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Koreanisch: „Neuer Himmel und neue Erde“
12. Februar 2020

Gemeinde warnt vor Religionsgemeinschaft Shinchonji

Man-Hee Lee (im weißen Hemd) auf einer großen Shinchonji-Veranstaltung in Seoul. Foto: Oliver Koch
Man-Hee Lee (im weißen Hemd) auf einer großen Shinchonji-Veranstaltung in Seoul. Foto: Oliver Koch

Marburg (idea) – Vor den missionarischen Aktivitäten der aus Südkorea stammenden umstrittenen Religionsgemeinschaft Shinchonji (Koreanisch für: Neuer Himmel und neue Erde) hat die Evangelische Kirchengemeinde Buchenau (bei Marburg) gewarnt.

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Eine Informationsveranstaltung über die Gruppierung habe alle Erwartungen gesprengt, sagte der zuständige Dekan der hessen-nassauischen Kirche, Andreas Friedrich (Steffenberg), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Da die Gemeinde derzeit keinen Pfarrer hat, kümmert sich Friedrich um deren pastorale Angelegenheiten. Rund 200 Besucher seien gekommen, darunter auch viele aus freikirchlichen Gemeinden, obwohl man für die Veranstaltung nicht öffentlich geworben habe.

Der Anlass für das Treffen war nach den Worten von Friedrich, dass sich ein Ehepaar aus der Gemeinde Shinchonji angeschlossen habe. Fünf oder sechs Gemeindemitglieder hätten teilweise mehrmals Bibelstunden der Gruppierung in Marburg besucht, bevor sie sich dann doch abgewendet hätten. Die Aktivitäten von Shinchonji haben nach den Worten von Friedrich „zu großer Verunsicherung in der Kirchengemeinde geführt“. Obwohl die Anhänger von Shinchonji den Eindruck erweckten, ihre Überzeugungen fußten auf christlichen Überzeugungen, handele es sich „um keine Spielart im großen Strom des christlichen Glaubens“.

Der Gründer sieht sich als „Pastor der Endzeit“

Wie der Referent für Weltanschauungsfragen am Zentrum Oekumene der hessischen Kirchen, Pfarrer Oliver Koch (Frankfurt am Main), idea erläuterte, ist Shinchonji 1984 von dem koreanischen Christen Man-Hee Lee (89) gegründet worden. Er sieht sich selbst als „Pastor der Endzeit“, der das Volk Gottes sammelt, um es auf das Wiederkommen Jesu vorzubereiten. Er selbst bezeichnet sich, so Koch, als körperlich unsterblich. Zudem behauptet Lee, dass er allein in der Lage sei, die Bibel „richtig“ auslegen zu können. Mit der Gründung von Shinchonji beginnt den Angaben zufolge die Zeit der zwölf Stämme mit 144.000 Priestern, von denen in der Offenbarung die Rede ist. Jeder Stamm soll 12.000 Mitglieder sammeln.

Die Gruppierung, die seit 2006 in Deutschland aktiv ist, verwendet fast immer Fassaden- oder Tarnorganisationen. Sie lädt auf der Straße zu Bibelkursen sowie zu Friedens-, Jugend-, Frauen- und Essenstreffen ein, um gemeinsam für den Weltfrieden einzutreten. Dabei finde sich nirgends ein Hinweis auf den Namen einer Gemeinde, Kirche oder Organisation. Auch unter Freikirchen sei die Gruppierung stark aktiv.

Jeweils 500 Mitglieder leben in Frankfurt am Main und in Berlin

Nach den Worten von Koch unterhält Shinchonji Zentren in Frankfurt am Main und Berlin mit jeweils rund 500 Mitgliedern. Ableger gebe es auch in Marburg, Darmstadt und Offenbach. Die Zahl der Mitglieder in Marburg schätzt Koch auf 15 bis 20. Allein in Frankfurt am Main sei die Shinchonji-Organisation unter neun verschiedenen Namen aufgetreten: „Frankfurt-Korea Internationale Missionsgemeinde“, „Frankfurter Friedensgemeinde“, „International Bible College“, „Bible Center“, „Deutschland Zion Gemeinde“, „Open Bible Academy“, „International Peace Forum“, „Christliches Abend Zentrum“ und „Bibelzentrum Frankfurt“.

Wer bereits Kontakt zu Shinchonji hat, dem rät Koch, sich von kritischen Fragen und Bedenken nicht abbringen zu lassen, Schweigeaufforderungen nicht zu akzeptieren, sich Geldzuwendungen gut zu überlegen und sich grundsätzlich nicht einschüchtern zu lassen.

Das Zentrum Oekumene hat eine neue Informationsbroschüre über Shinchonji herausgegeben, die man im Internet kostenlos herunterladen kann. Unter anderem heißt es darin, dass „Shinchonji“ Menschen auffordere, niemanden etwas von dem Bibelkurs zu erzählen, da die Gefahr bestehe, „von Satan verführt zu werden“. Shinchonji-Missionsaktivitäten gebe es auch in Essen, Hamburg und München.

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