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Zurückgetretener Landesbischof
15. November 2019

Rentzing bittet um Vergebung für schuldig gebliebene Worte und Taten

Der zurückgetretene Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, am 15. November bei der Verabschiedung in Dresden. Foto: idea/kairospress
Der zurückgetretene Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, am 15. November bei der Verabschiedung in Dresden. Foto: idea/kairospress

Dresden (idea) – Der zurückgetretene Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing (Dresden), hat um Vergebung für schuldig gebliebene Worte und Taten gebeten. „Ich war überfordert, und ich bitte um Verzeihung für alle falsche beziehungsweise unzulängliche Kommunikation nach innen und außen“, erklärte er am 15. November bei der Verabschiedung in Dresden.

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Der 52-Jährige hatte am 11. Oktober seinen Rücktritt angeboten, den die Kirchenleitung mit Wirkung zum 31. Oktober annahm. Wie Rentzing betonte, ist er dazu von niemandem gedrängt worden, sondern habe die Entscheidung allein mit seinem Herrn getroffen. „Ich gehe heute nicht im Zorn, sondern im Frieden. Ich liebe diese Kirche und habe ihr unendlich viel zu verdanken“, erklärte er vor der Landessynode.

Rentzing: Hätte mir historisch-kritischen Umgang mit Texten gewünscht

Rentzing hatte sich zu dem Schritt entschlossen, nachdem unter anderem bekanntgeworden war, dass er als Student Beiträge für die rechtskonservative Zeitschrift „Fragmente“ verfasst hatte. Wie Rentzing nun erklärte, sei sein politisches Bewusstsein bereits Anfang der 1980er Jahre geweckt worden, als er als Jugendlicher in Westberlin aufwuchs. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands sei er mit Westberliner Jugendlichen in einen „nationalen Überschwang“ geraten, aus dem schließlich auch die entsprechenden Artikel hervorgegangen seien.

„Ich habe meine damaligen jugendlichen Gedanken geäußert und mir gewünscht, dass wir mit den Texten so umgehen, wie wir als Kirche immer mit Texten umgehen – nämlich historisch-kritisch“, so Rentzing. Nur so könne der wahre Inhalt einer Schrift erfasst und eingeordnet werden. Jede echte Kritik ziele schließlich nicht darauf, das Kritisierte zu zerstören, sondern zu bewahren und voranzubringen.

Er selbst distanziere sich seit über 25 Jahren von allem, was dem Geist Christi widerspreche. Seit seinem Eintritt in den kirchlichen Dienst gelte seine Loyalität so „nicht mehr einer Nation, sondern der Familie Gottes, die aus vielen Völkern besteht“.

„Man suchte nach einem Angelhaken in meinem Leben“

Rentzing sagte in seiner Ansprache, nach den ersten Vorwürfen zu seiner Jugend habe er zuerst nur auf die ihm gestellten Fragen geantwortet. „Das war im Nachhinein ein Fehler.“ Doch zu diesem Zeitpunkt habe er „noch keine Vorstellung gehabt, dass es längst um viel mehr ging“. Erst später habe er etwa erfahren, dass ein ehemaliger Kommilitone aus seinem Jurastudium bereits vor anderthalb Jahren auf ihn hin befragt worden sei.

„Schon lange war man auf der Suche nach einem Angelhaken in meinem Leben“, so Rentzing. Dabei seien auch Formen politischer Agitation zur Anwendung gekommen. Man habe gesucht und schließlich gefunden. Seine Familie und er hätten erfahren müssen, welch zerstörendes und vernichtendes Potenzial in der öffentlichen Bedeutung liegen könne.

Auch sein Schweigen sei ihm zum Vorwurf gemacht worden. Doch ein altes geistliches Prinzip laute: „Rede nicht aus dem Schock, aus Wut und Zorn heraus, sondern aus der Stille!“ Das wolle er nun mit seiner Erklärung tun. An die Besucher gerichtet bat er, Loyalität zu Wahlen und Beschlüssen der Landessynode zu wahren und „nicht anzufangen, in Biografien herumzuwühlen“.

Denn dieser Weg sei verheerend und finde niemals Jesu Segen. „Es gibt keine progressive, liberale oder konservative Kirche, sondern nur Kirche in Jesus Christus“. Er „segne und schütze die sächsische Landeskirche und bewahre ihre Einheit!“

Synodenpräsident: Rentzing betonte Christus als Zentrum der Kirche

Der Präsident der sächsischen Landessynode, Otto Guse, sagte, Rentzing habe das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und in vielfältiger Weise Gottes Liebe und Treue bezeugt. Zu seinen Gaben zählten neben Besonnenheit und Gesprächsbereitschaft auch die Fähigkeit, Brücken zwischen den verschiedenen Frömmigkeitsstilen in Synode und Landeskirche zu bauen.

In Predigten und Gesprächen habe Rentzing immer wieder das stark gemacht, was ihm wichtig sei, nämlich Jesus Christus als Mitte der Kirche. Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister (Hannover), rief dazu auf, den Dienst Rentzings zu achten und auch weiterhin für ihn zu beten.

Am Gottesdienst zur Verabschiedung nahmen unter anderen der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, Martin Dulig (SPD), sowie Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) teil. Bis zur Wahl eines Nachfolgers am 29. Februar 2020 vertritt der theologische Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel (Dresden) den zurückgetretenen Landesbischof.

Die Rede von Carsten Rentzing finden Sie hier im Wortlaut.

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