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Rheinischer Präses
13. Januar 2020

Rekowski: Organspenden müssen freiwillig sein

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, am 13. Januar vor der Landessynode in Bad Neuenahr. Foto: www.landessynode.ekir.de
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, am 13. Januar vor der Landessynode in Bad Neuenahr. Foto: www.landessynode.ekir.de

Bad Neuenahr (idea) – Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), hat sich am 13. Januar vor der Landessynode in Bad Neuenahr gegen den Plan von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ausgesprochen, bei der Organspende die sogenannte Widerspruchslösung einzuführen.

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Danach würde zunächst jeder als Organspender gelten – es sei denn, er selbst oder Angehörige widersprechen. Derzeit ist eine Entnahme nur möglich, wenn eine Zustimmung vorliegt (sogenannte Zustimmungslösung). Die Einführung einer Widerspruchslösung werde in der Praxis dazu führen, dass Angehörige nach dem mutmaßlichen Willen des Betroffenen gefragt würden, wenn er keinen eindeutigen Widerspruch erhoben habe, sagte Rekowski in seinem „Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse“. Das könne für die Angehörigen eine erhebliche Belastung darstellen.

Die Widerspruchslösung werde darüber hinaus weitreichende Folgen für die Gesellschaft haben. Es sei fraglich, ob es gelingen könne, alle Bürger über die Konsequenzen eines fehlenden Widerspruchs zu informieren. Die Voraussetzung für eine Organspende müsse aber in jedem Fall eine „in Freiheit und wohlinformiert“ getroffene Entscheidung sein. Der Bundestag wird am 16. Janaur über die Reform der Organspende abstimmen.

Kirche muss neu Resonanz erzeugen und Relevanz gewinnen

Rekowski sagte in seinem Bericht außerdem, die Kirche müsse angesichts sinkender Mitgliederzahlen „herausfinden, wie wir neu Resonanz erzeugen und Relevanz gewinnen können“. Für viele Menschen sei die Distanz zur Kirche so groß, dass sie „schon gar nicht mehr fragen, worum es beim christlichen Glauben überhaupt geht“. Dieser Entwicklung versuche die rheinische Kirche unter anderem durch sogenannte „Erprobungsräume“ entgegenzuwirken, in denen innovative Formen kirchlichen Lebens entwickelt würden.

Neue Bibelfrömmigkeit gegen Populismus

Weiter sagte der Präses, in Deutschland und weltweit erlebten politische Kräfte einen Aufstieg, die Gewalt und gesellschaftlicher Spaltung Vorschub leisteten. Es sei eine Herausforderung für die Kirchen, dass populistische und demagogische Positionen oft religiös begründet würden. Die Kirchen hätten deswegen eine besondere Verantwortung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Christen könnten dem „Missbrauch der eigenen Tradition“ durch die Entwicklung einer neuen Bibelfrömmigkeit und Bibelfestigkeit entgegentreten. „Vielleicht sollten wir anfangen, unsern Kindern, Enkelkindern und auch uns gegenseitig wieder biblische Geschichten zu erzählen“, zitierte der Präses die US-Theologin Brigitte Kahl.

Rekowski: Altersgrenze für Kirchenvorstände abschaffen

Der Präses wies in seinem Bericht außerdem auf die Wahlen zu den Presbyterien (Kirchenvorständen) hin, die in der rheinischen Landeskirche am 1. März stattfinden. Voraussichtlich werde in mehr als der Hälfte der Gemeinden keine Abstimmung stattfinden, da es immer schwerer werde, ausreichend viele Kandidaten für die ehrenamtlichen Leitungsgremien zu gewinnen.

Rekowski sprach sich dafür aus, die „Altersgrenze“ für Presbyter abzuschaffen. Nach der Kirchenordnung der rheinischen Kirche dürfen die Mitglieder der Kirchenvorstände nicht älter als 75 Jahre sein. Dass Menschen in diesem Alter, „die sich in anderen Lebensbereichen nahezu überall ohne Altersgrenze einbringen können, ausgerechnet in der Kirche von der Mitwirkung an der Leitungsverantwortung grundsätzlich ausgeschlossen werden, leuchtet mir nicht ein“, so Rekowski.

Lilie: Kirche und Diakonie müssen gemeinsame Wege suchen

Die Synode widmet sich in diesem Jahr dem Hauptthema Diakonie. Der Präsident der Diakonie Deutschland, Pfarrer Ulrich Lilie (Berlin), sagte am 12. Januar in einem Vortrag vor der Synode, Kirche und Diakonie müssten neue und vor allem gemeinsame Wege gehen, um den diakonischen Auftrag auch künftig erfüllen zu können. Das sei nicht immer einfach. So könne die Professionalität der diakonischen Einrichtungen auf Gottesdienstgemeinden befremdlich wirken.

Kirche und Diakonie hätten aber die gemeinsame Aufgabe, „eine Kultur der Menschenfreundlichkeit“ zu schaffen. Die Landessynode tagt noch bis zum 16. Januar in Bad Neuenahr. Die rheinische Kirche hat rund 2,45 Millionen Mitglieder.

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