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Große Koalition
13. Februar 2018

Linke Theologen kritisieren Facebook-Appell von Bedford-Strohm

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost

München (idea) – Eine positive Aussage des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), zur Bildung einer Großen Koalition stößt auf Kritik. Zum Hintergrund: Bedford-Strohm hatte auf seiner Facebook-Seite nach der Einigung von Union und SPD auf einen Koalitionsvertrag an das Verantwortungsgefühl derjenigen appelliert, die nun über eine Zustimmung oder Ablehnung des Vertrages entscheiden. Wer jetzt eine verantwortliche Entscheidung zu treffen habe, müsse sich genau Rechenschaft darüber ablegen, was die realistischen Alternativen zur Bildung dieser Koalition seien. In der SPD werden die Mitglieder über den Vertrag abstimmen. Fünf sozialdemokratische Theologen kritisieren das auf der Internetseite des „Netzwerks Theologie in der Kirche“ als unangemessen. Eine so direkte Einflussnahme in dieser Frage sei nicht geboten. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, Niklas Schleicher (Regnitzlosau), schreibt, Bedford-Strohm richte sich „mehr oder weniger explizit an die Parteibasis der SPD, die in einer Mitgliederbefragung über Ja oder Nein zum Vertrag entscheiden darf“. Im Ergebnis werde eine Ablehnung der Großen Koalition „zumindest in die Nähe der Verantwortungslosigkeit gerückt“. Das Votum des Bischofs sei jedoch nicht die maßgebliche Instanz der Entscheidungsfindung und vermische in problematischer Weise private politische Stellungnahmen, geistliches Wort und kirchenamtliche Verlautbarung“. In einer weiteren „Feststellung“ der fünf Theologen heißt es: „Wir warnen vor einer Interpretation des prophetischen Wächteramts der Kirche, welche das Amt des oder der leitenden Geistlichen mit einem politischen Repräsentationsamt verwechselbar macht.“ Angesicht der „Grenzverwischungen“ befürchte man langfristig „eine verhängnisvolle Vermischung von kirchlicher und politischer Sphäre auf der Ebene der Kirchenleitung“.

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Kirchliche Sammlung: Erfreulich, dass auch aus dem „rot-grünen Milieu“ Kritisches kommt

Der Vorsitzende der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in Bayern (KSBB), der Religionspädagoge Andreas Späth (Windsbach bei Ansbach), nannte die Kritik an Bedford-Strohm gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea „erstaunlich, aber nachvollziehbar“. Meistens gebe es eine Deckungsgleichheit bei politischen Meinungen und Äußerungen mit dem „rot-grünen Milieu“. Umso erfreulicher sei, dass nun auch aus dieser Richtung kritische Fragen gestellt würden: „Selbstverständlich kann auch ein Bischof eine politische Meinung haben und diese im Zweifelsfall als Bürger und Parteimitglied auch äußern. Allerdings können die meisten Leute Privatmeinung und Verlautbarungen als Amtsträger kaum unterscheiden.“ Das sollte eine grundsätzliche Zurückhaltung zur Folge haben. Zwar gebe es Situationen, in denen Kirche sich politisch äußern müsse, diese seien aber eher selten und „berühren die Gebote Gottes oder den Bekenntnisstand“. Gerade dort habe die Kirchenleitung allerdings den größten Nachholbedarf, etwa beim Thema Lebensschutz.

EKD-Ratsvorsitzender weist Kritik zurück

Bedford-Strohm wies gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“ die Kritik zurück, dass seine Meinung zur Großen Koalition als Kirchenposition erscheine. Eine Aussage des Ratsvorsitzenden sei keine lehramtliche Stellungnahme, die die einzig mögliche christliche Position wiedergebe. Sie gebe aber „mit dem Gewicht eines gewählten Repräsentanten der Kirche einen Denkanstoß“ und könne „versuchen, das Bewusstsein für ethische Dimensionen von politischen Entscheidungen zu schärfen“. Er begrüße die innerkirchliche Debatte um seine Aussage „ausdrücklich“. Es gebe die „Gelegenheit, mehr Klarheit darüber zu gewinnen, ob, wann und wie die Kirche sich zu politischen Vorgängen äußern sollte und welchen Stellenwert solche Äußerungen haben“. Bedford-Strohm ist SPD-Mitglied. Nach seiner Wahl zum Landesbischof 2011 gab er bekannt, dass er seine Mitgliedschaft ruhen lasse.

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