Donnerstag • 18. Oktober
„Religion und Gewalt“
18. September 2018

Bedford-Strohm für selbstkritischen Umgang mit Gewalttexten der Bibel

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: Schauderna
Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Foto: Schauderna

Augsburg (idea) – Einen selbstkritischen Umgang mit Gewalttexten der Bibel hat der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), angemahnt. Er predigte beim Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag am 17. September in Augsburg. Das Tagungsthema lautet „Religion und Gewalt“. Bedford-Strohm predigte über das Gottesurteil auf dem Berg Karmel (1. Könige 18), bei dem der Prophet Elia 450 Baals-Priester umbringt. Bedford-Strohm zufolge ist die Vorstellung verstörend, dass Gott „Urheber eines großen Abschlachtens“ ist. Für Pfarrer bestehe die Versuchung, solche Texte zu entschärfen, etwa indem man über einen „Kuschelgott“ predige. Gewaltverherrlichende Texte in der Bibel müssten kritisiert werden und dürften nicht als handlungsleitende Texte interpretiert werden.

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600 Gewalttexte: „Bisweilen wie in einem Horrorfilm“

Im Alten Testament gebe es 600 Bibeltexte mit expliziter Gewalt. Sie werde häufig von Gott befohlen oder auf ihn zurückgeführt. Bedford-Strohm: „Bisweilen geht es in diesen Texten zu wie in einem Horrorfilm.“ Ein Beispiel dafür sei die im Buch Josua beschriebene Landnahme, bei der die gesamte Einwohnerschaft einschließlich Frauen und Kinder mit Gottes Segen vernichtet werde. Gewalt finde sich aber auch im Neuen Testament, etwa in den Texten, die das Weltgericht ankündigen.

Wenn der Prophet Elias Mohammed heißen würde

Bedford-Strohm forderte dazu auf, sich das Gottesurteil auf dem Karmel mit veränderten Rollen vorzustellen: Wenn der Prophet Elias Mohammed heißen würde und die hingerichteten Baals-Priester Christen wären, würden sich in seinem Bischofsbüro die Protestbriefe stapeln. Nach Worten Bedford-Strohms ist Jesus Christus selbst zum Gewaltopfer geworden. Man könne ihn daher nicht für die Legitimation von Gewalt in Anspruch nehmen. Im Umgang mit anderen Religionen dürften Christen nicht mit einem Überlegenheitsgefühl auftreten, sondern mit Demut. Es gelte, Zeugnis vom Gekreuzigten und Auferstandenen zu geben. Die radikale Liebe Jesu gelte allen Menschen. Maßgeblich sei das Jesus-Wort „Selig sind die Friedensstifter“. Gottes Weg führe nicht in die Gewalt, sondern zum Frieden.

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