Sonntag • 27. September
Einspruch eingelegt
07. September 2020

Pfarrer soll Bußgeld zahlen wegen Missachtung der Corona-Regeln

Der Pfarrer hatte die 700 Quadratmeter große Kirche „Maria Frieden“ am 27. März zwei Stunden lang zum „privaten Gebet“ geöffnet. Symbolfoto: pixabay.com
Der Pfarrer hatte die 700 Quadratmeter große Kirche „Maria Frieden“ am 27. März zwei Stunden lang zum „privaten Gebet“ geöffnet. Symbolfoto: pixabay.com

Hannover (idea) – Die Gemeindemitglieder der katholischen Polnischen Mission Hannover sind empört: Ihr Pfarrer Tadeusz Kluba soll wegen Missachtung der Corona-Regeln ein Bußgeld von 1.000 Euro bezahlen. Gegen zwei weitere Personen aus der Gemeinde wurde ein Bußgeld von jeweils 180 Euro verhängt.

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Was war passiert? Kluba hatte die 700 Quadratmeter große Kirche „Maria Frieden“ am 27. März zwei Stunden lang zum „privaten Gebet“ geöffnet. Die Besucher, die er nicht gezählt habe, hätten mehr Abstand gehalten, als laut den Corona-Regeln vorgeschrieben war, sagte er auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.

Die Kirchenbesucher beteten auch einen „Barmherzigkeits-Rosenkranz“. Nach Angaben der Polizei waren dort etwa 30 bis 40 Personen anwesend. Eine örtliche Zeitung hatte zunächst von einem „Gottesdienst mit 50 Teilnehmern“ berichtet. Zum Zeitpunkt der Kirchenöffnung durften sich in Niedersachsen nicht mehr als zwei Personen versammeln.

Laut Kluba hat das Bistum Hildesheim Einspruch gegen die Bußgelder eingelegt. Das bestätigte ein Sprecher des Bistums gegenüber idea.

Pfarrer hält die Bußgeldbescheide für „Unrecht“

Pfarrer Kluba sagte gegenüber idea: „Ich habe große Hoffnung, dass das Verfahren eingestellt wird.“ Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass er keine Verfehlung begangen hat. Er bezeichnete die Bußgelder als „Unrecht“. Sie seien gegen Gemeindemitglieder verhängt worden, die den Mut gehabt hätten, sich gegenüber Medien zu äußern. Die Polizei hatte die Namen aus der Zeitung erfahren.

Ende März hatte Kluba gegenüber der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ (Würzburg) gesagt, für zahlreiche Mitglieder seiner Gemeinde sei es unverständlich, dass Supermärkte von vielen Menschen besucht werden können und voll besetzte Straßenbahnen die Menschen zur Arbeit bringen, aber große Kirchen für das private Gebet geschlossen werden.

Behörden nutzen Medienberichte, um Bußgelder zu verhängen – DJV übt Kritik

Der niedersächsische Landesverband des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) kritisierte jetzt, dass Zeitungsberichte herangezogen werden, um Bußgelder zu verhängen. „Es besteht die Gefahr, dass immer weniger Menschen mit Journalisten sprechen und offen ihre Meinung sagen, wenn sie fürchten müssen, anschließend mit einem Bußgeld belegt zu werden. Dadurch wird die Pressefreiheit eingeschränkt“, erklärte die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Christiane Eickmann (Hannover), gegenüber der Zeitung „Neue Presse“ (Hannover).

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