Samstag • 23. Februar
„Christusbewegung im Norden“
10. Februar 2019

Parzany: Viele Gemeinden scheuen öffentliche Evangelisation

Der Leiter des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Pfarrer Ulrich Parzany. Foto: idea/Laufer
Der Leiter des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Pfarrer Ulrich Parzany. Foto: idea/Laufer

Bünsdorf (idea) – Viele Gemeinden scheuen heute aus Angst vor negativen Reaktionen die öffentliche Evangelisation. Das hat der Leiter des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, Pfarrer Ulrich Parzany (Kassel), auf einer Tagung der „Christusbewegung im Norden“ (früher „Nordelbischer Arbeitskreis für biblische Orientierung“) beklagt. Sie fand vom 8. bis 10. Februar mit 130 Teilnehmern in Bünsdorf bei Rendsburg statt. Für den Verzicht auf die öffentliche Evangelisation werden laut Parzany viele gute Gründe gesucht, aber der wirkliche Grund sei der Wunsch, ein Christsein ohne Schwierigkeiten zu leben. Christen sollten jedoch dankbar sein, wenn sie auf Widerspruch, Verleumdung oder gar Verfolgung stoßen. Parzany: „Wenn Leute schlecht über euch reden: Freut euch! Wenn Sie dabei lügen: Um so besser.“ Das sei ein Zeichen dafür, würdig zu sein, „für den Namen Gottes Schmach zu leiden“ (Apostelgeschichte 5,41). Verfolgung als Reaktion auf öffentliche Verkündigung sei „von Anfang an das Normalprogramm“ gewesen. „Die Apostel sind blutig geschlagen worden und fröhlich nach Hause gegangen, um dann Tag für Tag weiter das zu tun, was der Herr gesagt hat.“

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ARD-Radiosendung über Evangelikale ist „mieser Journalismus“

Wie Parzany weiter sagte, hat er noch nie Anlass gesehen, sich etwa gegen Medienberichte zu verteidigen. Das gelte auch für die jüngst ausgestrahlte ARD-Radiosendung mit dem Titel „Befehlsempfänger Gottes – Über evangelikalen Einfluss in Kirche und Politik“. Parzany bezeichnete den Bericht als „miese journalistische Leistung“. So werde darin die Evangelische Nachrichtenagentur idea „in die Pfanne gehauen“, ohne selbst Stellung nehmen zu können. Über den Titel der Sendung, „Befehlsempfänger Gottes“, sagte er: „Ich wünschte, ich wäre das. Mein ganzes Ziel ist es, Gott zu gehorchen und die Ehre zu geben. Aber wie viele Kompromisse mache ich, wie viel Sünde ist in meinem Leben?“ Der politische Einfluss der Christen in der Gesellschaft sei – anders als behauptet – gering, und er sei auch nicht erstrebenswert. „Eine Art muslimischen Gottesstaat auf christliche Weise will ich nicht. Das hatten wir alles schon.“ Es gebe außerdem auch unter Christen sehr unterschiedliche politische Ansichten. Nur wenige Themen seien Grundsatz- und Gewissensfragen.

Gemeinden sollen sich um homosexuell Empfindende kümmern

Im Blick auf die „heißen Themen der Gegenwart“ forderte Parzany eine Hinwendung zur Bibel. „Die Gemeinden müssen sich entscheiden, ob sie dem Wort Gottes folgen wollen.“ Es bedürfe einer Schriftauslegung, die nicht allein die Maßstäbe der Vernunft an die Bibel anlegt. Moderne Menschen wollten selbstbestimmt leben und lehnten deshalb die Herrschaft Gottes über ihr Leben ab, so Parzany: „Selbst Christen versuchen alles, um das Leben zu verlängern, weil sie Sterben für den größten Verlust halten.“ Sie sollten „die Freude auf die Herrlichkeit Gottes zurückgewinnen und so mit Würde leben und sterben“. Auch bei den Fragen der Abtreibung und der Homosexualität seien die Aussagen der Bibel sehr klar. Parzany warb dafür, homosexuell empfindenden Menschen in den Gemeinden stärker zur Seite zu stehen. „Unsere Aufgabe ist es, sie genauso zu unterstützen wie heterosexuelle alleinlebende Christen.“

„Unsäglicher Machtmissbrauch“ in manchen evangelikalen Gemeinden

Er äußerte sich ferner zur Bedeutung christlicher Gemeinschaft, die nicht durch Internet oder Fernsehen ersetzt werden könne. „Die Gemeinschaft, das Mahl des Herrn, findet nicht digital statt, sondern mit Brot und Wein. Wer freiwillig die Gemeinschaft mit den Christen in dieser Welt vernachlässigt, wird in seinem Glauben scheitern.“ Im evangelikalen Milieu, wo man intensiv Verbindlichkeit zu leben versuche, gebe es allerdings auch „unsäglichen Machtmissbrauch“, bis hin zum sexuellen Missbrauch. Viele hätten „die Schnauze voll vom Gemeindeleben, weil sie Gemeindezucht in Form von Machtausübung erlebt haben“. Das sei auch Ursache der „geradezu krankhaften Reaktionen von Ex-Freikirchlern und Gemeinschaftsleuten, die sich freischwimmen und sagen, das wollen wir alles nie mehr haben“.

Hahne: Schafft die Kirchensteuer ab!

Der Bestsellerautor Peter Hahne (Berlin) sprach sich auf der Tagung dafür aus, die Kirchensteuer abzuschaffen und auf ein System freiwilliger Beiträge überzugehen: „Nur wenn die Kirche wieder ganz abhängig wird von Gott und dem Gebet, kann sie sich geistlich erneuern.“ Das zeige das Beispiel vieler Glaubenswerke, die nur von Spenden lebten und sich deshalb immer wieder auf den Kern ihres Auftrags besinnen müssten. Das Kirchensteuersystem nehme der Kirche ihre geistliche Vitalität. Eine solche Umstellung würde sicherlich zu großen Einschnitten an vielen Stellen der Kirche führen, sagte das ehemalige EKD-Ratsmitglied. „Aber diesen Umbruch brauchen wir, damit die Kirche wieder atmen kann. Es werden diejenigen Teile der Kirche weiterbestehen, die von Glaube und Gebet getragen sind.“

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