Montag • 20. Mai
Synode
16. Mai 2019

Hannoversche Landeskirche ermöglicht Trauung Homosexueller

Homosexuelle Partner können sich künftig in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers kirchlich trauen lassen. Symbolfoto: unsplash.com
Homosexuelle Partner können sich künftig in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers kirchlich trauen lassen. Symbolfoto: unsplash.com

Hannover (idea) – Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers führt die kirchliche Trauung homosexueller Partnerschaften ein. Eine entsprechende Handreichung für Gottesdienste beschloss die Synode der Landeskirche am 15. Mai einstimmig bei einer Enthaltung. Damit gibt es in der Landeskirche keine Unterscheidung mehr zwischen Trauungen von gleich- und verschiedengeschlechtlichen Paaren. Bereits seit 2014 gab es die Möglichkeit einer Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. Landessuperintendent Hans-Christian Brandy (Stade) sagte, diese sei auf die staatliche Ordnung der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ zugeschnitten gewesen. Seitdem der Deutsche Bundestag im Juli 2017 das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ beschlossen hatte, kämen homosexuelle Ehepaare, „die standesamtlich verheiratet sind oder dies planen, zu uns in die Gemeinden und bitten um eine kirchliche Trauung“. Brandy: „Dazu müssen wir uns verhalten, wir müssen eine Antwort geben, schon aus seelsorglicher Verantwortung.“ Es gebe „keine theologisch zwingenden Gründe“, an einer prinzipiellen Differenz zwischen der Ehe und Trauung von Menschen verschiedenen und gleichen Geschlechts festzuhalten. Landesbischof Ralf Meister hatte die Einführung einer EKD-weiten „Trauung für alle“ bereits 2017 gefordert.

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„Lebendige Volkskirche“ bestand auf Gewissensvorbehalt

Auf Empfehlung des Bischofsrates wird es bei der „Trauung für alle“ einen „Gewissensvorbehalt“ für Pastoren geben. So werde kein Pastor verpflichtet, die Trauung eines Ehepaares gleichen Geschlechts gegen die eigene Überzeugung zu vollziehen. Allerdings müssen Pastoren zustimmen, dass ein anderer Pastor die Trauung durchführen kann. Der Vorsitzende der konservativen Gruppe „Lebendige Volkskirche“, Fritz Hasselhorn (Sulingen), erklärte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea die Einstimmigkeit des Beschlusses damit, dass die Grundentscheidung über das Thema bereits 2014 gefallen sei. Jetzt sei es lediglich um die Handreichung für die Durchführung von Traugottesdiensten gegangen. Seine Gruppe habe keine theologischen Einwände gehabt, jedoch den Gewissensvorbehalt unterstützt. Seiner Einschätzung nach betrifft das allerdings nur „wenige Pastoren“. Segnungs- oder Traugottesdienste für gleichgeschlechtliche Partner sind in 19 der 20 EKD-Mitgliedskirchen möglich. Nur die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe lehnt sie ab. Die 75 Teilnehmer der Landessynode tagen vom 15. bis 17. Mai in Hannover. Die hannoversche Landeskirche hat 2,6 Millionen Mitglieder in 1.262 Kirchengemeinden.

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