Bericht
Zwischen Zorn und Liebe Gottes – Kolosserbrief prägte Allianzkonferenz
05.08.2025

Die „Hauptstadt“ der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) befindet sich im Bad Blankenburg. Seit 1886 gibt es dort ein Evangelisches Allianzhaus und auch die traditionsreiche Allianzkonferenz. IDEA-Leiterin Daniela Städter war auf der 129. Konferenz (30. Juli bis 3. August) in dem thüringischen Städtchen dabei.
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Zwölf Bibelarbeiten an fünf Tagen: Die Konferenz in Bad Blankenburg kann sich zu Recht als Bibelkonferenz bezeichnen – und als älteste noch dazu. Morgens zwei Bibelarbeiten in der altehrwürdigen Konferenzhalle von 1906, abends eine weitere. In diesem Jahr befassten sich die Konferenzteilnehmer unter dem Motto „Focus Jesus“ mit dem Kolosserbrief.
Dazwischen prägten Lobpreis, ein Posaunenchor, Bibelgespräche, Seminare, Workshops und parallel ein Angebot für Kinder und Jugendliche die Tage. Wenn EAD-Vorstand Reinhardt Schink zurückschaut, erfüllt ihn Dankbarkeit: „Hier stand Jesus im Zentrum. Sowohl in der Konferenzhalle als auch im Jugendcamp.“
Entscheidungen für Jesus beim Jugendcamp
Das Jugendcamp war international und evangelistisch angelegt, die rund 60 Teilnehmer zelteten, kamen häufig aus sozial schwachen und schwierigen Verhältnissen, etwa über das Resozialisierungsprojekt „Seehaus“ aus dem offenen Strafvollzug. Und das Wunder geschah: „Teilnehmer entschieden sich für ein Leben mit Jesus Christus und erlebten innere Heilung. Auch ein Grund, dankbar zu sein“, sagt Schink. „Und es ist nachhaltig: Jugendliche, die sich vor drei Jahren hier bekehrt haben, sind im Glauben gewachsen und feste Mitglieder einer Gemeinde geworden. Sie arbeiten jetzt in der Leitung oder im Musikteam mit.“

„Sind wir noch dankbar für den anderen?“
Während es im Jugendcamp um persönliche Entscheidungen ging, stand in der Konferenzhalle der Kolosserbrief im Mittelpunkt, ausgelegt von unterschiedlichen Referenten. Konferenzleiter Hans-Günter Schmidts erinnerte zu Beginn an die Bedeutung der Dankbarkeit: „Sind wir noch dankbar für den anderen? Oder ist unsere Stimmung mehr geprägt von dem inneren Wunsch, der andere könnte doch freundlicher sein, seine Meinung hier und da doch ändern, nicht so missmutig oder aggressiv sein, dann wäre die Welt doch leichter?“ Gespräche und Sitzungen würden möglicherweise über einen von Dankbarkeit geprägten Einstieg deutlich einfacher, betonte Schmidts.
Bewegende Bibelarbeit
Reinhardt Schink hielt ebenso eine Bibelarbeit wie der Jugendevangelist und ehemalige Schreiner Tilman Pforr, die Leiterin der Herzstück Gemeinde in Ehrenfriedersdorf, Sarah Stopp, der Direktor des Nachhaltigkeitszentrums der Weltweiten Evangelischen Allianz, der Unternehmer Matthias Böhning sowie die Studienleiterin im Albrecht-Bengel-Haus und Sprecherin des EAD-Konvents, Pfarrerin Maike Sachs.
Als bewegend empfanden viele die Bibelarbeit von Eberhard Jung. Wenn jemand, so wie der Leiter des Arbeitskreises Frieden und Versöhnung der EAD, eine schwere Krankheitsphase durchläuft, 44 Kilo abgenommen hat und trotzdem die Kraft aufbringt, eine Bibelarbeit zu halten, dann gewinnen Themen, über die man spricht, noch einmal an Tiefe und werden eindringlicher.
Bibelstellen im Kontext lesen
Der Vorteil, ein ganzes Bibelbuch am Stück zu lesen, zeigte sich deutlich: Zusammenhänge werden klar, Verse nicht aus dem Kontext gerissen. Der Vorsitzende des Gemeindehilfsbundes, Pastor Stefan Felber, sprach über die Härte von Paulus: „Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist!“ (Kolosser 3,5)
Paulus fordere in sehr drastischer Sprache von Tod und Auferstehung sowie vom Zorn Gottes dazu auf, sich ganz auf Jesus zu fokussieren. Felber: „Gottes Zorn gehört notwendig zu seiner Abneigung gegen die Sünde.“ Er kritisierte die liberale Theologie, die das klare Schriftzeugnis vom heiligen Zorn Gottes verdrängt habe.
Und dann folgte „die andere Seite der Medaille“, wie der nachfolgende Referent Frank Heinrich es ausdrückte. Ab Kolosser 3,12 verändere sich die Sprache von Paulus, so der 1. Vorsitzende von „Gemeinsam gegen Menschenhandel“. Da sei von Erbarmen, Güte, Liebe, Milde, Langmut die Rede, von einander ertragen und vergeben.
Er wünsche sich, so Heinrich, dass Christen das im Alltag lebten. Diese Spannung durch die unterschiedlichen Eigenschaften und Aussagen, die zusammen gedacht werden müssen, kamen des Öfteren zur Sprache: Liebe und Zorn Gottes, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Richter und Retter.

Eine Bibelarbeit wirft Fragen auf
Alle diese Bibelarbeiten sind im Detail nachzuhören auf dem YouTube-Kanal der Allianzkonferenz. Doch es gibt in diesem Jahr erstmals eine Ausnahme. Aufmerksamen Beobachtern wird nicht entgangen sein, dass eine Aufzeichnung derzeit fehlt: die Bibelarbeit von der Theologin Stephanie Mittelbach (Kolosser 2,6–15). Sie äußerte, dass Jesus auch vor schädlichen Inhalten, falscher Lehre und Menschengeboten gewarnt habe. Das könnten ganz unterschiedliche Themen sein. Als ein Beispiel nannte sie unter anderem die geschlechtliche Orientierung: „Besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass du deine Haltung zu Homosexualität überdenkst, weil so viele neue Erkenntnisse dazugekommen sind?“
Sie habe den Eindruck, dass Christen sich manchmal hochzögen an den „Maximalsünden unserer Zeit“. Christen aller Zeiten hätten sich geirrt. Sie rief die Zuhörer auf, sich zu fragen, wo sie gerade möglicherweise irrten. Es sei ein Irrtum, dass Bewahren bedeuten würde, alles zu lassen, wie es ist: „Wirkliches Bewahren bedeutet, dass wir uns bewegen müssen.“
Meinte sie damit, dass die Aussagen der Bibel zum Thema Homosexualität überholt seien? Dies blieb unklar, löste Nachfragen und Irritationen aus: Was bedeutete ihre Aussage – auch wenn sie als Frage formuliert war?
Ihm sei wichtig, zuerst zu klären, was gemeint war und dann darauf weise zu reagieren, um Missverständnisse zu vermeiden, so Schink. Er sei im Gespräch mit Stephanie Mittelbach. Auf dieser Grundlage werde entschieden, ob in einem zusätzlichen Video auf die missverständlichen und auch kontroversen Punkte eingegangen wird.
Die Position der EAD habe sich nicht geändert, betonte Schink: „Die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis ist mit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar. Gleichzeitig gilt die vorbehaltlose Annahme aller Menschen. Leider haben wir dies häufig nicht gelebt, sondern sind vielfach durch Hartherzigkeit, Arroganz und verurteilendes Verhalten homosexuell empfindenden Menschen gegenüber schuldig geworden.“
Mehr Teilnehmer
In diesem Jahr kamen rund 1.300 Teilnehmer zur Konferenz, es geht also wieder nach oben: 20 Prozent mehr als im Vorjahr sind das, aber immer noch deutlich weniger als vor Corona (2019: 1.900 Teilnehmer) – und die Zahlen zu DDR-Zeiten mit bis zu 5.000 Teilnehmern sind sowieso unschlagbar.
EAD-Vorstand Schink hofft auf einen weiteren Anstieg. Und darauf, dass vor allem einige der rund 900 Ortsallianzen die Konferenz für sich entdecken. Diese könnten die Konferenz z. B. mit einem Treffen ihrer Ortsgruppe verbinden, zudem auch Gemeinden mit ihrer Gemeindefreizeit. Bislang seien vor allem Einzelpersonen gekommen: „Aber warum nicht als Gruppe zur Konferenz fahren?“
Keine „Hochglanzkonferenz“
Die Konferenz sei keine „Hochglanzkonferenz“: „Wir bieten ein Format, wo alle dran teilnehmen können, da wir keinen Teilnehmerbeitrag erheben. Wir setzen nicht auf die großen Namen, sondern auf die Attraktivität und lebensverändernde Kraft von Gottes Wort selber.“
Die Konferenz sei, im Bild gesprochen, der Küchentisch der EAD-Familie. Man kommt zusammen, teilt sein Leben, seine Anliegen, ermutigt sich und hilft sich gemeinsam auf dem Glaubensweg. Da die Konferenz beitragsfrei ist, muss sie anderweitig finanziert werden. Bislang seien rund 67 Prozent der Kosten durch Spenden gedeckt, sagt Konferenzleiter Hans-Günter Schmidts.
Wie steht es um Bad Blankenburg?
Und wie steht es um Bad Blankenburg – also den Ort, an dem die Allianz zu Hause ist? Das Städtchen kämpft mit dem demografischen Wandel und Wegzug der Jungen, mit der Perspektivlosigkeit, die sich in Teilen der Stadtgesellschaft breit macht. Im Rahmen der Allianzkonferenz fand in der Landessportschule ein Sportcamp statt, das Sportangebote mit biblischen Geschichten verband: 43 Kinder aus der Region waren dabei.
Immer wieder gibt es kleine Lichtblicke: Kurz vor der Allianzkonferenz eröffnete das Hotel Morgenroth, ein Vier-Sterne-Tagungs- und Wellnesshotel, das in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude entstanden ist. Bauherr war die Firma von Georg Jahn, selbst Bad Blankenburger, zuletzt ausgezeichnet mit dem Wertepreis des Kongresses Christlicher Führungskräfte (KCF). Jahn ist es gelungen, den Sternekoch Nelson Müller für das Küchenkonzept des Hotels zu gewinnen.
Ist das eine Konkurrenz oder eine Bereicherung für das Allianzhaus mit seinen 54 Zimmern auf dem Allianzgelände, das ja auch auf eine gute Auslastung dringend angewiesen ist? Schink empfindet es als Gewinn. „Arbeitsplätze entstehen und der Tourismus wird gestärkt“, sagt er. Die frühere Tourismusregion habe zuletzt eher einen Niedergang erlebt.
Auch für die Allianzkonferenz sei das zusätzliche Zimmerangebot super. Und dass Bad Blankenburg vom Freistaat Thüringen nun als Tagungslocation vermarket werde, sei „grandios“. Bislang sei es schwer gewesen, die Stadt als Tagungsort zu positionieren. Die Allianz habe mit ihrem Haus „Villa Friede“ auch Tagungsräume im Angebot und werde profitieren. Da ist Schink sich sicher: „Wenn der Kuchen größer wird, gewinnen alle - und wir geben dann auch gerne einen Teil des Kuchens ab.“
Lesen Sie hier ein Interview mit dem Leiter des Konferenzteams, Hans-Günter Schmidts
Über die Allianzkonferenz
Offizielle Partner der diesjährigen Allianzkonferenz waren die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA, das Stromversorgungsunternehmen Energiestifter und die Evangelische Hochschule Tabor (Marburg). Die Evangelische Allianz wurde 1846 in London gegründet. In Deutschland gibt es heute an rund 900 Orten Allianzkreise. Die EAD veranstaltet unter anderem jährlich die Allianzgebetswoche.
Die Allianzkonferenz fand erstmals 1886 statt. Das Allianzgelände in Bad Blankenburg gilt heute als Zentrum der Evangelikalen in Deutschland. Die 130. Bad Blankenburger Allianzkonferenz findet vom 5. bis 9. August 2026 unter dem Motto „hiobsBOTSCHAFT“ statt und wird sich mit dem biblischen Buch Hiob beschäftigen.
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