Freitag • 19. Januar
Publizist Henryk M. Broder
30. Dezember 2017

„Gehört der Islam zu Deutschland, gehört auch die Islamisierung dazu“

Der jüdische Publizist Henryk M. Broder. Foto: picture-alliance/Frank May
Der jüdische Publizist Henryk M. Broder. Foto: picture-alliance/Frank May

Berlin (idea) – Islam und Islamisierung gibt es nur im Doppelpack. Diese Ansicht vertritt der jüdische Publizist Henryk M. Broder (Berlin) in einem Kommentar für die Tageszeitung „Die Welt“ (Ausgabe 29. Dezember). Nach seinen Worten ist der Islam eine sehr dynamische Religion: „Er kennt kein Bis-hierher-und-nicht-weiter.“ Einen Islam ohne fortlaufende Islamisierung könne es nicht geben: „Gehört der Islam zu Deutschland, gehört auch die Islamisierung dazu.“ Wie weit sie im öffentlichen Leben vorangeschritten sei, zeige allein die Tatsache, dass Weihnachtsmärkte geschützt werden müssten. Gleiches gelte für Fußballspiele, Musikfestivals, Karnevalszüge und den Flugverkehr. Die Maßnahmen richteten sich nicht gegen slowakische Pfadfinder, britische Hooligans oder polnische Radwanderer, sondern gegen „islamistische Gefährder“. Sie hätten in Paris, Manchester, Nizza, London, Brüssel, Madrid und anderen Orten bewiesen, wozu sie imstande seien. Radikale Muslime unterschieden nicht zwischen Islam und Islamismus, sondern täten das, „wozu sie sich im Dienst der ‚einzig wahren Religion‘ verpflichtet fühlen“.

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Gericht hält Mehrehe für akzeptabel

Broder verweist ferner im Zusammenhang mit der Islamisierung auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs in Mannheim vom Sommer. Dabei ging es um einen muslimischen Syrer, der eine deutsche Frau geheiratet und bei seiner Einbürgerung nicht angegeben hatte, dass er bereits in Syrien eine Ehe eingegangen war. Das Gericht sah keinen Grund, ihm die Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Das Prinzip der Einehe sei nicht zwingend „ein Bestandteil der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“. Vor Gericht hatte der Mann angegeben, „sein muslimischer Glaube lasse eine Mehrehe für Männer zu, umgekehrt könne er sich aber nicht vorstellen, einer von mehreren Ehemännern zu sein“. Broder sieht durch die Islamisierung eine säkulare Ordnung bedroht, in der Religion Privatsache sei und das Recht auf freie Religionsausübung ebenso garantiert werde wie das Recht auf Religionskritik. Broder: „Das gibt es im Islam nicht. Und genau das ist unser aller Problem.“

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