Sonntag • 22. September
Pro und Kontra
22. August 2019

Kirchensteuer: Sollen Mitglieder über Verwendung entscheiden?

Der frühere Leiter des Amtes für missionarische Dienste der Evangelischen Kirche von Westfalen, Klaus Jürgen Diehl, und der frühere Leiter der EKD-Finanzabteilung, Thomas Begrich. Fotos: privat, imago images/epd
Der frühere Leiter des Amtes für missionarische Dienste der Evangelischen Kirche von Westfalen, Klaus Jürgen Diehl, und der frühere Leiter der EKD-Finanzabteilung, Thomas Begrich. Fotos: privat, imago images/epd

Wetzlar (idea) – Angesichts des stetigen Mitgliederrückgangs der beiden großen Kirchen in Deutschland wird auch über die Kirchensteuer diskutiert. Sollten Mitglieder die Möglichkeit haben, über die Verwendung eines Teils der Mittel selbst zu entscheiden? Dazu nehmen zwei kirchliche Experten in einem Pro und Kontra für die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) Stellung.

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Pro: Eine Urwahl der Synode führt zu mehr Mitbestimmung

Für eine Mitentscheidung der Kirchensteuerzahler plädiert der frühere Leiter des Amtes für missionarische Dienste der Evangelischen Kirche von Westfalen, Pastor Klaus Jürgen Diehl (Wetter/Ruhr). Trotz üppig fließender Kirchensteuern machten viele Gemeindemitglieder die schmerzliche Erfahrung, dass Kirchen geschlossen, Gemeinden fusioniert und Gemeindepfarrstellen abgebaut werden. Es werde mit Recht beklagt, dass die Zahl der übergemeindlichen Pfarrstellen zulasten der Gemeindepfarrstellen – und damit der kirchlichen Arbeit an der Basis – ständig gewachsen sei. In der westfälischen Kirche betrage der Anteil der Funktionspfarrstellen 45 Prozent. Während dort ein Gemeindepfarrer für 2.400 Gemeindemitglieder zuständig sei – und künftig für 3.000 sein soll – betrage das Verhältnis in der württembergischen Kirche eins zu 1.400. Das hänge damit zusammen, dass durch die dortige Urwahl der Synode die Kirchenmitglieder stärker an der Zusammensetzung der Synode und damit auch bei der Verteilung der kirchlichen Finanzmittel mitwirkten. Laut Diehl könnte man in einem ersten Schritt eine Mitwirkung dadurch ermöglichen, „dass in den einzelnen Gemeinden die Kirchenmitglieder in öffentlichen Versammlungen über die Verwendung der freien Haushaltsmittel entscheiden“. Beschlüsse von Synoden bzw. Kirchenvorständen allein seien für Kirchenmitglieder oft nicht transparent bzw. nachvollziehbar.

Kontra: Eine Mitentscheidung ist längst möglich

Die Gegenposition vertritt der frühere Leiter der EKD-Finanzabteilung, Thomas Begrich (Magdeburg). Nach seinen Worten bauen die Strukturen in der evangelischen Kirche immer auf die verantwortliche Mitwirkung aller Gemeindemitglieder. Dazu gebe es gewählte Gremien, die Gemeinde leiten und das Geld verwalten. Das sei gut biblisch: „Nehemia setzt Verwalter ein, um den verantwortungsvollen Umgang mit den anvertrauten Gütern zu sichern (Nehemia 13,4 ff), und Paulus bestellte Älteste (Apostelgeschichte 14,23).“ Gewählte Vertreter der Gemeinden entschieden also über die Verwendung der Kirchensteuer und aller weiteren Mittel. Sie müssten Rechenschaft darüber ablegen: in Synoden, Gemeindeversammlungen und vor unabhängigen Rechnungsprüfungsämtern. Jeder könne die Haushaltspläne und Jahresrechnungen einsehen: „Das ist demokratisch und transparent. Immer sind Mitentscheidungen Mehrheitsentscheidungen.“ Ein „selbst entscheiden“ geschehe also längst. Es sei aber nur wirksam, wenn sich ein Mitglied in der Gemeinde und der Kirche engagiere. „Das sollte ich tun, weil ich ein Glied der gesamten Gemeinde bin“, so Begrich.

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