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Bedford-Strohm
29. Mai 2020

Corona: Ratsvorsitzender kritisiert Berichterstattung

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: ELKB/Rost

Dresden (idea) – Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), hat die mediale Berichterstattung über die Rolle der Kirchen in der Corona-Krise kritisiert.

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Wie er im Podcast „Mit Herz und Haltung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen sagte, ist insbesondere in den ersten Wochen der Krise „in den Sondersendungen nach den Nachrichten auf allen Programmen über Viren und über alles Mögliche geredet worden“, nicht aber über die persönliche Situation und die Auswirkungen auf die menschliche Seele. Vertreter der Kirchen seien nicht in die Sendungen eingeladen worden, „obwohl wir die ganze Zeit zu diesen Themen natürlich gesprochen haben“. Und auch derzeit sei die Schlagzeile nur: „Die Kirche hat die Leute alleingelassen.“ Das aber werde den Seelsorgern nicht gerecht, die sich in der Krise aufgerieben hätten und bei den Menschen gewesen sowie auch Risiken eingegangen seien.

Er wünsche sich zudem einen Blick auf die innovativen Lösungen, die Gemeinde und Verbände in der Pandemie auf die Beine gestellt hätten. „Mir liegt daran, dass die Normalität des kirchlichen Lebens – also das, was in der Region jeden Tag gemacht wird –, dass die mal in den Blick kommt und nicht nur die skandalisierten Dinge in den Medien vorkommen“, so Bedford-Strohm.

Zugleich habe er selbst in der Woche vor Ostern aber auch 30 Interviews gegeben: „Warum trotzdem die Menschen, die diese Kritik üben, vielleicht diese Interviews in den Zeitungen gerade nicht gelesen haben oder diese Sendungen gerade nicht gesehen haben, kann ich auch nicht sagen.“

Christliche Botschaft bietet Antworten auf grundlegende Fragen der Menschen

Wie der Ratsvorsitzende weiter sagte, hat die Corona-Pandemie neu gezeigt, dass die Kirche auf die Menschen zugehen und ihre Bedürfnisse hören sollte. „Die Themen, die Jesus in der Bergpredigt anspricht, sind genau die, die die Menschen auf der Suche nach einem glücklichen Leben haben.“

Es müsse der Kirche gelingen, „jenseits von abgelesenen oder dogmatisch richtigen Statements Menschen zu berühren mit dieser alten und so kraftvollen Tradition“. Zugleich seien über die neuen Kanäle während der Karwoche und Ostern bereits mehr Menschen erreicht worden als in den vergangenen Jahren, nämlich zehn Millionen.

Kirchen müssen lauter sagen, welche großartige Botschaft sie haben

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Thomas Sternberg (Münster), erinnerte mit Blick auf die Kritiker daran, dass zum christlichen Glauben nicht nur Gottesdienste, sondern auch Diakonie und Solidarität gehörten: „Und das ist ganz wesentlich passiert.“

Er selbst habe aber den Eindruck, dass in den öffentlichen Diskursen fast eine schamhafte Abgrenzung zur Religion stattgefunden habe: „Lieber noch mal einen Psychologen heranholen als einen Theologen.“ Auf diese veränderte Form von Kirchlichkeit hierzulande gelte es sich einzustellen. „Wir sind nicht mehr automatisch die großen Player, die automatisch wahrgenommen werden. Wir werden uns viel intensiver noch einklinken müssen und sagen müssen, welche großartigen Botschaften wir zu verkündigen haben.“

Im Bildungspodcast „Mit Herz und Haltung“ kommen während der Corona-Pandemie Experten aus Politik, Kultur, Theologie und Wissenschaft zu Wort.

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