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Nach Foto mit Bibel
05. Juni 2020

Deutsche Kirchenleiter kritisieren US-Präsident Trump

US-Präsident Donald Trump vor der St.-John’s-Kirche in der US-Hauptstadt Washington. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Shealah Craighead/White House
US-Präsident Donald Trump vor der St.-John’s-Kirche in der US-Hauptstadt Washington. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Shealah Craighead/White House

Washington/Leer/Düsseldorf (idea) – Deutsche Kirchenleiter haben den Auftritt von US-Präsident Donald Trump vor der St.-John’s-Kirche in der US-Hauptstadt Washington scharf kritisiert. Trump hatte sich dort am 1. Juni mit einer Bibel in der Hand fotografieren lassen.

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Das historische Gotteshaus der US-amerikanischen Episkopalkirche liegt in unmittelbarer Nähe des Weißen Hauses. Vor Trumps Auftritt hatte die Polizei unter Einsatz von Tränengas Demonstranten vertrieben, die vor dem Amtssitz des Präsidenten gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA protestierten.

Auslöser der Proteste ist der Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd nach einem harten Polizeieinsatz in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. Der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher (Leer), nannte Trumps Auftritt in einer Stellungnahme „einen schauerlichen Missbrauch der Bibel“. In der Mitte der Heiligen Schrift stehe die Botschaft der Versöhnung. Der US-Präsident gieße aber „weiter Öl ins Feuer“, statt die Grundwerte seine Landes zu vertreten und zum Frieden aufzurufen.

Rekowski: Spirale des Hasses nicht weiterdrehen

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski (Düsseldorf), sagte in einer Videobotschaft, er wünsche sich „viele Menschen in den Vereinigten Staaten und bei uns, die die Bibel hochhalten“. Die Bibel halte man aber hoch, „indem man Brücken baut und nicht die Spirale des Hasses weiterdreht“.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad (Speyer), schloss sich in einer Stellungnahme einer Erklärung der Vereinigten Kirche Christi in den USA an, durch Trumps Auftritt würden „der Glaube und die Kirche für eigene Zwecke in unerträglicher Weise instrumentalisiert“.

Bahr: Was für eine Gotteslästerung

Die Regionalbischöfin des Sprengels Hannover innerhalb der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Petra Bahr (Hannover), schrieb auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zu Trumps Auftritt: „Mit der Bibel in der Hand gegen die Nächsten. Was für eine Gotteslästerung.“ Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener (Kassel), schrieb auf seiner privaten Facebook-Seite, Trumps Auftritt zeige, dass ihm nichts heilig sei „außer seinem Ego“.

Dechert: Christen in den USA werden entehrt

Der Vorstandsvorsitzende von ERF Medien, Jörg Dechert (Wetzlar), schrieb aus Anlass von Trumps Auftritt in seinem Blog „Pixelpastor“ unter der Überschrift „Liebe Christen in den USA“, er sei „fassungslos, wie schamlos Macht versucht, mit euch ins Bett zu steigen“ und „wie wehrlos viele von euch sie gewähren lassen“. Viele Christen in den USA würden „durch Beifall oder stille Genugtuung entwerten, was Christen weltweit heilig ist“. Weiter schrieb Dechert: „Ihr werdet entehrt, auch wenn ihr euch vielleicht von Macht umschmeichelt fühlt.“ Die Christen in Amerika seien aufgerufen, sich nicht verführen zu lassen.

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