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Funkschmidt
24. Juli 2020

EZW: Bei „Black Lives Matter“ gibt es auch Antisemitismus

Im Zuge der Proteste von Black Lives Matter wurde auch immer wieder Judenhass artikuliert. Symbolfoto: unsplash.com
Im Zuge der Proteste von Black Lives Matter wurde auch immer wieder Judenhass artikuliert. Symbolfoto: unsplash.com

Berlin (idea) – In der Bürgerrechtsbewegung „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen/BLM) gibt es auch antisemitische Züge. Das berichtet der Wissenschaftliche Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Kai Funkschmidt (Berlin), im EZW-Newsletter. Es handele sich um eine „extremistische, wenngleich lautstarke Minderheit“.

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Die 2013 gegründete „Black Lives Matter“-Bewegung organisiert regelmäßig Proteste gegen die Tötung Schwarzer durch Polizeibeamte. Zuletzt gab es nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd weltweit Demonstrationen. Der US-Bürger war am 25. Mai in Minneapolis (US-Bundesstaat Minnesota) durch eine gewaltsame Festnahme ums Leben gekommen.

Im Zuge der Proteste sei auch Judenhass artikuliert und jüdische Einrichtungen seien angegriffen worden, schreibt Funkschmidt unter Bezug auf Berichte in englisch- und französischsprachigen Medien. Die meisten Fälle hätten sich in den USA ereignet, aber auch in Europa habe es Antisemitismus gegeben.

So hätten Mitte Juni auf einer Antirassismus-Demonstration in Paris Teilnehmer Plakate gezeigt mit den Aufschriften „Israel, Laboratorium der Polizeigewalt“, „Wer ist der Terrorist?“ und „Palästina den Palästinensern! Boykottiert Israel“. Auf dem Place de la République sei „Dreckige Juden!“ gerufen worden.

Medienberichte: Es gibt eine enge Verbindung zur israelfeindlichen Initiative BDS

Als Grund für die antisemitischen Elementen der BLM-Bewegung gelte in den Medienberichten die enge Verbindung zur linksextremen Szene, zur „Antifa“ sowie der Schulterschluss mit der israelfeindlichen Initiative BDS (Boykott, Desinvestition und Sanktionen).

Funkschmidt zufolge erklären sich die beiden Bewegungen seit Jahren gegenseitig ihre Solidarität. BDS vergleiche auf seiner deutschen Internetseite den mutmaßlichen Mord an einem wehrlosen Schwarzen mit dem angeblich üblichen Umgang Israels mit Arabern. Auf der Internetseite heißt es: „So, wie die israelischen Besatzungstruppen dazu dienen, das Apartheidsystem gegen die Palästinenser*innen weiter zu verfestigen, so dienen die US-Polizeikräfte nur dazu, das System der Vormachtstellung und Privilegien der US-amerikanischen Weißen weiter zu verfestigen.“

Dann wendet sich BDS „an unsere schwarzen Brüder und Schwestern“: „Eure Widerstandsfähigkeit angesichts der brutalen Entmenschlichung ist uns eine Quelle der Inspiration für unseren eigenen Kampf gegen das israelische Besatzungsregime, den Siedlerkolonialismus und die Apartheid.“ Dabei würde „Israels Unterdrückungsregime“ die „indigene Bevölkerung Palästinas mit bedingungsloser Unterstützung der US-Regierung … enteignen [und] ethnisch … säubern“.

Funkschmidt: Schwarze Juden sind zwischen die Fronten geraten

Wie Funkschmidt weiter schreibt, ist Antisemitismus bei „Black Lives Matter“ kein neues Phänomen. BLM-Mitgründerin Patrisse Cullors sei schon 2015 Mitunterzeichnerin der Erklärung „Black for Palestine“ gewesen. Darin würden „Solidarität mit dem palästinensischen Kampf um Befreiung“ und ein Ende von Israels „Besatzung Palästinas“ gefordert. Diese Entwicklung wirke sich auch auf schwarze Juden aus. Sie stünden zwischen den Fronten. Für Teile der BLM-Bewegung seien Juden jeder Hautfarbe immer schon „Weiße“ gewesen.

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