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Evangelikale Gründer
25. Juli 2019

Wie die Kirche auch im Silicon Valley wachsen kann

Evangelikale Gemeinden in den USA wachsen. Symbolfoto: pixabay.com
Evangelikale Gemeinden in den USA wachsen. Symbolfoto: pixabay.com

Hamburg (idea) – Mit der evangelikalen Gemeindegründungsbewegung in den USA hat sich die Wochenzeitung „Die Zeit“ (Ausgabe: 25. Juli) befasst. Gemäßigte Kirchen verlören Mitglieder, viele Evangelikale gewönnen Anhänger, heißt es in dem Beitrag unter dem Titel „Make church great again!“ (Kirche wieder groß machen). Das hängt dem Bericht zufolge auch mit dem Ansatz der Evangelikalen zusammen. Sie bedienten sich der Mittel von Start-up-Unternehmen, nutzten Investoren und hätten ehrgeizige Wachstumsmodelle. Auf großen Kongressen tauschten sie sich aus. Ein Beispiel sei die Veranstaltung „Exponential“, zu der sich 600 Gemeindegründer („church planter“) in San José (US-Bundesstaat Kalifornien) versammelt hätten, um vor allem das Silicon Valley „zu missionieren“. An diesem weltweit größten High-Tech-Standort in der südlichen San Francisco Bay Area gingen einer Studie zufolge nur noch rund ein Fünftel der Christen wöchentlich in den Gottesdienst und damit so wenige wie sonst nirgends in den USA.

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Gemeinden sollten sich multiplizieren

Der Gründer von „Exponential“, Dave Ferguson, habe ein Modell für erfolgreiches Gemeindewachstum entwickelt, das wie ein Schneeballsystem funktioniere. 80 Prozent der US-Kirchen verlieren Ferguson zufolge Mitglieder oder stagnieren, 16 Prozent wachsen leicht und vier Prozent gründen neue Standorte und expandieren. Seine Vision hingegen sei, dass Gemeinden sich multiplizierten. Von Megakirchen mit tausenden Mitgliedern halte Ferguson nichts. Besser als riesige Kirchen an wenigen Orten seien viele kleine im ganzen Land. „Exponential“ sei, so heißt es in dem Bericht, ein typisches Beispiel dafür, dass Innovationen in der Kirche in den USA oft aus der konservativen Ecke kämen.

Ein Fonds dient als Gründungsbeschleuniger – aber nur für drei Jahre

Die Aufbruchsstimmung in San José habe man in jedem Seminar gespürt. Der Leiter der Firma VMware – ein Tochterunternehmen von Dell –, Pat Gelsinger, habe seinen Fonds vorgestellt, der „Start-up-Kirchen“ fördere und wie ein „Gründungsbeschleuniger“ wirke. Das Ziel sei, 1.000 neue Kirchengemeinden im Silicon Valley innerhalb der nächsten zehn Jahre zu gründen. Der Fonds unterstütze die Gemeinden drei Jahre mit bis zu 20 Prozent ihres Budgets. Gelsinger glaube, so heißt es in dem Beitrag, an eine K.-o.-Regel, an die sich Investoren hielten. Wenn eine Kirche nach drei Jahren nicht erfolgreich sei, werde sie es nie.

Gemeindegründer: Die jüngere Generation sucht Zugehörigkeit

Der Gemeindegründer und Pastor Andy Wood sei überzeugt, dass gerade die jüngere Generation Zugehörigkeit suche. Das sehe man daran, wie populär manche Modemarken seien. Die Kirche müsse also wiedererkennbar sein wie Adidas oder Nike. Wood: „Wir haben eine Marke, die dafür steht, Liebe in die Welt zu senden.“ Wood selbst scheine ein guter Verkäufer zu sein. Er habe seine Gemeinde in San Josè inmitten der Hügellandschaft des Silicon Valley aus dem Nichts aufgebaut. In wenigen Wochen habe er mehr als eine Million Dollar für seine Kirche eingetrieben. 17 größere Kirchen hätten in sein Projekt investiert. Heute habe sie 25 Mitarbeiter und über 2.000 Mitglieder, die sich an drei Standorten träfen. Die von der Gemeinde vertretene Botschaft könne man, so heißt es in dem Zeit-Beitrag, in ihrer App abrufen: „Es ist eine konservative, bibeltreue Lehre, die da via Online-Gottesdienst gepredigt wird, verpackt in unterhaltsame Vorträge voller persönlicher Anekdoten.“ Der „Exponential“-Gründer Ferguson war auch schon in Deutschland zu Gast: 2017 sprach er auf der Bundeskonferenz des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) im nordhessischen Willingen.

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