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Dresden
20. November 2019

idea dokumentiert die „Fragmente“-Texte von Ex-Landesbischof Rentzing

Der zurückgetretene Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, am 15. November bei der Verabschiedung in Dresden. Foto: idea/kairospress
Der zurückgetretene Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing, am 15. November bei der Verabschiedung in Dresden. Foto: idea/kairospress

Dresden/Wetzlar (idea) – Der Rücktritt des Landesbischofs der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Carsten Rentzing (Dresden), ist in vielen Medien und unter Kirchenmitgliedern breit diskutiert worden. Eine große Rolle spielten dabei unter anderem rund 30 Jahre alte Texte des früheren Landesbischofs in der rechtskonservativen Zeitschrift „Fragmente“. Gleich nach dem Rücktritt Rentzings hatte die Onlineausgabe der Tagesschau unter der Überschrift „Bischof verschwieg rechtsextreme Texte“ einen Beitrag dazu veröffentlicht. Die Medien berichteten über die Originaltexte ausschließlich in Auszügen.

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Damit sich jeder ein eigenes und umfassendes Bild von den tatsächlichen Inhalten machen kann, hat die Evangelische Nachrichtenagentur idea (Wetzlar) die Beiträge aus der Studentenzeit Rentzings mit dessen Zustimmung vollständig dokumentiert. Sie sind in Gänze nachzulesen unter idea.de/fragmente.

Bitte um Verzeihung für falsche und unzulängliche Kommunikation

Zum Hintergrund: Der 52-jährige Rentzing hatte am 11. Oktober nach gut vier Jahren an der Spitze der Landeskirche seinen Rücktritt angeboten, den die Kirchenleitung mit Wirkung zum 31. Oktober annahm. Zuvor hatten „Bekennende Christinnen und Christen in Sachsen“ – darunter mehrere Pfarrer – Rentzing in einer Petition aufgefordert, sich von einem Vortrag in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ zu distanzieren; sie sei der Neuen Rechten zuzuordnen. Ferner forderten sie ihn auf darzulegen, warum er weiterhin Mitglied in der schlagenden Studentenverbindung „Alte Prager Landsmannschaft Hercynia“ sei.

Im Eröffnungsgottesdienst zur sächsischen Landessynode in Dresden am 15. November wurde Rentzing von seinen Aufgaben entpflichtet. In seiner anschließenden Rede bat er um Vergebung für schuldig gebliebene Worte und Taten. Er sei überfordert gewesen: „Ich bitte um Verzeihung für alle falsche bzw. unzulängliche Kommunikation nach innen und nach außen.“ Wie Rentzing betonte, ist er dazu von niemandem gedrängt worden, sondern habe die Entscheidung allein mit seinem Herrn getroffen. Er gehe nicht im Zorn, sondern im Frieden. Er liebe diese Kirche und habe ihr „unendlich viel Gutes zu verdanken“, erklärte er vor der Landessynode.

„In meiner Hosentasche befand sich keine Mao-Bibel“

Er habe in den Texten seine „damaligen jugendlichen Gedanken“ geäußert. Auf seinem Schreibtisch hätten damals die Bücher des Publizisten und Politikers Alexis de Tocqueville (1805–1859) sowie des Schriftstellers Edmund Burke (1729–1797) gelegen. Aus denen hätten die „demokratiekritischen Gedanken“ gestammt, die „ohne Zweifel“ in seine damaligen Schriften Eingang gefunden hätten. Rentzing: „In meiner Hosentasche befand sich keine Mao-Bibel. Ich habe nicht dem afrikanischen Diktatur Idi Amin gehuldigt. Und schon gar nicht einem Menschenschlächter wie Pol Pot, so wie es ein amtierender Ministerpräsident der Bundesrepublik Deutschland in seiner Jugend getan hat. Ich habe auch keine Polizisten auf der Straße verprügelt wie ein ehemaliger Außenminister der Bundesrepublik. Gnadenlosigkeit aber habe ich erfahren.“

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