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idea-Umfrage
30. März 2020

So steht es um die Gemeinschaftsverbände im Osten

Viele Gemeinschaftsverbände leiden unter dem Wegzug junger Menschen. Foto: pixabay.com
Viele Gemeinschaftsverbände leiden unter dem Wegzug junger Menschen. Foto: pixabay.com

Wetzlar (idea) – Die Gemeinschaftsverbände im Osten Deutschlands haben insbesondere durch einen hohen Anteil Älterer und den Wegzug junger Menschen mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Das ergab eine Umfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Mit einer aktiven Kinder- und Jugendarbeit, Unterstützung für die Mitarbeiter und evangelistischen Angeboten wollen sie der Entwicklung trotzen und das Gemeindeleben stärken.

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Sachsen: Nachdenken über neue Formen der Gemeinschaftsarbeit

Weiterhin größter regionaler Zusammenschluss ist der Landesverband Landeskirchlicher Gemeinschaften Sachsen. Rund 8.500 Mitglieder gehören dazu (2014: 9.500). Wöchentlich erreicht der Verband etwa 9.000 Besucher. Besonders stark vertreten ist er laut Landesinspektor Jörg Michel (Burgstädt) in den Regionen Erzgebirge und Vogtland sowie in den Städten Dresden, Leipzig, Zwickau und Chemnitz.

Dank der Arbeit des Sächsischen EC-Jugendverbandes („Entschieden für Christus“) könnten derzeit etwa je 170 Jugend- und Kinderkreise angeboten werden. Dem Landesinspektor zufolge denken manche Gemeinden und Gemeinschaften mit Unterstützung durch einen Arbeitskreis auch darüber nach, wie Gemeinschaftsarbeit neu gestaltet werden könnte.

Seit 2019 gebe es zudem einen Begegnungs- und Seminartag, den „Mitarbeiterimpulstag“, um ehrenamtliche Mitarbeiter in den verschiedenen Bereichen von Gemeindearbeit zu schulen und weiterzubilden. Außerdem setze der Verband verstärkt auf Mission und Evangelisation.

Berlin-Brandenburg: „Tag der Gemeinschaft“ kommt an

1.307 Mitglieder zählt das Gemeinschaftswerk Berlin-Brandenburg (2014: 1.456). Laut Inspektor Thomas Hölzemann (Woltersdorf bei Berlin) wird der Rückgang auch dadurch beeinflusst, dass alternative Formen von Gemeinde für junge Christen attraktiver wirken und sich manche Gemeinschaften zu sehr mit sich selbst beschäftigten, statt missionarisch offen zu sein.

Zwei Gemeinschaften habe der Verband in den vergangenen Jahren schließen müssen. Jedoch gebe es auch einzelne Orte mit Zuwächsen, etwa im Raum Berlin und in der Lausitz. Insgesamt spürbar sei zudem eine sinkende Identifikation mit dem Gemeinschaftswerk an sich.

„Das Gemeinschaftswerk bekommt mehr Netzwerkfunktion“, so der Inspektor. Es verstärke sich die Tendenz hin zu Begegnung, Beziehungsarbeit und persönlichem Austausch, so etwa beim „Tag der Gemeinschaft“, dessen Besucherzahlen sich zuletzt auf über 600 Personen verdreifacht haben.

Weitere Beispiele für neue Entwicklungen seien die Gemeinschaftskirche St. Bernhard in Brandenburg – eine Gemeindegründung in einer ehemaligen katholischen Kirche –, die missionarische Familienarbeit im Spreewald oder das Café Lichtblick in Wittstock.

Sachsen-Anhalt: Projekt soll Gemeinden im Norden stärken

Zum Thüringer Gemeinschaftsbund zählen laut Landesinspektor Johannes Ott (Schmalkalden) derzeit 690 Mitglieder in 60 Orten (2014: 740). Die Besucherzahl der Gemeinschaften und Kreise schätzt er auf etwa 800. „Starke“ Regionen des Verbandes seien neben den beiden großen Städten Erfurt und Jena auch die 5.900 Einwohner zählende Einheitsgemeinde Floh-Seligenthal.

Der Gemeinschaftsbund betreibt ein eigenes Gäste- und Tagungshaus, das „Bibelheim am Rennsteig“ in Neustadt am Rennsteig mit 15 Zimmern und einem Appartement. Im Gemeinschaftsverband Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Gemeinschaften laut Inspektor Thomas Käßner (Dessau) stabil und die Zahl der Besucher sogar steigend.

2018 gehörten zum Verband 730 Mitglieder (2014: 876) und etwa 2.000 Besucher in 80 Orten. Zuzug gebe es jedoch nur in den großen Verwaltungs- und Bildungszentren Magdeburg und Halle: „Es bleibt also nur die missionarische Arbeit, und die hat es im Osten auch nicht gerade leicht.“

Käßner zufolge gibt es im Verband zudem ein Nord-Süd-Gefälle: „Je weiter man in den Norden kommt, desto weniger Gemeinschaften gibt es.“ Mit dem „Projekt Altmark“, das im April starten soll, will der Verband darum mit den Gemeinschaften im Norden Ideen für Gemeinschaftsgründungen und -belebungen entwickeln und umsetzen.

Seit Anfang des Jahres gibt es zudem eine Bibellese- und Höraktion per WhatsApp oder Telefon (idea berichtete). Käßner: „Seit Ausbruch der Corona-Krise wurde diese zusätzlich um einen täglichen fünfminütigen Kurzimpuls ergänzt, in dem jeweils ein Prediger aus unserem Verband zu hören ist.“

Elbingeröder Verband: Wir gehen zu den Menschen

Zum Elbingeröder Gemeinschaftsverband gehören 250 Mitglieder in acht Orten (2014: 285). Laut dem Vorsitzenden Günter Weber (Wernigerode) werden wöchentlich um die 350 Besucher erreicht. In den vergangenen fünf Jahren hätten „Zukunftswerkstätten“ und externe Gemeindeberatungen bei der Neuorientierung eine Rolle gespielt.

„Einige Gemeinschaften gehen bewusst Schritte zu Menschen außerhalb unserer Gemeinderäume, beteiligen sich an örtlichen Festen und bringen sich dort mit ein, gehen in den Park, um Programme für Kinder zu gestalten, besuchen Senioren in Heimen und gestalten dort Gottesdienste“, so der Vorsitzende.

Teilweise gebe es überdies intensive Projekte mit Migranten, wie das integrative Malprojekt in Wernigerode oder der interkulturelle Frauenkreis in Freiberg. In Burgstädt ist der Verband zudem Träger eines Kindergartens – dort wird ein Neubau geplant.

Gemeinschafts-Diakonieverband: Bibel- und Gebetsmarathon

Zu den sechs Gemeinden und einem Partnerverein des Gemeinschafts-Diakonieverbands Berlin-Brandenburg zählen heute 167 Mitglieder (2014: 200). Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden Andreas Schulz (Berlin) stoßen neben klassischen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Migranten auch evangelistische Angebote auf viel positive Resonanz, so etwa das „Projekt Nachklang“, bei dem ein musikalisches Programm, aber auch Bibelarbeiten und Publikationen angeboten werden.

Überdies veranstaltet der Verband seit fast zehn Jahren einen sogenannten „Bibelmarathon“, bei dem an mehreren Tagen Bibelarbeit betrieben wird, die Schulz zufolge „stark lehrend und schriftentdeckend ausgerichtet ist“.

2019 ging daraus zusätzlich der Gedanke eines übergemeindlichen Gebetsmarathons hervor: „das heißt 42 Stunden am Stück über die Stadt verteilt beten“. Seine Arbeit hingegen nach 16 Jahren beenden muss das „Projekt Mitte“ – ein Trödelladen, in dessen Hinterzimmer regelmäßig Gottesdienste, Bibelstunden und Konzerte stattfinden.

Wie es in einer aktuellen Mitteilung außerdem heißt, wird es nach der Amtsniederlegung des geschäftsführenden Verbandsvorsitzenden Johannes Weider (Berlin) zum 30. Juni keinen weiteren Nachfolger geben. Die Aufgaben sollen umverteilt, beendet oder extern vergeben werden. Die Berliner Stadtmission konnte auf Anfrage keine Mitgliederzahlen nennen, da die Grenze zwischen Mitgliedern und Gottesdienstbesuchern fließend sei.

Neben sieben „klassischen“ Gemeinden gibt es laut dem Leiter Unternehmenskommunikation, Heiko Linke (Berlin), sechs Gemeinden mit einer flexiblen Struktur sowie zwei interkulturelle Gemeinden und weitere „Fresh X“-Gemeinden (Abkürzung für „fresh expressions of church“ – neue Ausdrucksformen von Kirche) bzw. Angebote: „Auch in unseren diakonischen Einrichtungen finden geistliche Angebote und Gottesdienste in unterschiedlichen Abständen statt.“

Zudem kämen etwa mehrere Hundert Besucher zu den Gottesdiensten im Berliner Hauptbahnhof zu Ostern und Weihnachten. Alle Verbände gehören zum Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband.

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