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06.04.2013

Iran-Tagung der Akademie Loccum erregt Anstoß

Loccum (idea) – Eine geplante Iran-Tagung der Evangelischen Akademie Loccum (bei Nienburg) erregt Anstoß bei israelfreundlichen Organisationen. Sie protestieren gegen die Mitwirkung des Botschafters der Islamischen Republik, Ali Reza Sheikh Attar (Berlin). Die Konferenz, die vom 17. bis 19. April in der Akademie stattfindet, steht unter dem Thema „Neue Politik für den Mittleren Osten – Wie kann die iranische Zivilgesellschaft gestärkt werden?“. Angesichts der Realität im Iran wirke die Einladung des Vertreters eines „Mörderregimes“ zynisch, erklärt der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Hannover, Kay Schweigmann-Greve. „Unter der Herrschaft der Mullahs werden im Iran Homosexuelle gehängt, Ehebrecherinnen gesteinigt, Baha’i und Christen verfolgt.“ Während die iranische Führung immer wider mit der Vernichtung Israels drohe, arbeite sie gleichzeitig an der Atombombe. Die Israelfreunde Norddeutschland – Arbeitsgemeinschaft Hannover schließt sich dem Protest der Deutsch-Israelischen Gesellschaft an. Botschafter Attar stehe für Präsident Mahmud Ahmadinedschad, der „ausdrücklich und klar mehrfach die Vernichtung Israels als schiitisch-geistliche und politische Zielsetzung“ genannt habe.

Tagungsleiter: Kein Podium zum Schönreden

Die beiden Organisationen sowie die Aktion „Stop the Bomb“ fordern die Ausladung Attars. Das lehnt Tagungsleiter Marcus Schaper ab. Der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte er, die Akademie wolle mit der Diskussionsveranstaltung dazu beitragen, dass die Atomgespräche mit dem Iran vorankommen. Dazu böten sich gerade vor den Präsidentschaftswahlen im Juni nach Meinung von Experten neue Möglichkeiten. Attar werde an einem Abend über dieses Thema mit einem Vertreter des Auswärtigen Amtes diskutieren. Ein Schwerpunkt der Tagung sei die Außenpolitik. Allerdings wolle die Akademie die Diskussion um die Atomfrage mit Themen der Zivilgesellschaft und der Demokratisierung im Iran verknüpfen. Man sei sich bewusst, dass man dabei einen „Spagat“ versuche, so Schaper. Keineswegs werde dem Botschafter ein Podium geboten, die Lage in seinem Land schönzureden. Herr Schweigmann-Greve sei herzlich eingeladen, sich an dem Diskurs zu beteiligen.

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