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17. Juni 2019

Dialog zwischen Kirchen und Islamverbänden in der Krise

Der wissenschaftliche EZW-Referent Friedmann Eißler. Foto: EZW
Der wissenschaftliche EZW-Referent Friedmann Eißler. Foto: EZW

Berlin (idea) – Der Dialog zwischen Kirchen und den etablierten islamischen Verbänden befindet sich in einer Krise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse, die die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin) veröffentlicht hat. „Die zunehmende Entfremdung zwischen vormaligen Dialogpartnern ist nicht zu übersehen“, heißt es in der Studie des wissenschaftlichen EZW-Referenten Friedmann Eißler. Es seien Zerwürfnisse und Abbrüche auch in persönlichen Beziehungen zu beklagen – von beiden Seiten der christlich-islamischen Dialogpartner. „Die Krise des Dialogs kristallisiert sich insbesondere an der inakzeptablen direkten religionspolitischen Einflussnahme auf die Mehrheit der hier lebenden religiösen Türken“, so Eißler. Er verweist auf die Abhängigkeit des größten islamischen Verbandes in Deutschland, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), vom türkischen Staat. Der alleinige Blick auf DITIB sei jedoch unangemessen, so Eißler. So beziehe die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB), der größte Mitgliedsverband des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ebenso wie DITIB Imame von der türkischen Religionsbehörde, wenngleich in vergleichsweise geringer Zahl. Ähnliches gelte für die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs. Das Islamische Zentrum Hamburg stehe unter direkter Einflussnahme der iranischen Regierung. Laut Eißler haben fast 90 Prozent der rund 2.000 Moscheegemeinden in Deutschland Geistliche aus dem Ausland, insbesondere aus der Türkei, Nordafrika, Albanien, dem ehemaligen Jugoslawien, aus Ägypten und dem Iran. Fast die Hälfte der ausländischen Imame predige in DITIB-Moscheen. In manchen Verbänden sieht Eißler auch Tendenzen der Abschottung: „Anstatt Integration wird unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit oder anderer demokratischer Freiheitsrechte die Distanz zur Mehrheitsgesellschaft gepflegt.“

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Bei problematischen Entwicklungen im Islam nicht wegschauen

Der EZW-Referent plädiert für Differenzierung und Transparenz im Umgang mit dem Islam. In diesem Sinne dürfe es aber „keine Ignoranz und kein Wegschauen“ geben, wenn es um problematische Entwicklungen gehe. Wenn sich die EZW-Studie kritisch mit islamischen Akteuren auseinandersetze, beziehe man damit nicht Position für „eine einseitig kritische oder gar ablehnende Haltung gegenüber Muslimen“. Wo diese bedrängt oder gar angefeindet würden, „ist unser Platz als Staatsbürger und als Christen an ihrer Seite, um solidarisch und gemeinsam für die freiheitlichen Grundlagen unserer Gesellschaft einzustehen“. Die EKD habe sich klar und unmissverständlich für Dialog und Begegnung sowie ein gemeinsames Eintreten für freiheitsfördernde Rahmenbedingungen in der Gesellschaft ausgesprochen. Im Positionspapier der EKD zum christlich-islamischen Dialog vom September 2018 heißt es: „Die Evangelische Kirche in Deutschland sucht und fördert den Dialog mit Menschen muslimischen Glaubens. Sie ist davon überzeugt, dass nur durch Begegnung und Kontakt das friedliche Miteinander unterschiedlicher Glaubensüberzeugungen Gestalt gewinnen kann.“ Die EZW ist eine Einrichtung der EKD.

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