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Landesbischof Meyns
10. September 2018

Minderheiten nicht zu Sündenböcken machen

Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Christoph Meyns. Foto: www.landeskirche-braunschweig.de
Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Christoph Meyns. Foto: www.landeskirche-braunschweig.de

Wolfenbüttel (idea) – Gegen den gesellschaftlichen Trend, Minderheiten zu Sündenböcken zu machen, hat sich der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Christoph Meyns (Wolfenbüttel), gewandt. Wie er bei dem landeskirchlichen Gemeindekongress „Gemeinde.Wir“ am 8. September in Wolfenbüttel in einer Bibelarbeit sagte, werden heutzutage vielfach Ansichten vertreten, „die sich dem völkischen, dem sozialdarwinistischen und dem nationalistischen Denken des 19. Jahrhunderts und dem Nationalsozialismus verdanken“: „Es ist, Gott sei’s geklagt, wieder Mode geworden, sich selbst aufzuwerten.“ Christen müssten sich dieser Entwicklung „mit ganzer Kraft entgegenstellen“. Weil die Menschen nur noch wenig vom christlichen Glauben wüssten, seien sie anfällig für ideologische Parolen. Meyns rief dazu auf, sich als Christen immer wieder neu auszurichten auf den Auftrag, „ein Fenster zu sein, durch das hindurch Menschen Jesus Christus begegnen“.

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Die Bibel auch in der Gruppe lesen

In sieben Foren befassten sich die rund 300 Teilnehmer des Treffens mit zentralen Zukunftsfragen. Der Referent für missionarisches Handeln und geistliche Gemeindeentwicklung im Zentrum Verkündigung der hessen-nassauischen Kirche, Klaus Douglass (Frankfurt am Main), rief dazu auf, regelmäßig die Bibel zu lesen – und zwar nicht nur für sich allein, sondern auch in einer Gruppe: „Das Christentum ist eine Gemeinschaftsreligion.“ Die Bibel sei „alles andere als eindeutig“. Mit ihr lasse sich die Sklaverei und deren Abschaffung begründen, Feminismus und Patriarchat, bürgerliche Moral und der Protest dagegen. Douglass: „Die Bibel gibt Anlass zu unbeschreiblicher Freude und zu größter Angst.“ Man finde in ihr einen liebenden und auch einen strafenden Gott. Das Gespräch in der Gruppe sei eine Hilfe, die Heilige Schrift besser zu verstehen. Gott selbst wolle die Bibel gebrauchen, „um mit uns ins Gespräch zu kommen“.

Auch Popmusik im Gottesdienst anstimmen

Der frühere Referent im evangelischen Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik „Michaeliskloster“ der hannoverschen Landeskirche, Wolfgang Teichmann (Dassel), plädierte für zeitgemäße Lieder im Gottesdienst. Man dürfe nicht nur alte Choräle anstimmen, sondern auch moderne Kirchenlieder, die wie Popmusik klingen. Solche „groovebasierte“ Musik überfordere niemanden und stimme die Gemeinde froh. Zugleich rief er dazu auf, Kirchenmusik nicht immer nur aus dem Hintergrund – etwa durch eine Orgel – zu begleiten. Musik erkläre sich auch dadurch, dass man etwas sehe. Deshalb müssten Kirchenmusiker von vorne die Gemeinde zum Singen anleiten.

Berliner Propst: Gemeinde ist größer als die Ortsgemeinde

Der Propst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein (Berlin), vertrat die Ansicht, dass die christliche Gemeinde nicht identisch mit der klassischen Ortsgemeinde sei. Vielmehr sei sie deutlich größer. Sie entstehe überall dort, wo sich Menschen in Gottes Namen versammelten und das Evangelium von Jesus Christus gepredigt werde.

Pressesprecher: 100 Besucher weniger als beim ersten Kongress

Wie der Pressesprecher der braunschweigischen Kirche, Michael Strauß (Wolfenbüttel), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, fand der Kongress nach 2015 zum zweiten Mal statt. Warum über 100 weniger Teilnehmer gekommen seien als zum Auftakt, müsse man kirchenintern klären. Das Konzept sei bei den Teilnehmern sehr gut angekommen. Deshalb werde es voraussichtlichen auch einen dritten Gemeindekongress geben.

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