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EKD-Johannisempfang
26. Juni 2019

Bedford-Strohm: Europa verliert seine Seele

v.l.: Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Johannisempfang der EKD am 26. Juni in Berlin. Foto: idea/Huhn
v.l.: Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Johannisempfang der EKD am 26. Juni in Berlin. Foto: idea/Huhn

Berlin (idea) – Europa hat das Ertrinken von 3.000 Menschen im Mittelmeer verdrängt oder dabei tatenlos zugeschaut. Das hat der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), beklagt. Das biblische Doppelgebot der Liebe versinke im Meer, und Europa verliere seine Seele, sagte er auf dem Johannisempfang der EKD am 26. Juni in Berlin. Daran nahmen rund 500 Gäste aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Altbundespräsident Horst Köhler, der Bundesminister für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil (SPD), und die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sowie der Generalsekretär der SPD, Lars Klingbeil. Ebenfalls dabei waren der Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Fraktion, Hermann Gröhe, der Beauftragte der SPD-Fraktion für Kirche und Religionsgemeinschaften, Lars Castellucci, der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Volker Münz, und der religionspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Stefan Ruppert. Bedford-Strohm zufolge ist die Seenotrettung ein „dringliches Betätigungsfeld“. Bedford-Strohm: „Verbrecherische Schlepperbanden darf man nicht dadurch bekämpfen, dass man unterlassene Hilfe beim Ertrinken von Menschen als Abschreckungsmittel einsetzt oder gerettete Flüchtlinge in menschenverachtende Lager ins Bürgerkriegsland Libyen zurückschickt.“

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Kirchen sind keine Bollwerke eines christlichen Abendlandes

Laut Bedford-Strohm können die Kirchen in unsicheren Zeiten die Identität stärken. Sie dürften aber nicht als Bollwerke eines christlichen Abendlandes gegen andere Religionen fehlinterpretiert werden. Die Bedeutung der Kirchen liege darin, „die Menschenfreundlichkeit Gottes zum kritischen Korrektiv und orientierenden Stachel“ zu machen. Die christlich-jüdische Tradition tauge nicht als Mittel zur Ausgrenzung, sondern sei „Ausstrahlungsquelle einer Liebe, die Grenzen nicht aufrichtet, sondern überwindet“. Für Deutschland sei es an der Zeit, christliche Grundorientierungen neu zu entdecken. Gegen die „Verrohung der öffentlichen Diskurskultur“ stellten Christen die Predigt von Gottes barmherziger Zugewandtheit. Der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke müsse aufrütteln: „Niemand kann jetzt mehr den Rechtsextremismus verharmlosen.“ Es bestehe ein Zusammenhang zwischen verbaler Gewalt in sozialen Netzen und physischer Gewalt.

Wahlprognosen für Landtagswahlen bereiten Sorge

Ferner äußerte sich Bedford-Strohm zu den bevorstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Er sehe die Wahlprognosen mit Sorge, wonach etwa 25 Prozent der Bürger nationalistische Parteien ihre Stimme geben wollen. Viele dieser Wähler seien auch in Kirchengemeinden beheimatet. Es sei wichtig, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu klären, welche Enttäuschungen und Belastungen sie zu erzählen haben. Zum Johannisempfang am Berliner Gendarmenmarkt eingeladen hatte der Bevollmächtigte des Rates der EKD, Prälat Martin Dutzmann.

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