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Stuttgart
11. Januar 2019

Gospel Forum: Die Leitungskrise hält an

Der Leitende Pastor und Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, Peter Wenz, während einer Predigt. Screenshot: YouTube/Gospelforum
Der Leitende Pastor und Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, Peter Wenz, während einer Predigt. Screenshot: YouTube/Gospelforum

Stuttgart (idea) – Eine Leitungskrise in der größten evangelischen Gemeinde Deutschlands, dem unabhängigen charismatischen Gospel Forum Stuttgart, hält an. Das geht aus Mitteilungen von Besuchern und Mitgliedern der Gemeinde hervor, die die Evangelische Nachrichtenagentur idea erreicht haben. Vier ehemalige Vorstandsmitglieder und Pastoren waren zurückgetreten, weil sie mit dem Kurs des Leitenden Pastors und Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins, Peter Wenz, nicht einverstanden waren. Er fälle die meisten Entscheidungen allein, beteilige den Vorstand nicht und tue sich mit jeder Art von Kritik schwer, hieß es zur Begründung.

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Wenz: Hänge nicht an Posten oder Macht

In einem „persönlichen Wort“ an Mitglieder und Freunde räumt Wenz ein, dass die Krise an ihm und seiner Frau Sabine nicht spurlos vorübergegangen sei. „Es ist schon schwer, wenn man gesagt bekommt, man sei wie Hitler, ein Diktator, man würde das Recht brechen, lügen, nicht kritikfähig sein, Wahlen manipulieren, unbelehrbare und schreckliche Leiter sein.“ Wenz weist darauf hin, dass er sich immer bemüht habe, „in allen Dingen Gottes Wort zu leben“: „Wir lieben unsere Gemeinde und die vielen Menschen, die Gott uns anvertraut hat. Wir wollen sie weder beherrschen noch in Angst und Schrecken versetzen.“ Zugleich schreibt er, dass er als erster Vorsitzender ursprünglich habe zurücktreten wollen. Doch Gemeindemitglieder und Freunde hätten ihn davon zurückgehalten: „Ich hänge weder an irgendwelchen Posten noch an Macht, noch habe ich mich selbst je in irgendwelche Ämter gehievt.“ Vielmehr stehe er dafür, „überall deeskalierend zu wirken“. Er ist davon überzeugt, dass noch viele Tausend Menschen darauf warten, „dass der Herr viele von ihnen in unsere Kirche führen will.“ Daher sei es wichtig, zusammenzustehen und Unstimmigkeiten zu überwinden. Laut einer Stellungnahme der vier früheren Vorstandsmitglieder soll Wenz sich als „Gesalbten des Herrn“ bezeichnet haben und auf Kritik an seiner Amtsführung dem Wortführer gesagt haben, dass jetzt der Fluch über ihn komme.

Württembergischer Pfarrer: „Da liegt kein Segen drauf“

Scharfe Vorwürfe gegenüber Wenz übt der württembergische Pfarrer Volker Hommel (Steinheim/Murr), in dessen Bekanntenkreis viele Freunde und Mitglieder des Gospel Forums sind. Der Rücktritt der vier früheren Vorstandsmitglieder sei ein „Ruf zur Umkehr im Ton der Versöhnung“. Wie Wenz mit Kritikern umgehe, sei unmenschlich und eine seelische Grausamkeit, „respektlos, rücksichtslos, brutal und zerstörerisch“. An Wenz gewandt schreibt er in einem Offenen Brief: „Du hast ein großes Problem im Umgang mit Kritik und im Umgang mit der Macht.“ Gott habe ihm – Hommel – gezeigt, dass Wenz seinen „Chefposten im Gospel Forum abgeben“ müsse, „bevor Du noch mehr ruinierst“: „Mit dieser Herrschsucht fährst Du das Gospel Forum bald gegen die Wand! Da liegt doch kein Segen drauf.“ Zum Brief sagte Wenz gegenüber idea, dass er Hommel nicht kenne und das Schreiben nicht kommentieren wolle. Zu Äußerungen von Kritikern, nach denen 25 Prozent der 24 hauptamtlichen Mitarbeiter des Gospel Forums in jüngster Vergangenheit krankgeschrieben wurden oder gekündigt haben, wollte er ebenfalls keine Stellung beziehen. Nach idea vorliegenden Äußerungen von Gemeindemitgliedern soll von den 1.300 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Freikirche in verschiedenen Dienstbereichen – Hauskirchen, Kinder, Ordner, Parkplatz – etwa die Hälfte ihre Dienste niedergelegt haben.

Ex-Pressesprecher: Keinerlei Einsicht in eigenes Fehlverhalten

Zu den Kritikern von Wenz gehört der frühere Pressesprecher der Gemeinde, Jens Wätjen. Er bedauert, dass Wenz in seinem Brief keinerlei Einsicht in eigenes Fehlverhalten zeige: „Viele warten auf ein Signal, dass auch bei ihm etwas schiefgelaufen sein könnte, dass er den einen oder anderen Mitarbeiter zu hart rangenommen hat. Leider kommt da gar nichts.“ Wenz habe „teils ganz schön austeilen können“. Doch einstecken könne er offenbar nicht: „Er beschwert sich über einen kräftigen Gegenwind, den er selber heraufbeschworen hat.“

117 neue Mitglieder aufgenommen

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 6. November wollte Wenz einen neuen Vorstand wählen lassen. Doch seine Kandidaten bekamen nicht die erforderliche Mehrheit. Bei der nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung am 13. Dezember wollten die Kritiker Wenz daraufhin als Vorstandsvorsitzenden des Trägervereins abrufen. Doch auf der Sitzung präsentierten Unterstützer von Wenz 117 neue Vereinsmitglieder, die in der Zwischenzeit aufgenommen worden waren. An diesem Verfahren übt Wätjen scharfe Kritik: „Wir halten es für moralisch und rechtlich nicht korrekt, während eines laufenden Minderheitenbegehrens neue Mitglieder aufzunehmen.“ Denn noch der alte Vorstand hatte beschlossen, bis zur nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung keine neuen Mitglieder aufzunehmen. Deshalb verließen ihm zufolge 98 Kritiker von Wenz schließlich die Versammlung, weil „eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Verein nicht mehr möglich war“. Die verbliebenen 153 anwesenden Mitglieder hätten daraufhin den von Wenz vorgeschlagenen neuen Vorstand gewählt. Ihm gehören neben Wenz die Pastoren Wes Hall, Tim Reinhardt, Steffen Krust und der Evangelist Christoph Kullen an.

Evangelische Allianz: Erst mit den Beteiligten sprechen

Wenz ist auch Mitglied im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz. Deren Vorsitzender, Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr), sagte idea, er wolle sich zur Auseinandersetzungen im Gospel Forum erst äußern, wenn er mit den Beteiligten gesprochen habe. Das sei wegen der Vorbereitungen zur Allianzgebetswoche (13.–20. Januar) noch nicht möglich gewesen.

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