Samstag • 4. Juli
Kardinal Koch
06. Juni 2020

Einheit der Kirche: Es fehlt noch ein „tragfähiger Konsens“

Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch. Foto: Richard Menzel
Der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch. Foto: Richard Menzel

Vatikanstadt (idea) – Er gilt als der „Chefökumeniker des Papstes“, der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch. Jetzt hat sich der 70-Jährige zum Stand der kirchlichen Einheitsbemühungen geäußert. Anlass ist das 60-jährige Bestehen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, der am 5. Juni 1960 gegründet wurde. Koch steht seit zehn Jahren an der Spitze des Rates.

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Wie er gegenüber dem Nachrichtenportal „Vatican News“ sagte, wurden dank zahlreicher kirchlicher Begegnungen und Dialoge „viele positive Früchte geerntet“. Das eigentliche Ziel der Ökumenischen Bewegung habe man allerdings noch nicht erreichen können, nämlich die Wiederherstellung der Einheit der Kirche. Von daher liege heute eine der großen Herausforderungen darin, „dass über dieses Ziel der Ökumene noch kein wirklich tragfähiger Konsens besteht“.

Man sei „sich einig über das Dass der Einheit, noch nicht aber über ihr Wie. Wir brauchen eine gemeinsame Schau, was zur Einheit der Kirche unabdingbar notwendig ist.“ Nur mit einem klaren Ziel vor Augen könne man auch die nächsten Schritte gehen.

„Das Evangelium Jesu Christi muss in der Mitte der Kirche stehen“

Zur Definition des ökumenischen Weges als „Austausch von Gaben“ sagte der Kardinal, dahinter stehe die Überzeugung, dass jede Kirche einen spezifischen Beitrag bei der Wiedergewinnung der Einheit geben könne.

Koch: „Von den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften hat die katholische Kirche vor allem die Zentralität des Wortes Gottes im Leben der Kirche, in den gottesdienstlichen Feiern und im theologischen Denken gelernt. Es ist uns bewusst geworden, dass der Glaube vom Hören auf das Wort Gottes kommt und dass das Evangelium Jesu Christi in der Mitte der Kirche stehen muss.“

Eine besondere Gabe, die die katholische Kirche in das ökumenische Gespräch einbringen könne, bestehe im Leben der Universalität der Kirche: „Da die katholische Kirche in der Verschränkung zwischen Einheit und Universalkirche und Vielheit der Ortskirchen lebt, kann sie exemplarisch zeigen, dass Einheit und Vielheit auch in der Ökumene keine Gegensätze darstellen, sondern sich wechselseitig fördern.“

„Ökumenische Dialoge lassen sich nur schwer im Home Office verwirklichen“

Koch äußerte sich auch zu den Herausforderungen für die Ökumene durch die Corona-Pandemie. Die Ökumene lebe vom Dialog und der unmittelbaren Begegnung. Dies sei aufgrund der Restriktionen während der Corona-Pandemie nicht leicht zu realisieren, da Besuchsreisen derzeit nicht unternommen werden könnten. Koch: „Ökumenische Dialoge lassen sich nur schwer im Home Office verwirklichen.“

Auf der anderen Seite führe die schwierige Situation die Kirchen, „die gleichsam alle in demselben Boot sind, auch tiefer zueinander“. Dies habe sich beispielsweise gezeigt, als Papst Franziskus alle Kirchen eingeladen habe, am 25. März mit ihm gemeinsam das Vaterunser mit der Bitte um Beendigung der Pandemie zu beten. Darauf hätten die allermeisten Adressaten sehr schnell und dankbar für die Initiative geantwortet. Koch: „Das hat mir gezeigt, wie tief die ökumenischen Beziehungen inzwischen geworden sind und dass sie auch in sehr schwierigen Situationen weiter vertieft werden können.“

Es gibt nur einen „Ökumeneminister“: den Heiligen Geist

Zu seiner zehnjährigen Amtszeit als Vorsitzender des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen sagte der Kardinal, er habe immer wieder die Erfahrung machen dürfen, dass man in der ökumenischen Arbeit mehr geschenkt bekomme als man selbst geben könne: „Ich bin mir dabei dessen bewusst, dass es nur einen Ökumeneminister gibt, nämlich den Heiligen Geist; wir Ökumeniker sind nur mehr oder weniger ohnmächtige Werkzeuge des Ökumeneministers.“

Der „kleine Jahrestag“ sei, Anlass, dem Heiligen Geist zu danken und ihn zu bitten, dass er den ökumenischen Weg weiterhin begleitet und immer wieder positive Schritt auf dem Weg zur Einheit ermögliche.

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