Samstag • 19. Januar
Homo-Segnung
10. Januar 2019

Bischof July verteidigt Kompromissvorschlag

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July. Foto: EMH/Gottfried Stoppel
Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July. Foto: EMH/Gottfried Stoppel

Stuttgart (idea) – Die Frage der Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Partner darf die Kirche nicht spalten. Diese Ansicht äußerte der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July (Stuttgart), in einem Interview mit der Zeitung „Stuttgarter Nachrichten“ (9. Januar). Ihm sei es wichtig, dass die Kirche trotz unterschiedlicher Lesarten der Bibel bei dem Thema Homosexualität „dennoch konzentriert auf die Mitte bleibt – diese ist Christus selbst und die Offenbarung in ihm“. Wichtig sei ein respektvoller Umgang miteinander, auch gegenüber homosexuellen Mitarbeitern der Kirche. Zum Hintergrund: Die württembergische will als vorletzte der 20 evangelischen Landeskirchen einen „Gottesdienst anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechtes“ erlauben. Allerdings soll die Begleitung schwuler und lesbischer Partner wie bisher „in der Regel“ in der Seelsorge erfolgen. Gesegnet werden sollen die Ehepartner, nicht die Partnerschaft. Für diese Kompromisslösung hatte July am 28. November 2018 vor der württembergischen Synode geworben. 2017 hatte ein Vorschlag die notwendige Zweidrittelmehrheit verfehlt, demzufolge jeder Kirchengemeinderat selbst über die Segnung gleichgeschlechtlicher Partner entscheiden sollte. Öffentliche Segnungs- oder Traugottesdienste sind bisher außer in Württemberg nur noch in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe untersagt.

ANZEIGE

Zwei Auffassungen: Wörtliche Auslegung oder „aus der Mitte der Schrift heraus“

Der aktuelle Vorschlag respektiere das Gewissen der einen und gebe den anderen „die nötige Freiheit“, so July. „Im Grundsatz ist klar, es gibt zwei Auffassungen – eine sehr wörtliche Übernahme bestimmter Bibelstellen und eine Interpretation der Bibelstellen aus der Mitte der Schrift heraus.“ Der Vorschlag solle „die faktische Wirklichkeit in Württemberg abbilden“. In der Präambel des Gesetzes solle stehen, dass das Thema die Einheit der Kirche nicht infrage stellen soll. Homosexuelle bitte er, weiterhin in der Kirche zu bleiben. „Wir sind kein politischer Gesinnungsverein, sondern eine Vielfalt verschiedener Menschen“, so July.

Konflikt zwischen Bibeltreuen und Liberalen

Der Bischof äußerte sich auch zum Konflikt in einer Gemeinde der Landeskirche in Waiblingen-Hegnach. Dort ringen bibeltreue und liberale Protestanten um den Kurs der Gemeinde. Zuletzt hatten der Pastor der Gemeinde, Bernhard Elser, und Dekan Timmo Hertneck (Waiblingen) einen gemeinsamen Gottesdienst veranstaltet, in dem die unterschiedlichen Positionen offen angesprochen wurden und die beiden sich die Hand reichten. July sagte dazu, es sei für ihn „wesentlich und wichtig, dass eine Gemeinde lernt, dass es Verschiedenheit gibt“. Verschiedene Frömmigkeitsformen seien ein Reichtum der Landeskirche. Es gelte, dem anderen Würde und Respekt entgegenzubringen. „Dadurch können wir als Kirche Vorbild in einer Gesellschaft sein, die sich immer stärker polarisiert.“

Diskutieren

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen. Nach dem Erscheinen eines Artikels kann dieser 48 Stunden kommentiert werden.

17 Kommentare
Kommentare sind ausgeblendet.
Zum Einblenden der Kommentare hier klicken.
Diese Woche lesen Sie
  • Christenverfolgung Neuer Index der Weltverfolgung am 16. Januar
  • Kommentar Gegen die Verrohung
  • Pro & Kontra Muss sich die Evangelische Allianz stärker öffnen?
  • 10 Gebote Du sollst nicht töten
  • Mission Fern der türkischen Heimat
  • mehr ...
ANZEIGE