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Fachgruppe
14. April 2019

Christen in der Pharmazie: Alternativmedizin wird oft verharmlost

Vielen Anwendern sei nicht klar, dass homöopathische oder anthroposophische Arzneimittel nicht auf Wirksamkeit oder Verträglichkeit überprüft werden. Foto: pixabay.com
Vielen Anwendern sei nicht klar, dass homöopathische oder anthroposophische Arzneimittel nicht auf Wirksamkeit oder Verträglichkeit überprüft werden. Foto: pixabay.com

Brotterode (idea) – Verfahren der Alternativmedizin sind auch bei Christen beliebt – etwa Homöopathie oder anthroposphische Medizin. Das berichteten Experten auf einer Tagung der Fachgruppe „Christen in der Pharmazie“ der Akademiker-SMD. Thema der Veranstaltung war „Alternativmedizin – was steckt oft dahinter?“ An dem Treffen im thüringischen Brotterode nahmen rund 50 Pharmazeuten teil. Christen hätten viele Angebote der Alternativmedizin in der Vergangenheit eher kritisch gesehen, sagte der ehrenamtliche Sprecher der Fachgruppe, der Apotheker Jens Kreisel (Plauen). „Jetzt dagegen kippt das mehr in eine unkritische bis naive Haltung, die sich dem Mainstream anschließt.“ Stattdessen würden schnell Aussagen wie „Hauptsache es hilft“ oder „Wer heilt, hat recht!“ gelten. Vielen Anwendern sei dabei nicht klar, dass homöopathische oder anthroposophische Arzneimittel nicht auf Wirksamkeit oder Verträglichkeit überprüft werden. So können sie laut dem Apotheker etwa teilweise Blei oder Quecksilber enthalten. „Krebspatienten nutzen oft die umstrittene Misteltherapie, unwissend über mögliche Risiken und Nebenwirkungen“, so Kreisel. Der Trend zeige sich bereits, „wenn Kirchgemeinden Zen-Meditation anbieten, christliche Freizeithäuser zu Yogakursen einladen, wenn ambivalente Begriffe, wie die im Buddhismus verankerte ‚Achtsamkeit’ unreflektiert und undifferenziert fast inflationär Verwendung finden“.

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Wirkweise von Alternativverfahren kritisch prüfen und hinterfragen

Eine Ursache für diese Entwicklung sahen die Referenten in enttäuschenden Erfahrungen mit der Schulmedizin. Laut der Ärztin und Missiologin Hanna-Maria Schmalenbach (Tübingen) versprechen die alternativen Angebote zudem „häufig nicht nur Gesundheit, sondern bieten auch Wege zur Selbstverwirklichung oder gar Selbsterlösung an“. Schmalenbach empfahl darum, sowohl Hintergründe als auch die Wirkweise von Alternativverfahren kritisch und nach dem Menschenbild der Bibel zu hinterfragen. Die Apothekerin Heidrun Böhm (Eisenach) warnte davor, die Anwendung alternativer Verfahren könne dazu führen, dass lebenswichtige Medikamente abgesetzt werden oder Therapien unterbleiben. „Manche alternativen Heilverfahren können vom lebendigen Gott wegziehen und in esoterisches und fernöstliches Gedankengut hineinführen oder geistliches Wachstum verhindern“, so Böhm. Sogar christliche Symbole und Gebete könnten magisch missbraucht werden. So nannte der Mediziner Karl-Heinz Schmalenbach (Tübingen) etwa beispielhaft die Nutzung des Kruzifixes im Exorzismus oder den Versuch, Gebetserhörungen durch bestimmte Formulierungen zu bewirken. Die SMD ist ein Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf, die 1949 als Studentenmission in Deutschland gegründet wurde. Die Pharmazie-Tagung findet seit 1993 jährlich statt, das nächste Mal vom 20. bis 22. März 2020 in Marburg zum Thema Altersmedizin.

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