Freitag • 20. September
Pascal Kober
07. September 2019

FDP-Kritik an der evangelischen Kirche

Der Theologe und FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober. Foto: FDP
Der Theologe und FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober. Foto: FDP

Berlin (idea) – Heftige Kritik an der evangelischen Kirche hat der Theologe und FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober geübt. Kirchliche Verlautbarungen und grün-rote Parteipositionen ließen sich immer weniger voneinander unterscheiden. Evangelische Kirche und FDP seien sich fremd geworden, schreibt der Politiker in einem Gastkommentar für die Tageszeitung „Die Welt“ (Ausgabe 7. September). Das aktionististische Eintreten gegen Tempolimit und die Diskussion, ob die Kirche ein Flüchtlingsschiff im Mittelmeer finanzieren sollte – all das befremde nicht nur die Christen in der FDP zu Recht. „In der Sehnsucht nach Aufmerksamkeit werden Moralismus, Trivialität und politische Gesinnung zur kirchlichen Botschaft“, so Kober. Charakteristisch für das Bild der evangelischen Kirche seien „Technikskepsis, eine Sehnsucht nach Verlangsamung oder gar die Abkehr vom Fortschritt, eher ein Zurück in ein Ideal von Vergangenheit“. Theologisch gesehen sei dieser Zukunftspessimismus nicht nachvollziehbar. Christen erwarteten doch das Gute aus der Zukunft. Sie wüssten um ihre menschlichen Möglichkeiten und zugleich Begrenztheiten, diese aktiv mitzugestalten. Auch das öffentliche Leiden kirchlicher Vertreter am Marktwirtschaftlichen der Sozialen Marktwirtschaft ist laut Kober theologisch nicht begründet.

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Kirche entfremdet sich von gesellschaftlich relevanten Milieus

Nach seiner Einschätzung begegnen viele Kirchenobere der Kritik aus der FDP „mit selbstbewusster Gleichgültigkeit“. Das sei falsch: „Denn in der Entfremdung der Kirche von der FDP spiegelt sich die Entfremdung der Kirche von gesellschaftlich relevanten Milieus und ihren Erwartungen.“ Dabei könne Kirche mehr: „Die an den Universitäten lebendige evangelische Theologie forscht und publiziert zu Gegenwartsfragen brillante Analysen und Diskussionsbeiträge.“ Sie sei interdisziplinär breit aufgestellt und ihren Traditionen treu.

Wie die Kirche wieder mehr Respekt und Gehör findet

Kober zufolge sollte sich diese nach allen Seiten hin offene Diskursfreudigkeit auch wieder konsequenter in den öffentlichen Verlautbarungen der Kirche widerspiegeln. Dann fänden evangelische Kirche und Liberalismus wieder zusammen. Aber noch wichtiger sei: „Nur so findet die evangelische Kirche wieder mehr Respekt und Gehör bei allen gesellschaftlich relevanten Akteuren.“ Der 48-Jährige Kober ist stellvertretender FDP-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg und war von 2014 bis 2017 als Militärpfarrer tätig.

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