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Bischof Abromeit
10. September 2019

Die Öffnung der Ehe ist ein Zeitgeistphänomen

Der scheidende Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit. Archivfoto: idea/Wolfgang Köbke
Der scheidende Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit. Archivfoto: idea/Wolfgang Köbke

Greifswald (idea) – „Ich halte die Öffnung der Ehe, die wir im Moment erfahren, für ein Zeitgeistphänomen.“ Diese Ansicht vertrat der scheidende Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit, im Interview mit der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Am 14. September verabschiedet die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) den 64-Jährigen in einem Gottesdienst im Greifswalder Dom St. Nikolai. Seit 2001 war Abromeit Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche und seit der Gründung der Nordkirche zu Pfingsten 2012 – ein Zusammenschluss aus Nordelbischer Evangelisch-Lutherischer Kirche, Evangelisch-Lutherischer Landeskirche Mecklenburgs und Pommerscher Evangelischer Kirche – gemeinsam mit Andreas von Maltzahn Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern. Er sei überzeugt, so Abromeit, dass die sowohl schöpfungstheologisch als auch durch die Verkündigung Jesu begründete Ehe von Mann und Frau ihre große Zukunft noch vor sich habe. Er könne verstehen, „dass aus dem Gefühl heraus, dass bisher homosexuell liebende Menschen sich diskriminiert gefühlt haben und es auch waren“, gesagt werde, dass sie jetzt auch alle eine Ehe eingehen können müssen: „Aber hier bietet man für Ungleiches die gleiche Lösung an. Wenn wir in einer ganz langen Perspektive denken, wird sich die befreiende Botschaft der Bibel auch in dieser Hinsicht noch durchsetzen. Dieses Zutrauen habe ich einfach, weil ich feststelle, dass in der Bibel so viel konstruktives Potenzial zur Entfaltung des Lebens liegt.“

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Lebensentfaltendes wird sich durchsetzen

Auch in einer weiteren Liberalisierung des Abtreibungsrechts könne er nichts Fortschrittliches finden. Es werde sich auf Dauer durchsetzen, was wirklich lebensentfaltend sei: „Nicht umsonst finden wir gleich in den ersten Sätzen der Bibel die Aussage, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Lebensentfaltend ist meines Erachtens die Ehe zwischen Mann und Frau, völlig partnerschaftlich geführt. Positiv sind Entwicklungen wie die völlige Gleichberechtigung der Frauen – aber das hat nichts mit der Ehe für alle zu tun.“

Mehr Einsatz für Mission

Abromeit wünschte sich ferner einen höheren Stellenwert der Mission: „Der Schwung, der von der EKD-Synode 1999 zum Thema Mission ausgegangen ist, ging irgendwie verloren.“ Am Anfang des Jahrhunderts habe ein Umdenken von der Frage: „Wie können wir fortsetzen, was wir bisher gemacht haben?“ hin zu der Frage: „Was ist bei jeder Aktivität für die Zukunft der Kirche wichtig?“ stattgefunden. Aber auch dieses Umdenken sei steckengeblieben: „Zwar hat das Wort ,Mission‘ einen etwas besseren Leumund als vorher, aber dass es wirklich praktiziert wird, kann ich nicht sehen. Ich habe einmal angeregt, bei jeder Entscheidung nach den missionarischen Auswirkungen zu fragen. Das würde ich für einen echten Paradigmenwechsel halten. Das ist leider bisher so nicht eingetreten.“ An einigen Stellen gebe es aber durchaus erfreuliche Ansätze. Das zeige sich etwa in der Gründung des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald 2004 oder der Gründung einer Arbeitsstelle für den Dialog mit Konfessionslosen. Auch in der Einrichtung für die Aus- und Fortbildung von Pastoren in Ratzeburg werde der Bereich für Spiritualität ausgebaut.

Was die Pommersche Evangelische Kirche auszeichnet

Wie erweiter sagte, konnte die Pommersche Evangelische Kirche ihr „eigenes Gepräge“ auch nach der Fusion voll weiterführen: „Wir haben zwar im Vergleich zum Westen weniger Mitglieder gemessen an der Bevölkerung, aber doch an vielen Orten ein ausgeprägtes Gemeindeleben und originelle Profile.“ Eine junge Pastorin aus Schleswig-Holstein, die er gerade ordiniert habe, habe etwa um die Entsendung nach Pommern gebeten. Sie habe wahrgenommen, dass die Gemeinde wirklich vom Gottesdienst her lebe. Das negative Bild, das viele Außenstehende oft hätten – Pommern als Land der Rechten und Abgehängten –, treffe nicht zu.

„Positive Liberalität“ spricht für die Weite der Nordkirche

Bei der Gründung der Nordkirche hätten einige vor dieser so liberalen nordelbischen Kirche „richtiggehend gewarnt“. Da sei es für ihn ausgesprochen ermutigend gewesen, dass von der nordelbischen Seite Vorschläge für die Präambel der Verfassung kamen wie: „Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland hat den Auftrag, das Evangelium in Wort und Tat zu bezeugen und Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, als ihren einzigen Herrn zu bekennen.“ Die Übereinstimmung im Kern habe ihm geholfen, diverse Unterschiede auszuhalten. Als Bischof habe er zudem von vielen Seiten, auch in der Kirchenleitung, gehört: „Wir brauchen jemanden wie dich. Wir wären als Kirche ohne diese Art der Frömmigkeit und Theologie nicht komplett.“ Er habe ferner viel Verantwortung übertragen bekommen, etwa zuletzt sechs Jahre die Leitung der Pastorenaus- und Fortbildung. Diese „positive Liberalität“ spreche für die Weite der Nordkirche, so Abromeit. Abromeit wird noch ein Jahr theologisch forschen und lehren. Auch andere Engagements, etwa bei den Evangelischen Stiftungen in Jerusalem, behält er bei.

Das ausführliche Interview mit dem scheidenden Greifswalder Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit, lesen Sie hier.

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