sein, aber nicht mehr in leitender Funktion.

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