Montag • 25. September
Interreligiöses Friedenstreffen
11. September 2017

Angela Merkel: Religionen haben einen Friedensauftrag

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach bei der Auftaktveranstaltung des Internationalen Friedenstreffens unter dem Thema „Wege des Friedens“. Foto: picture-alliance/Guido Kirchner/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach bei der Auftaktveranstaltung des Internationalen Friedenstreffens unter dem Thema „Wege des Friedens“. Foto: picture-alliance/Guido Kirchner/dpa

Münster/Osnabrück (idea) – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor einer Vereinnahmung von Religion gewarnt. Sie sprach bei der Auftaktveranstaltung des Internationalen Friedenstreffens der Gemeinschaft Sant’Egidio am 10. September in Münster. Das dreitägige Treffen steht unter dem Thema „Wege des Friedens“ und findet in den Städten des 1648 geschlossenen Westfälischen Friedens – Münster und Osnabrück – statt. Krieg und Gewalt ließen sich nicht im Namen einer Religion rechtfertigen, sagte Merkel vor rund 3.000 Zuhörern. Religionen hätten einen Auftrag zum Frieden. Sie versprach, sich für sichere und legale Migrationsmöglichkeiten für Schutzbedürftige einzusetzen und zugleich die Ursachen der Flucht zu bekämpfen. Die „vom Schleuserunwesen getriebene illegale Migration nach Europa“ müsse eingedämmt und die Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern verbessert werden. Europa hat Merkel zufolge eine besondere Bedeutung als Friedensstifter. Der Einigungsprozess sei eine „einzigartige Erfolgsgeschichte“. Nach dem von Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg und dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden sei „das schier Unmögliche“ gelungen: das Zusammenwachsen Europas „von Hass und Feindschaft hin zu Versöhnung und Partnerschaft“.

ANZEIGE

Papst Franziskus: Gott verabscheut Kriege und Gewalt

Zur Eröffnung des Friedenstreffens wurde auch ein Grußwort von Papst Franziskus verlesen. Ihm zufolge sind Kriege niemals heilig, und Gewalt werde nie im Namen Gottes verübt, weil Gott beides verabscheue. Religionen seien dazu berufen, sich sowohl im Gebet als auch konkret und konstruktiv für den Frieden zu engagieren. Bischof Felix Genn (Münster) lobte Bundeskanzlerin Merkel für ihre Flüchtlingspolitik: „Sie sind im schwierigen Jahr 2015 nicht von Ihrer Überzeugung abgewichen, für Menschen, die vor Terror, Krieg, Gewalt, Hunger und vielfältigen Notsituationen fliehen, vorübergehend oder bleibend eine Aufnahme zu bieten.“

An das Schicksal von entführten Kirchenleitern erinnern

Der griechisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien und des ganzen Orients, Johannes X., erinnerte an das Schicksal von zwei in Syrien entführten Kirchenleitern. Von dem griechisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Boulos Yazigi – Bruder von Johannes X. –, und seinem syrisch-orthodoxen Amtsbruder, Mor Gregorius Yoanna Ibrahim, gibt es bis heute kein Lebenszeichen. Sie waren am 22. April 2013 westlich der nordsyrischen Stadt Aleppo unweit der türkischen Grenze verschleppt worden. Er verstehe nicht, so Johannes X., wieso die internationale Gemeinschaft das nicht im Blick habe. Man habe die Entführten offenbar vergessen.

Eine Initiative von Papst Johannes Paul II.

Die 1968 in Rom gegründete Gemeinschaft Sant’Egidio organisiert seit 1987 jährlich ein interreligiöses Friedenstreffen. Es geht zurück auf eine Initiative von Papst Johannes Paul II. (1920–2005). Er hatte vor 31 Jahren erstmals in die Heimatstadt von Franz von Assisi (1181/82–1226) eingeladen. Sant’Egidio hat rund 60.000 Mitglieder in mehr als 70 Ländern. Die diesjährige Zusammenkunft ist nach Aachen (2003) und München (2011) die dritte in Deutschland. Veranstalter sind neben Sant’Egidio die (katholischen) Bistümer Münster und Osnabrück. Teilnehmer des Treffens sind unter anderen auch der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher (Leer), der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Gerhard Ulrich (Schwerin), der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg), und der stellvertretende Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Bischof Thomas Schirrmacher (Bonn).

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser sieben Tage kommentiert werden.

18 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Katrin Göring-Eckardt „Ökologie ist eine Existenzfrage“
  • Berlin Marsch für das Leben
  • Pro & Kontra Säkulare Lieder ins Gesangbuch aufnehmen?
  • Dankbarkeit Es geht uns besser als wir glauben!
  • Bundestagswahl Ein ungewöhnlicher AfD-Kandidat
  • mehr ...
ANZEIGE