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FeG-Präses Hörsting
23. September 2018

Freikirche: Bei uns ist kein Platz für Nazi-Parolen

Der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting. Foto: idea/Klaus Rösler
Der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden, Ansgar Hörsting. Foto: idea/Klaus Rösler

Siegen (idea) – Im Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) gibt es keinen Raum für Naziparolen, gefälschte Nachrichten und extremistische Forderungen. „Da müssen wir in unseren eigenen Reihen klar sein“, erklärte der Präses der Freikirche, Ansgar Hörsting (Witten), auf dem Bundestag (Synode) der Freikirche, der am 21. und 22. September in Siegen zusammenkam. Hörsting ging in seinem Bericht auch auf Vorfälle in Chemnitz ein. Dort war am 26. August ein 35-jähriger Deutscher während eines Stadtfestes erstochen worden. Ein Syrer sitzt deshalb in Untersuchungshaft. Nach einem weiteren Tatverdächtigen wird gefahndet. Ein ebenfalls verhafteter Iraker ist inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Nach der Tat hatte es in Chemnitz mehrere Demonstrationen gegeben. Dabei kam es auch zu Angriffen auf Journalisten, Migranten und ausländisch aussehende Personen. „In Chemnitz gab es Menschenverachtung von rechts – aber auch von links“, sagte Hörsting. Die Botschaft von Jesus Christus bezeichnete er als Kompass, „um Kurs zu halten“.

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Das Evangelium ist niemals langweilig

Er kritisierte, dass auch im evangelikalen Raum Debatten zunehmend stark polarisiert seien. Dies gelte auch für die Gemeinden. Angesichts der Fülle von widersprüchlichen und auch falschen Nachrichten sei es wichtig, Informationen richtig zu gewichten. Hörsting: „Schnelligkeit tut da nicht immer gut.“ In dieser Atmosphäre sei es wichtig, in den Gemeinden die Mitte zu stärken: das Evangelium von Jesus Christus. Er wies Äußerungen zurück, dass es in der Mitte langweilig sei. „Das Evangelium von Jesus Christus ist niemals langweilig, sondern aufregend, heilsam und herausfordernd.“ Es gebe zudem die Kraft, neue Gemeinden zu gründen.

Hilfe für Christen in Venezuela

Hörsting teilte ferner mit, dass die Freikirche den Bund Freier evangelischen Gemeinden im südamerikanischen Venezuela unterstütze. Über die Auslandshilfe habe man Möglichkeiten, den Gemeinden dort direkte finanzielle Hilfe von mehreren Tausend Euro zukommen zu lassen, da Hilfspakete von der sozialistischen Regierung in dem Land abgefangen würden. Venezuela befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise mit einem dramatischen Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten. Das Land hat aktuell die weltweit höchste Inflation. Mehr als 2,3 Millionen Einwohner sind laut UN-Angaben vor der Krise auf der Flucht.

Pastor aus Chemnitz dankt für Gebete

In der Aussprache zum Präsesbericht dankte der Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Chemnitz, Bernhard Millard, für alle Gebete angesichts der angespannten Situation in der Stadt in den letzten Wochen. Diese Gebete seien wichtig, nicht nur für Chemnitz, sondern auch für andere Städte, sagte er unter dem Applaus der 210 Delegierten. Der Pastor der Gemeinde Gevelsberg, Christian Lunkenheimer, wandte sich dagegen, Rechts- und Linksradikale in einen Topf zu werfen: „Rechtsextremismus ist das größere Problem.“

13 Gemeinden neu aufgenommen

Auf dem Treffen wurden 13 Gemeinden in den Bund aufgenommen, darunter fünf vietnamesische (in Dresden, Hamburg, Hannover, München und Wildeshausen bei Oldenburg) sowie eine spanische (Wetzlar). Die übrigen Gemeinden befinden sich in Aachen, Coburg, Donauwörth, Frankfurt am Main, Görlitz, Herbstein (Vogelsberg) und Urbach (bei Stuttgart). Nach Angaben des Leiters der Inlandmission der Freikirche, Sascha Rützenhoff (Witten), sind im vergangenen Jahr ferner zehn Gemeinden gegründet worden. Erstmals habe man damit das selbstgesteckte Ziel erreicht. Es handelt sich um Gemeinden in Neuss, Waldbröl, Wolfsburg, Vechta, Köln, Osnabrück, Gießen, München-Oste, Burghausen und Heidelberg. Insgesamt besteht der Gemeindebund derzeit aus 482 Gemeinden mit über 42.000 Mitgliedern.

Ist die Formulierung „die Bibel, das Wort Gottes“ missverständlich?

Keine Mehrheit fand ein Antrag von 55 Pastoren und Gemeindeleitern, die Präambel der Verfassung der Freikirche durch einen Bezug auf Jesus Christus zu verändern. Sie wollten den Satz „Verbindliche Grundlage für Glauben, Lehre und Leben in Gemeinde und Bund ist die Bibel, das Wort Gottes“ umformulieren. Stattdessen sollte es heißen: „... ist das Wort Gottes, wie es in der Bibel bezeugt und in Jesus Christus endgültig offenbart ist“. Nach Ansicht der Antragsteller ist die Formulierung „die Bibel, das Wort Gottes“ missverständlich: „Ohne Bezug auf Jesus Christus wirkt dies wie eine Überordnung der Schrift.“ Tatsächlich müsse das Umgekehrte gelten: „Jesus ist der Herr, der uns durch die Schrift zu seinem Heil ruft.“ Nach einer Debatte wurde der Antrag abgelehnt. Wie Präses Hörsting dazu der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte, gab es Befürchtungen, dass durch den Antrag die Stellung der Bibel geschmälert werde. Das Anliegen, die Rolle Jesu stärker herauszustellen, werde schon jetzt von der Verfassung unter anderem durch das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Bestandteil der Präambel ist, aufgegriffen.

Hörsting tritt zum dritten Mal als Präses an

Wie am Rande des Bundestages bekannt wurde, wird Hörsting im kommenden Jahr für eine weitere sechsjährige Amtszeit als Präses kandidieren. Dazu habe ihn das für die Kandidatur zuständige Gremium, der Ständige Ausschuss, gebeten.

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