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idea-Umfrage
08. Oktober 2019

Immer mehr Kinder besuchen evangelikale Schulen

Kinder im Unterricht an der Christlichen Schule Braunschweig. Foto: Privat
Kinder im Unterricht an der Christlichen Schule Braunschweig. Foto: Privat

Wetzlar (idea) – Immer mehr Kinder besuchen eine evangelikal-orientierte Schule in freier Trägerschaft. Das ergab eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Die Schülerzahl dieser Bekenntnisschulen stieg im Vergleich zum Jahr 2018 um 4,2 Prozent, von 42.148 auf 43.909. Bei 65 Prozent der Einrichtungen nahm die Schülerzahl zu, während sie bei 26 Prozent zurückging. Die restlichen neun Prozent der Schulen hielten die Schülerzahl konstant.

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Neu eröffnet wurde eine adventistische Grundschule in Müllheim (bei Freiburg), ein Schulzentrum mit einer Oberschule (Realschule) und einem Gymnasium in Limbach-Oberfrohna (bei Zwickau) sowie eine Realschule in Dußlingen bei Reutlingen und eine Grundschule in Korntal (bei Stuttgart).

Eltern stehen Schlange

Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS, Karlsruhe), dem die meisten der befragten Schulen angehören, vertritt bundesweit die Interessen von christlichen Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft. Sein Generalsekretär, Wolfgang Stock, erklärt die große Nachfrage damit, dass Werte in der Gesellschaft stark gefragt seien, gerade auch bei jungen Eltern. Daher suchten vor allem Christen gezielt Schulen aus, die diese Werte vermittelten. Das gelte aber auch immer mehr für kirchenferne Familien.

„In vielen Orten stehen Eltern Schlange, um ihre Kinder an einer christlichen Schule anzumelden“, so Stock. Nicht immer könnten alle Anmeldungen berücksichtigt werden: „Wir haben keinen Notstand bei den Lehrern, aber wir könnten mehr gebrauchen, um die große Nachfrage der Eltern zu decken.“ Viele Schulstandorte müssten sogar anbauen oder ganze Gebäude neu errichten.

Es ist ein Wunder

Während an staatlichen Schulen viele Lehrerstellen nicht besetzt werden könnten, seien an den Ausbildungsstätten des Verbandes Evangelischer Bekenntnisschulen nahezu alle Stellen zum Schuljahresbeginn besetzt. „Gott hat uns wieder wunderbar versorgt“, sagt Stock. Für ihn sei das alles andere als selbstverständlich, viel mehr sei es ein „Wunder“. Denn an die Lehrer der christlichen Bekenntnisschulen bestünden ganz besondere Ansprüche. Fächerübergreifend orientierten sich alle Unterrichtsinhalte an der Bibel und an einer lebendigen Jesusbeziehung.

In der staatlichen Pädagogenausbildung werde das nicht vermittelt, die Lehrer müssten sich daher vieles erst aneignen. Daher bietet der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen spezielle Fortbildungen an. Das Seminarangebot – „VEBS-Akademie“ – richte sich zudem an Trägervereine, Geschäftsführer und Vorstände. In diesem Jahr werden insgesamt 80 Seminare mit rund 1.300 Teilnehmern durchgeführt.

Mission? Das geht auch als Lehrer

Trotz der guten Versorgung suchten auch die Bekenntnisschulen weiterhin nach qualifizierten und gläubigen Pädagogen. Deshalb wirbt Stock dafür, dass mehr Christen den Lehrer- und Erzieherberuf ergriffen. „Wer heute Mission betreiben will, muss nicht mehr ins Ausland gehen. Als Lehrer an einer Bekenntnisschule kann man in Deutschland sehr effektiv als Vorbild Werte und den christlichen Glauben vermitteln“, so der VEBS-Generalsekretär.

Vorreiter bei der Digitalisierung

Stock sieht vielerorts die christlichen Schulen in einer Vorreiterrolle bei der Digitalisierung. Neben den klassischen Lehrbüchern kämen häufig moderne Lern- und Lehrmethoden zum Einsatz. Zudem profitierten die christlichen Privatschulen auch vom sogenannten „Digitalpakt“. Der Bund stellt insgesamt fünf Milliarden Euro für die Schuldigitalisierung zur Verfügung, rund zehn Millionen Euro werden die freien Bekenntnisschulen davon zur weiteren Modernisierung erhalten.

Das Verhältnis zum Staat ist gut

Überhaupt bezeichnet Stock das Verhältnis zu den staatlichen Stellen als Schul- und Aufsichtsbehörde als gut. Häufig würden die Genehmigungen schnell erteilt, und die staatliche Anerkennung folge rasch, so dass die Schulen Zeugnisse ausstellen und Prüfungen abnehmen dürften. Wenn es zu Problemen komme, dann meistens mit kommunalen Politikern. „Dann wird das Baurecht vorgeschoben, um die Gründung einer Bekenntnisschule zu erschweren“, weiß Stock.

Doch er verweist darauf, dass die Gründung freier, konfessioneller Schulen im Grundgesetz in Artikel 7 Absatz 4 und 5 verankert ist: „Es ist ein vielfach unterschätztes Grundrecht in unserer Verfassung, dass wir in Bekenntnisschulen nicht nur Kindern von Gott erzählen dürfen, sondern dass unser gesamter Schulalltag von unserem evangelischen Bekenntnis geprägt sein muss!“ Der Verband Evangelischer Bekenntnisschulen vertritt derzeit 136 Schulen an knapp 100 Standorten.

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