Sonntag • 20. September
Ethikrat
27. März 2020

Freiheitsbeschränkungen möglichst bald lockern

Durch die Corona-Pandemie wurde das öffentliche Leben eingeschränkt und viele Geschäfte und Restaurants mussten schließen. Foto: unsplash.com
Durch die Corona-Pandemie wurde das öffentliche Leben eingeschränkt und viele Geschäfte und Restaurants mussten schließen. Foto: unsplash.com

Berlin (idea) – Die Freiheitsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollten möglichst bald schrittweise gelockert werden. Diese Ansicht vertrat der Deutsche Ethikrat in einer Empfehlung mit dem Titel „Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise“, die am 27. März in Berlin veröffentlicht wurde.

ANZEIGE

Darin heißt es, die ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen seien richtig, aber sie müssten ständig auf ihre sozialen und wirtschaftlichen Folgen geprüft werden. „Der ethische Kernkonflikt besteht darin, dass ein dauerhaft hochwertiges, leistungsfähiges Gesundheitssystem gesichert werden muss und zugleich schwerwiegende Nebenfolgen für Bevölkerung und Gesellschaft möglichst gering zu halten sind“, heißt es in einer Pressemitteilung des Ethikrates.

Erforderlich sei „eine gerechte Abwägung konkurrierender moralischer Güter, die auch Grundprinzipien von Solidarität und Verantwortung einbezieht und sorgfältig prüft, in welchem Ausmaß und wie lange eine Gesellschaft starke Einschränkungen ihres Alltagslebens verkraften kann“.

Der Vorsitzende des Ethikrates, der Theologieprofessor Peter Dabrock (Erlangen), erklärte in der Pressemitteilung, die Krise zeige, dass es in der Gesellschaft eine große Bereitschaft zur Solidarität gebe, mit der man aber „sorgsam umgehen“ müsse.

Ärzte nicht mit Entscheidungen alleine lassen

Weiter heißt es in der Empfehlung des Ethikrates, in der aktuellen Situation dürfe die Politik ihre Verantwortung nicht an Wissenschaftler abgeben. Gerade schmerzhafte Entscheidungen müssten von demokratisch gewählten Volksvertretern getroffen werden.

Das Gremium schrieb außerdem, Ärzte dürften nicht mit der Entscheidung über Leben und Tod alleingelassen werden, wenn die Mittel zur Versorgung aller Patienten nicht ausreichten. Es müssten einheitliche und transparente Kriterien dafür entwickelt werden, welche Patienten vorrangig intensivmedizinische Versorgung erhalten und wer nachrangig behandelt werden solle.

Diskutieren

Wir haben die Kommentarfunktion auf idea.de eingestellt. Im Gegenzug starten wir ein neues Format zum gezielten Austausch mit unseren Lesern: den ideaLog, eine einstündige Frage- und Antwortrunde auf Facebook zu ausgewählten Themen. mehr »

Diese Woche lesen Sie
  • Streitgespräch Haben homosexuelle Partnerschaften den Segen Gottes?
  • Bibelstelle Die Blüten der Verbotskultur
  • Pro und Kontra Alle Flüchtlinge aus Moria aufnehmen?
  • Wunderglaube Der heimliche Spaltpilz der Christenheit
  • ideaSpezial Reisen ist schön
  • mehr ...
ANZEIGE