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12.02.2013

Wird die OJC gefällt, fallen bald auch andere

Seit über einem Jahrzehnt gibt es Ärger: Immer wieder aufs Neue haben die Verfechter einer radikalen Gleichstellung von Homosexualität mit Heterosexualität versucht, die pädagogische und seelsorgerliche Arbeit der Kommunität Offensive Junger Christen (OJC) in Reichelsheim im Odenwald (Hessen) zu diskreditieren. Grund dafür: Die OJC steht mit ihrem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft homoerotisch empfindenden Menschen zur Seite, die sich mit diesem Lebensstil nicht identifizieren und nicht schwul leben wollen. Das – so der Vorwurf – diskriminiere homosexuell empfindende Menschen.

Die Schikane erreicht einen neuen Höhepunkt

Jetzt hat die Schikanierung einen neuen Höhepunkt erreicht. Ausgelöst durch eine „Kleine Anfrage“ des lesben- und schwulenpolitischen Sprechers der hessischen Landtagsfraktion der Grünen, Kai Klose, soll der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) prüfen lassen, ob die Arbeit der OJC weiterhin mit staatlichen Geldern gefördert werden darf. Die OJC hat dabei nichts zu befürchten. Sie ist seit Jahrzehnten bekannt für ihre innovative pädagogische Arbeit. Ihre interkulturellen Jugendbegegnungen wurden preisgekrönt. Die Kommunität ist ein Ort gelebten Glaubens und ein international und ökumenisch geschätzter Partner.

Man will einen Präzedenzfall schaffen!

Nehmen wir dennoch einmal den schlechtesten aller Fälle in dieser Sache an: Die anstehende „Prüfung“ der OJC würde zum Verlust der staatlichen Förderungswürdigkeit als kirchlicher Träger führen. Die OJC könnte die 1–2 % Förderungsverlust ihres Haushaltes vermutlich verkraften. Aber was hieße das für andere Werke in der Kirche, die deutlich mehr öffentlich gefördert werden? Was hieße das für Pfarrer und Gemeinden, die gleichsam eine differenzierte Sicht zum Thema Homosexualität haben und die diesen Lebensstil nicht als normativ und gottgegeben protegieren? Wenn der OJC die Förderungswürdigkeit aberkannt würde, dann wäre damit ein Präzedenzfall geschaffen, nach dessen Schnittmuster zukünftig beliebig andere Institutionen gemäß der Homo-Agenda zurechtgestutzt werden könnten: Wer anders denkt, dem wird der Geldhahn abgedreht.

Die Schweigespirale hat uns fest im Griff

Durch die Angst vor politischer, öffentlicher und jetzt vielleicht auch noch monetärer Ausgrenzung hat sich die Politische Korrektheit in Sachen Homosexualität fast flächendeckend wie ein Mehltau niedergelassen. Die vielzitierte Schweigespirale hat nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Kirche gut im Griff. Klug scheint, wer zu diesem Thema schweigt und schluckt. Auf diesem Weg freilich verkümmert Luthers Kirche des Wortes zu einer hüstelnden Gemeinde ohne Klarheit, Kraft und Kurs.

Handeln – wie in Frankreich

Dabei könnte es ganz anders sein: Demokratie ist ein Regelwerk, das man mit Leben füllen muss. Sie lebt ausdrücklich vom Wettbewerb unterschiedlicher Meinungen. Das Grundgesetz garantiert den Bürgern, ihre Glaubens- und Weltanschauung öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Eindrücklich haben wir in den letzten Wochen erlebt, wie sich im liberalen Frankreich eine Nation aus der Schweigespirale befreit und auf den Weg gemacht hat. Hunderttausende sind gemeinsam auf die Straße gegangen und haben gezeigt, dass mit ihnen die Homo-Ehe nicht zu machen ist. Können auch wir pilgern auf Französisch? Können auch wir uns aufmachen und füreinander einstehen in diesen wichtigen Fragen? Oder schauen wir zu, wie die Gleichstellungs- und Gender-Fundis Schritt für Schritt und Schnitt für Schnitt die Zungen derer zum Schweigen bringen, die anders denken?(Der Autor, Dominik Klenk, ist Publizist und Geschäftsführer des Brunnen Verlages in Basel. Er war von 2002 bis Mitte letzten Jahres Prior der OJC.)

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