Sonntag • 20. August
Theologe
13. August 2017

Die Kirchensteuer ist unzeitgemäß und ungerecht

Die hohen Kirchensteuermittel hemmten die Bereitschaft zu Reformen in den beiden großen Kirchen, so Hemel. Foto: pixabay.com
Die hohen Kirchensteuermittel hemmten die Bereitschaft zu Reformen in den beiden großen Kirchen, so Hemel. Foto: pixabay.com

Berlin (idea) – Die Kirchensteuer ist unzeitgemäß, ungerecht und macht träge. Sie sollte deshalb abgeschafft werden. Diese Ansicht vertritt der Direktor des Instituts für Sozialstrategie, Prof. Ulrich Hemel (Laichingen), in einem Essay in der „Welt am Sonntag“. „Wenn nur noch 55 Prozent der Bevölkerung sich zur katholischen oder evangelisch-lutherischen Kirche bekennen, und wenn ein Drittel von ihnen gar keine Einkommensteuer zahlt (an sie ist die Zahlung der Kirchensteuer gebunden – Anm. d. Red.), dann wird die Merkwürdigkeit des heutigen Systems sichtbar“, schreibt der katholische Theologe und Unternehmer. Knapp 40 Prozent der Steuerzahler seien zur Kirchensteuer verpflichtet, 60 Prozent nicht. Von kirchlichen Krankenhäusern, Kindergärten und anderen sozialen Einrichtungen, die unter anderem darüber finanziert würden, profitierten aber alle: „Gerecht ist das nicht.“

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Wer Besitzstände wahrt, kann nicht aufbrechen

Zudem hemmten hohe Kirchensteuermittel die Bereitschaft zu Reformen in den beiden großen Kirchen. Hemel: „Die durch das Kirchensteuersystem mit bedingte Beamtenmentalität in der kirchlichen Verwaltung bremst Kräfte aus, die sich neu mit christlichen Inspirationen aus dem Evangelium auseinandersetzen wollen.“ Statt Erneuerung laute die Devise folglich „vorsichtiger Rückbau“. Wer Besitzstände wahre, könne nicht aufbrechen und wer die Vergangenheit verwalte, gewinne nicht die Zukunft, so der Theologe. Seiner Ansicht nach steht hinter der Debatte um eine mögliche Abschaffung der Kirchensteuer die zentrale Frage, wozu Kirche überhaupt da sei: „Wo liegt der Kern ihrer Botschaft, und was folgt daraus für das Wirken in der Welt?“ Durch eine solche Rückbesinnung könnten die beiden großen Kirchen aber jene spirituelle Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, die sie gegenwärtig nur noch selten hätten: „Denn anders lässt sich eine Anzahl von über dreihunderttausend Menschen, die jährlich aus der katholischen und evangelischen Kirche austreten, kaum erklären.“

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