Donnerstag • 6. August
St.-Martini
06. Juli 2020

„Wir befinden uns in einer schweren Auseinandersetzung“

Der Pastor der St.-Martini-Kirchengemeinde in Bremen, Olaf Latzel, bei seiner vorerst letzten Predigt am 5. Juli. Screenshot: YouTube/Olaf Latzel
Der Pastor der St.-Martini-Kirchengemeinde in Bremen, Olaf Latzel, bei seiner vorerst letzten Predigt am 5. Juli. Screenshot: YouTube/Olaf Latzel

Bremen (idea) – Der Pastor der St.-Martini-Kirchengemeinde in Bremen, Olaf Latzel, hat am 5. Juli seine vorerst letzte Predigt vor einem sechswöchigen Urlaub gehalten. In einem Dienstgespräch am 3. Juli mit der Kirchenleitung der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) hatte der 52-Jährige sich bereiterklärt, vom 9. Juli bis 24. August Urlaub zu nehmen.

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Zuvor war bekanntgeworden, dass die Staatsanwaltschaft den evangelikalen Geistlichen angeklagt hat. Zur Begründung hieß es, dass er am 19. Oktober 2019 in einem Eheseminar volksverhetzende Äußerungen von sich gegeben habe: „So bezeichnet der Angeschuldigte Homosexuelle generalisierend als Verbrecher und die Homosexualität als Degenerationsform der Gesellschaft.“

Latzel: Urlaub war nicht vorgesehen

Im Gottesdienst räumte Latzel ein, dass der Urlaub nicht vorgesehen gewesen sei. Seine Predigt zählte auf YouTube bis Montagvormittag über 13.000 Zuschauer. Einer der Kirchenvorsteher der Gemeinde, Jürgen Fischer, verlas nach dem Gottesdienst eine Erklärung des Kirchenvorstandes. Darin heißt es: „Wir befinden uns in einer schweren Auseinandersetzung.“ Er verwies ferner auf die Presseerklärung der BEK über das Dienstgespräch mit Latzel.

Wie es darin heißt, wird es während seines Urlaubs keine disziplinarrechtlichen Schritte geben. Fischer rief ferner zum Gebet für Latzel und die Gemeinde auf. Am 1. Juli war die St.-Martini-Gemeinde darüber informiert worden, dass die BEK eine einstweilige Verfügung mit einem Predigtverbot gegen Latzel erlassen hat.

Eine vorgesehene Bibelstunde am gleichen Tag musste daher ausfallen. Die Erklärung des Gemeindevorstandes, Michael Franke, dazu wurde auf YouTube über 31.000-mal angeklickt. Vom Predigtverbot ist seit dem Dienstgespräch keine Rede mehr.

Protest mit nackten Brüsten

Vor dem Gottesdienst am 5. Juli demonstrierte eine Homosexuellen-Aktivistin vor der Kirche gegen Latzel. Sie hatte ihre nackten Brüste mit Regenbogenfarben bemalt. Gegenüber dem Regionalmagazin „buten und binnen“ des Senders Radio Bremen sagte sie: „Es ist ein Unding, was hier gerade passiert.“ Zahlreiche Gemeindemitglieder drückten gegenüber dem Sender ihre Unterstützung für Latzel aus.

Ein Eheseminar mit Folgen

Zum Hintergrund: Latzel hatte in einem Eheseminar 2019 in seiner St.-Martini-Gemeinde, das auf YouTube veröffentlicht wurde, unter anderem über Homosexuelle gesprochen. Dabei sagte er: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“

Für die Verwendung des Wortes „Verbrecher“ entschuldigte er sich später öffentlich. Er habe damit nicht allgemein homosexuell lebende Menschen gemeint, „sondern militante Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben“. Das Video wurde inzwischen gelöscht. Wiederholt war die St.-Martini-Kirche mit antichristlichen Schriftzügen beschmiert worden. Auch Gottesdienste wurden gestört. Latzel erhielt sogar Morddrohungen.

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