Samstag • 21. April
DITIB
12. April 2018

Kritik: Kinder in Kampfanzügen posieren in Herforder Moschee

Der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Foto: picture-alliance/SvenSimon
Der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck. Foto: picture-alliance/SvenSimon

Herford (idea) – Auf scharfe Kritik ist eine Veranstaltung der Herforder Gemeinde des türkisch-islamischen Verbandes DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) gestoßen. Davon wurden im Internet Fotos und Videoaufnahmen veröffentlicht, die etwa fünf bis acht Jahre alte Jungen in Kampfanzügen zeigen. Die Kinder laufen mit Spielzeugwaffen und türkischen Fahnen umher, rufen militärische Kommandos und salutieren. Anlass der Aufführung war der „Gedenktag für den Sieg und die Märtyrer von Çanakkale”, den die Türken jedes Jahr am 18. März begehen. Er erinnert an eine Schlacht im Ersten Weltkrieg. Dabei hielt die osmanische Artillerie britische und französische Kriegsschiffe davon ab, Konstantinopel (das später in Istanbul umbenannt wurde), die Hauptstadt des Osmanischen Reiches, einzunehmen. Der frühere Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Bündnis 90/Die Grünen), jetzt Lehrbeauftragter am „Centrum für Religionswissenschaftliche Studien“ der Ruhr-Universität Bochum, wirft der mit DITIB verbundenen türkischen Religionsbehörde Diyanet vor, den Gedenktag „für die Unterstützung des völkerrechtswidrigen Vorgehens“ der Türkei im syrischen Afrin gegen die Kurden zu instrumentalisieren. Die Veranstaltung in Herford liege „auf der Linie der DITIB-Führung und der ihr vorgesetzten Behörde Diyanet in Ankara“. Beck forderte das Land Hessen auf, die Anerkennung von DITIB als Religionsgemeinschaft zurückzunehmen.

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CDU-Politiker: Beispiel für Parallelgesellschaften, die sich verfestigen

Kritik an der DITIB-Veranstaltung übte auch der Europaabgeordnete Arne Gericke (Freie Wähler) bei einem Besuch in Herford. Heranwachsende würden „politisch instrumentalisiert“: „Kinder, die in einer staatlich geförderten, religiösen Einrichtung – in Militär- und Kampfkleidung gesteckt – salutieren, kann man sicher nicht als Bagatelle abtun.“ Die Bundesregierung solle ihre Unterstützung für den Moscheeverband überdenken. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann (Paderborn) nannte die Bilder laut Westfalen-Blatt „verstörend“: „Das ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Parallelgesellschaften nicht nur existieren, sondern dass sie sich auch verfestigen“. Necati Aydin vom Vorstand der Herforder DITIB-Moscheegemeinde sprach gegenüber dem „Westfalen-Blatt“ von einem „Fehler“. Aufgrund der Erkrankung des ursprünglichen Leitungsverantwortlichen habe „die übliche Qualitätskontrolle“ nicht erfolgen können. Die Darbietung sei „ohne unser Zutun entstanden und findet nicht unsere Zustimmung“, so Aydin. DITIB war schon wiederholt in die Kritik geraten, weil die türkische Regierung unter Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan über sie Einfluss auf die Mitglieder der Moscheegemeinden in Deutschland nimmt.

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