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Yale-Professor: Kirche muss sich auf Kern ihrer Botschaft besinnen

10.07.2023

Kirchen müssten sich wieder auf die Botschaft besinnen, so Volf. Symbolfoto: pixabay.com
Kirchen müssten sich wieder auf die Botschaft besinnen, so Volf. Symbolfoto: pixabay.com

Köln (IDEA) – „Die meisten Dinge, die für Jesus wichtig waren, spielen heute für den normalen Kirchgänger keine große Rolle mehr. Und die meisten Dinge, die den normalen Menschen auf der Straße bewegen, hätten Jesus überhaupt nicht interessiert.“ Das sagte der Direktor des „Zentrums für Glaube und Kultur“ an der Yale-Universität (New Haven/US-Bundesstaat Connecticut), Prof. Miroslav Volf, in einem Interview mit dem Medienportal domradio.de (Köln).

Als Beispiel führte er an: „Aussehen und ästhetische Aspekte scheinen für Jesus und die Evangelisten überhaupt keine Rolle gespielt zu haben. Während wir heute gerne mal Stunden vor dem Spiegel verbringen, um das Bild zu perfektionieren, das wir abgeben. Von Social Media noch gar nicht angefangen.“ Das wirft laut Volf die beunruhigende Frage auf: „Führt der Abstand zu Jesus auch zu einer Abwendung der Kernidee von Kirche und Glauben?“

Dem Theologen zufolge vollzieht sich in den westlichen Gesellschaften eine „Selbst-Säkularisierung der Kirchen“. Die Substanz des Glaubens als solche gehe verloren. Volf: „Die Leute finden in den Kirchen heutzutage nichts mehr, das sie nicht anderswo finden.“ Das führe dazu, dass die Kirchen versuchten, soziale Entwicklungen und Trends zu imitieren oder aufzugreifen. Diese Abnabelung von der Religion habe ein signifikantes Ausmaß angenommen.

Nach Einschätzung von Volf verbandeln sich die Kirchen in den USA immer mehr mit der Politik, und die Politik nehme zunehmend Einfluss auf die Kirche. Das habe man schon während der Präsidentschaft von George W. Bush (2001–2009) und ganz besonders bei der von Donald Trump (2017–2021) gemerkt. Dadurch hätten die Kirchen an Ansehen und sozialem Kapital verloren.

Nach Ansicht von Volf hat die Kirche nur eine Zukunft, wenn sie sich auf den Kern ihrer Botschaft besinnt. „Es darf nicht nur um Dogmatik und Moral gehen, sondern um einen Kompass für das wahre Leben.“

Kritik an Wohlstandsevangelium

Scharfe Kritik übte er an religiösen Gemeinschaften in Amerika, die materiellen Reichtum als Gnade Gottes predigen – das sogenannte Wohlstandsevangelium: „Das ist eine moralische Aushöhlung der Botschaft und in gewissem Sinne auch eine Instrumentalisierung.“ Das werde von außen herangetragen und „hat nicht mehr viel mit der Botschaft Jesu zu tun.“

Der 66-jährige evangelische Theologe stammt aus Kroatien. Sein jüngstes Buch hat den Titel „Life Worth Living – Wofür es sich zu leben lohnt“ (Kösel Verlag).

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