Freitag • 20. September
EKD
12. September 2019

Evangelische Kirche will ein Schiff schicken

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am 12. September in der Bundespressekonferenz in Berlin. Foto: idea/Christina Bachmann
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am 12. September in der Bundespressekonferenz in Berlin. Foto: idea/Christina Bachmann

Berlin (idea) – Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will ein Schiff zur Seenotrettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer schicken. Das kündigte der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), am 12. September in der Bundespressekonferenz in Berlin an. Die Entscheidung habe der Rat der EKD in seiner vergangenen Sitzung beschlossen. Demzufolge werde in den kommenden Wochen gemeinsam mit einem breiten gesellschaftlichen Bündnis ein Verein gegründet, um das Schiff schnellstmöglich auf den Weg zu bringen: „Jeder Mensch ist geschaffen nach dem Bilde Gottes, das ist das, was wir Christen glauben. Deshalb hat die Not keine Nationalität.“ Er sehe in dem Schiff mehr als nur ein Symbol: „Es geht um exemplarisches Handeln.“ Im Rat der EKD habe es eine große Einigkeit für diesen Entschluss gegeben, die er so nicht erwartet habe. „Da ist ein ganz breiter Wille dazu da, an dieser Stelle Flagge zu zeigen.“ Bis zum tatsächlichen Auslaufen des Schiffs werde es aber noch dauern. So gebe es noch keine konkreten Kaufverhandlungen. Auch der Umbau könne einige Monate in Anspruch nehmen. Die Kosten für das Schiff schätzt Bedford-Strohm auf einen „hohen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen“ Betrag. Das Interesse an dem Bündnis für das Schiff sei groß. Darunter seien etwa Sportvereine, Unternehmen, Schulen, Kirchengemeinden, Hilfsorganisationen und Netzwerke von Ehrenamtlichen. Auch eine ökumenische Aktion halte er für denkbar. So sei er mit dem Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), im Gespräch. Dieser habe sich im Bereich der zivilen Seenotrettung persönlich sehr engagiert: „Das lässt mich sehr hoffen, dass er auch dieses Unternehmen unterstützen wird.“

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Staatliche Seenotrettung wieder aufnehmen

Bedford-Strohm forderte gleichzeitig, die staatliche Seenotrettung wieder aufzunehmen. Der Sophia-Marineeinsatz der EU vor der libyschen Küste war im Frühjahr gestoppt worden, da die Mitgliedstaaten sich nicht auf ein System zur Verteilung der Flüchtlinge einigen konnten. Es müsse eine politische Lösung für den Umgang mit geretteten Flüchtlingen geben. Er sprach sich für einen Verteilmechanismus in Europa aus, „der verhindert, dass bei jedem einzelnen Schiff wieder von neuem darum geschachert wird, ob Menschen an Land dürfen und wohin sie gehen dürfen“. Seenotrettung dürfe, so Bedford-Strohm, nicht mehr kriminalisiert werden. „Es ist absolut unverantwortlich, Menschen, die im Mittelmeer gerettet werden, der sogenannten libyschen Küstenwache zu übergeben.“ Neben überwiegendem Zuspruch für das kirchliche Engagement habe er auch kritische E-Mails erhalten. Sie hätten jedoch rapide abgenommen, seit nach Luftangriffen Bilder libyscher Lager in den Medien zu sehen gewesen seien: „Die Menschen haben, glaube ich, begriffen, dass es nicht geht, Leute, die kurz vor dem Ertrinken gerettet worden sind, in dieses Folterlager zurückzuschicken.“

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