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Schweden
28. April 2019

Digitalisierung: Ältere fühlten sich zunehmend ausgeschlossen

Etwa eine halbe Million Einwohner Schwedens, die meisten seien älter als 75 Jahre, nutzten das Internet und digitale Apps nicht. Symbolfoto: pixabay.com
Etwa eine halbe Million Einwohner Schwedens, die meisten seien älter als 75 Jahre, nutzten das Internet und digitale Apps nicht. Symbolfoto: pixabay.com

Berlin (idea) – Schweden gilt als ein Vorreiter der Digitalisierung. Das führt dazu, dass Ältere sich zunehmend von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Das berichtet die Tageszeitung „Die Welt“ (Berlin). Etwa eine halbe Million Einwohner, die meisten seien älter als 75 Jahre, nutzten das Internet nicht. Wer aber mit dem öffentlichen Verkehr fahren wolle, brauche in mehreren Städten entweder eine App, eine Bankkarte oder eine besondere Fahrkarte, die mit Geld aufgeladen werde. Läden, Restaurants und Cafés akzeptierten immer häufiger nur Kartenzahlungen. Besuche öffentlicher Toiletten und die Nutzung von Parkplätzen seien oft nur mit Karte oder einer App bezahlbar. Auch das größte Kinounternehmen des Landes sei seit drei Jahren komplett bargeldfrei. Der Eintritt könne ausschließlich online oder mit Karte vor Ort gezahlt werden. Es gebe ferner Supermärkte, an denen es nur eine Kasse mit Personal gebe und zehn Selbstbezahlungsstationen, die nur Kartenzahlungen akzeptierten. Das Gesundheitswesen sei hoch digitalisiert, wer seine Steuererklärung online mache, erhalte Rückzahlungen mindestens zwei Monate früher als andere. Christina Tallberg von der schwedischen Rentnerorganisation Pensionärernas Riksorganisation warnt darum vor einem Demokratieproblem. Wenn etwa die Mehrheit der Informationen über die EU-Wahl nur im Netz zu lesen sei, könnten all diejenigen ohne Internet nicht gleichberechtigt am Wahlprozess teilhaben. Laut der Sozialwissenschaftlerin und Pädagogin Linda Reneland-Forsman (Kalmar) haben viele Rentner das Gefühl, bestraft zu werden, weil sie die digitale Welt nicht beherrschten: „Sie schämen sich, die neue Technik nicht zu verstehen.“ Viele hätten keinen Fernseher mehr, weil die Installation eines neuen Gerätes so kompliziert sei. Reneland-Forsman sieht den Staat in der Pflicht. Es müssten neue Arbeitsplätze und Institutionen geschaffen werden. So wie es einen Hausmeister gebe, der sich um kaputte Heizungen kümmere, müsse das Funktionieren von technischen Geräten sichergestellt sein, die den Zugang zur Gesellschaft ermöglichten. Schweden hat 10,2 Millionen Einwohner.

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