Dienstag • 25. Juni
„Gesellschaftliche Enthemmung“
26. Mai 2019

Warnung des Antisemitismus-Beauftragten stößt auf Kritik

Die Kritiker des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland ermutigen Juden dazu, Kippa zu tragen. Foto: picture-alliance/dpa
Die Kritiker des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland ermutigen Juden dazu, Kippa zu tragen. Foto: picture-alliance/dpa

Berlin/Jerusalem (idea) – Eine Aussage des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland, Felix Klein, stößt international auf Kritik. Klein hatte Juden davor gewarnt, „jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen“. Er könne es ihnen nicht empfehlen, so Klein gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Essen): „Das muss ich leider so sagen.“ Er habe seine Meinung „im Vergleich zu früher leider geändert“. Die gesellschaftliche Enthemmung und Verrohung nähmen zu und bildeten einen fatalen Nährboden für Antisemitismus. Dazu schrieb der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell (Berlin), am 26. Mai auf Facebook, dass das Gegenteil wahr sei: „Tragen Sie Ihre Kippa. Tragen Sie die Kippa Ihres Freundes. Leihen Sie sich eine Kippa und tragen Sie sie für unsere jüdischen Nachbarn. Erklären Sie den Menschen, dass wir eine vielfältige Gesellschaft sind.“

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Bayerischer Innenminister: Jeder kann und soll seine Kippa tragen

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin (Jerusalem) sagte laut „Jerusalem Post“ am 26. Mai, dass ihn die Aussage Kleins zutiefst geschockt habe. Man erkenne das Engagement der deutschen Regierung für die jüdische Gemeinde in Deutschland an. Aber solche Ängste vor der Sicherheit deutscher Juden seien eine Kapitulation vor dem Antisemitismus und ein Eingeständnis, dass Juden auf deutschem Boden erneut nicht mehr sicher seien. Dem Antisemitismus werde sich Israel entgegenstellen, betonte Rivlin: „Und wir erwarten und fordern, dass unsere Verbündeten auf die gleiche Weise handeln.“ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), sagte gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, es mache ihn unendlich traurig, dass „wir in unserem Land überhaupt diese Diskussion führen müssen. Und ich schäme mich dafür.“ Die einzig angemessene Reaktion darauf sei „null Toleranz“. Antisemitismus widerspreche allem, wofür das Christentum stehe. Zuvor hatte auch schon Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Klein widersprochen. Er ermutigte Juden, die jüdische Kopfbedeckung in der Öffentlichkeit zu tragen: „Jeder kann und soll seine Kippa tragen, egal wo und egal wann er möchte.“

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