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Theologe
10. Juli 2018

Professor Schnelle: Wie die Kirche ihre Zukunft verspielt

Der Theologieprofessor Udo Schnelle. Foto: Philipp von Dithfurth
Der Theologieprofessor Udo Schnelle. Foto: Philipp von Dithfurth

Wetzlar (idea) – Die evangelischen Kirchen dienen sich häufig dem Zeitgeist an und verspielen so ihre Zukunft. Diese Ansicht vertritt der Theologieprofessor Udo Schnelle in einem Beitrag für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Schnelle lehrte Neues Testament in Erlangen und Halle (Saale) und ist Autor mehrerer theologischer Standardwerke. Ihm zufolge sieht die evangelische Kirche ihre Zukunft in der politischen Ethik und orientiert sich dabei an Ideen aus dem rot-grünen Politik-Spektrum. Eine dieser Leitideen sei der „globale Universalismus, wonach jeder für jeden und für alles in der Welt Verantwortung habe“. Er führe zu einer Art „Intensiv-Ethik, die permanent fordert und sich moralisch unendlich überlegen fühlt“. Ein Beispiel dafür sei die Flüchtlingsfrage. Die EKD erwecke den Eindruck, dass es eine Aufnahmepflicht ohne Grenzen gebe. Es gebe jedoch kein unbegrenztes Helfen. Grenzenlosigkeit bedeute die Außerkraftsetzung von Regeln. Ohne Begrenzung sei keine Integration möglich. Auch theologisch sei die Forderung der Grenzenlosigkeit falsch. Jesu Christi Aussagen zur Nächsten- und Feindesliebe bezögen sich auf die individuelle Alltagsethik und nicht auf globale Prozesse des 21. Jahrhunderts. Schnelle: „Zwar ist Helfen die Pflicht von Christen; aber wie und in welchem Umfang man hilft, ist eine Frage der Vernunft.“

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Die Bibel wird gering geschätzt

Schnelle zufolge wird in der evangelischen Kirche die Bibel nicht mehr als Wort Gottes ernst genommen. Das zeige sich etwa an der Zustimmung der evangelischen Kirche zur „Ehe für alle“. Sie sei ein „krasses Beispiel politischer Willfährigkeit“ und stehe im eklatanten Widerspruch zur Bibel. Für Jesus Christus entspreche nur die Ehe zwischen Mann und Frau dem Willen des Schöpfers (Markus 10,1-9). Für die evangelische Kirche sei die Bibel ein „kulturelles Traditionsrelikt“, auf das man noch pflichtbewusst verweise. Ansonsten folge man aber den eigenen politischen und ethischen Vorlieben. Schnelle: „Ist die Angst vor den Vorwürfen der Diskriminierung und mangelnden Toleranz größer als die Zuversicht in die Wahrheit des Wortes Gottes?“ Für viele Bischöfe sei die positive Erwähnung in den Medien der Maßstab ihres Handelns. Den Gemeindegliedern bleibe die faktische Geringschätzung der Bibel in Kirche und Theologie nicht verborgen.

Was im Dialog mit dem Islam falsch läuft

Ferner äußerte sich Schnelle zum kirchlichen Dialog mit dem Islam. Um sich nicht dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit, des Rassismus oder der Islamophobie auszusetzen, scheine eine „theologische Abrüstung“ das Gebot der Stunde zu sein. Einzelne Bischöfe und Synoden seien dabei, den biblischen Wahrheitsanspruch deutlich zu reduzieren. Er werde „entweder gar nicht mehr oder nur noch entschärft und verschämt artikuliert“. Der Gegensatz zwischen Christentum und Islam lasse sich jedoch nicht auflösen. Für Christen sei Jesus Christus der Sohn Gottes. Für den Islam sei dies eine Irrlehre. Die christliche Vorstellung des dreieinigen Gottes sei vom Islam von Anfang an bekämpft worden. Sie gelte bis heute als Ausdruck der Verfälschung des Wesens des einen allmächtigen Gottes. Der Koran bezeichne Christen in Sure 9,29-33 als Lügner, Häretiker und zu bekämpfende Polytheisten.

Der Schlüssel für die Zukunft der evangelischen Kirche

Nach Schnelles Worten verspielt die Kirche ihre Zukunft, wenn sie sich „als Moralagentur höherer Ordnung inszeniert und den Eindruck erweckt, als sei das Evangelium ein sozial-politisches Programm“. Es sei falsch, wenn die Kirche „ihre eigentliche Botschaft nur noch verschämt oder gar nicht mehr verkündet: Allein der Glaube an Jesus Christus rettet den Menschen aus dem Bereich seiner Gottesferne und Sünde“. Selbstbewusstsein und Identität seien der Schlüssel für die Zukunft der evangelischen Kirche. Ihre Aufgabe sei es, auf der Grundlage der Bibel treu zu ihren Glaubens- und Lebenseinsichten zu stehen. Anstatt „permanenter politischer Mahnung“ müsse die theologische und seelsorgerliche Kompetenz im Mittelpunkt stehen.

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