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12.12.2012

Homosexualität: Evangelikale und Grüne beginnen Dialog

Berlin/Bad Blankenburg (idea) – Die Deutsche Evangelische Allianz und Bündnis 90/Die Grünen sind in einen Dialog über das Streitthema Homosexualität eingetreten. Die Allianz mit Sitz im thüringischen Bad Blankenburg berichtet über einen Briefwechsel zwischen ihrem Vorsitzenden, Präses Michael Diener (Kassel), und dem menschenrechtspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Beck, der sich zu einer homosexuellen Lebensweise bekennt. Der Politiker übte in den vergangenen Jahren wiederholt scharfe Kritik an Evangelikalen, weil es in ihren Reihen Gruppen gäbe, „die eine Heilbarkeit von Homosexualität versprechen“. Als Beispiel nennt er in einem Brief an Diener das Weiße Kreuz, einen evangelischen Fachverband für Sexualethik und Seelsorge. Beck zufolge ist Homosexualität keine Krankheit und deshalb müssten Seminare scheitern, die darauf abzielten, „Homosexualität ‚kurieren‘ zu können“. Er setze sich deshalb dafür ein, „dass solche Therapien mindestens an Minderjährigen verboten werden“. Zugleich äußert der Politiker in dem Schreiben die Hoffnung, den Allianz-Vorsitzenden als Unterstützer für sein Anliegen gewinnen zu können.

Diener: Kritiker homosexueller Praxis nicht kriminalisieren

In seiner Antwort erklärt Diener, bei dieser Frage werde es „wohl bei einem klaren Dissens bleiben“. Im Blick auf evangelikale Gruppen, die unter ihrer Homosexualität leidende Personen beraten, schreibt Diener: „Mit Organisationen wie dem Weißen Kreuz oder dem Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft achten wir die Selbstbestimmung und die Freiheit jedes einzelnen Menschen, über seinen Lebensentwurf zu entscheiden.“ Beck wolle diese Freiheit Dritten offensichtlich nicht zugestehen. Denn nur so sei es zu verstehen, dass er derartige Angebote für Hilfesuchende von vornherein ausschließen wolle - getreu dem Motto, „dass nicht sein kann, was nicht sein darf“. Diener wendet sich zugleich gegen Versuche, Kritiker einer homosexuellen Praxis als homophob oder fundamentalistisch zu bezeichnen und in die Nähe des Extremismus zu rücken. Er stellt fest: „Wer unsere freiheitlich demokratische Grundordnung nicht bejaht, hat keinen Platz in der Deutschen Evangelischen Allianz.“ Diener appelliert an Beck, „mäßigend auf diejenigen einzuwirken, die eine Glaubensüberzeugung in verfassungsfeindliche Bestrebungen umdeuten wollen“. Es sei „wenig hilfreich, in Fragen der Homosexualität Andersdenkende direkt oder indirekt zu kriminalisieren“.

Allianz und Grüne gegen Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda

Auslöser des Briefwechsels ist ein Gesetzesvorhaben in Uganda, das drakonische Strafen für Homosexuelle vorsieht. So soll das Berühren einer Person mit der Absicht, gleichgeschlechtlichen Sex zu haben, mit einer lebenslangen Haftstrafe geahndet werden. Wer von homosexuellen „Machenschaften“ weiß und sie nicht innerhalb von 24 Stunden der Polizei meldet, dem drohen drei Jahre Haft. Die ursprünglich vorgesehene Todesstrafe für homosexuelle Beziehungen wurde aufgrund internationalen Drucks aus dem Entwurf gestrichen. Beck forderte die Deutsche Evangelische Allianz auf, das Gesetzesvorhaben öffentlich abzulehnen. Die Befürworter des Gesetzes in Uganda begründeten ihre Initiative „mit evangelikalen und christlichen Beweggründen“, so Beck. Deshalb habe eine „klare und eindeutige Distanzierung“ der Deutschen Evangelischen Allianz mehr Einfluss als manche Aufforderung durch Regierungen und Politiker. Diener nannte es in seiner Antwort nicht zutreffend, wenn Beck den Eindruck erzeuge, dass Evangelikale hinter dem Vorhaben stünden. Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) habe sich bereits 2009 gegen die Gesetzesinitiative gewandt. Diener versicherte, dass die Deutsche Evangelische Allianz weiter über die WEA intervenieren werde. Er schlägt Beck vor, den Dialog auch mündlich fortzusetzen.

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