Interview
„Wir beten viel für das Wohlergehen der Firma“
12.09.2024

Bosch-Manager Thomas Baader über Gebet am Arbeitsplatz, seine größte Lebenskrise sowie über den Unterschied zwischen einem Laubbläser und dem Evangelium. Mit ihm sprach IDEA-Reporter Karsten Huhn.
IDEA: Herr Baader, Sie haben gerade eine Predigt gehalten. Sind Sie mit Ihrer Arbeit bei Bosch nicht ausgelastet?
Baader: Eine Predigt braucht genug Vorbereitungszeit, insofern ist das immer wieder eine Herausforderung. Gott schenkt mir aber immer wieder die Zeit, ohne dass ich meine beruflichen Verpflichtungen vernachlässigen muss.
IDEA: Wie sind Sie zum Predigen gekommen?
Baader: Durch den Gideon-Dienst. Ich bin seit sieben Jahren bei den Gideons aktiv. Ein Teil der Arbeit besteht darin, die Gideons in Gemeinden vorzustellen und neue Unterstützer zu gewinnen. So habe ich erst Vorträge und dann auch Predigten gehalten. Von einer Gemeinde, der Freien evangelischen Gemeinde Glonn, wurde ich gebeten, ab und an Predigten zu halten. Ich habe dann auch Predigt-Weiterbildungen besucht und predige inzwischen regelmäßig.
IDEA: Was fällt Ihnen leichter: das Evangelium zu verkünden oder Gartengeräte zu verkaufen?
Baader: Beim Verkauf von Heckenscheren und Laubbläsern ist der Erfolg leichter messbar. An Umsatz, Gewinn und Marktanteil lässt sich leicht ablesen, ob ich gut gearbeitet habe. Bei der Verbreitung des Evangeliums lässt sich das nicht so schnell sagen. Es kann sein, dass ich durch eine Predigt einen Samen gelegt habe, dessen Früchte ich nie sehen werde.
IDEA: Bei Gartengeräten müsste der Markt doch längst gesättigt sein – man braucht ja nicht jedes Jahr einen neuen Laubbläser.
Baader: Die Geräte haben nur eine bestimmte Lebensdauer, deshalb braucht es nach gewisser Zeit Ersatz. Außerdem gibt es immer wieder Innovationen. Momentan findet zum Beispiel eine Konversion der Antriebstechnologie von benzin- zu batteriebetriebenen Geräten statt.
IDEA: Auch der Markt für das Evangelium scheint derzeit gesättigt – die Botschaft dringt kaum noch durch.
Baader: Die beiden Volkskirchen finden sich auf dem Rückzug und verlieren an Bedeutung. Der Bedarf an Sinnstiftung besteht aber weiterhin. Unsere Gemeinde in München-Freiham macht regelmäßig einen christlichen Büchertisch in einer Münchener Fußgängerzone. Bei meinen Gesprächen dort stelle ich besonders bei Nicht-Deutschen, darunter vielen Muslimen, ein großes Interesse am Evangelium fest.

IDEA: Sie nutzen auch Ihren Arbeitsplatz, um über Ihren Glauben zu reden.
Baader: Es findet sich immer wieder die Gelegenheit, mit oder für Kollegen zu beten. Natürlich muss das unaufdringlich geschehen. Und ich darf als Vorgesetzter niemals einen Unterschied zwischen Christen und Nichtchristen machen – ich muss alle nach dem gleichen Maßstab behandeln.
IDEA: Ungewöhnlich ist, dass es bei Bosch zahlreiche Gebetskreise gibt.
Baader: Das ist tatsächlich ungewöhnlich. Für die Organisation nutzen wir eine Unternehmensplattform, mit der wir uns global mit Christen von anderen Bosch-Standorten vernetzen und austauschen können, zum Beispiel in den USA und Indien. Außerdem findet in Stuttgart ein jährliches Bosch-Christentreffen mit etwa 200 Teilnehmern statt, mit gemeinsamem Gebet, Lobpreis und Vorträgen.
IDEA: Wie wirkt sich das aufs Betriebsklima aus?
Baader: Der Effekt ist ungemein positiv. Wir beten viel für das Wohlergehen der Firma, für Vorgesetzte, für konkrete Projekte und auch für die Lösung von Konflikten. Durch das gemeinsame Gebet ist man gegenüber Kollegen, die einem vielleicht nicht so liegen, nachher deutlich aufgeschlossener und arbeitet besser zusammen. Der zweite Effekt: Wir beten auch für persönliche Probleme und Nöte, und oft können wir auch konkrete Hilfe leisten. Dadurch können die Mitarbeiter auch wieder eine bessere Leistung für ihre Firma bringen.
IDEA: Sie selbst haben eine kuriose Glaubenslaufbahn hinter sich. Sie sind katholisch aufgewachsen, wurden dann evangelisch-landeskirchlich und sind heute Freikirchler.
Baader: Meine Eltern waren formal katholisch, aber nicht praktizierend. Ich bin getauft worden und habe auch die Firmung mitgemacht, aber als ich erwachsen war, hat sich mein Glaube verlaufen. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass es Gott geben müsse. Einer der Gründe war: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ein so komplexes System wie unser Universum ohne einen intelligenten Planer, sondern nur durch Zufall entstanden ist. Mir fehlte aber die Überzeugung, dass dieser Gott etwas mit mir zu tun haben könnte.

IDEA: Wie änderte sich Ihre Überzeugung?
Baader: Mit 37 Jahren verlor ich meine erste Ehefrau und unser ungeborenes Kind. Meine Frau starb an plötzlichem Herztod und mit ihr auch unser Kind. An diesem Tag ist mein Lebenstraum und auch mein Selbstverständnis zerstört worden. Bis dahin habe ich mich als Glückspilz gesehen, dem alles zufiel. Mir fiel die Schule leicht und auch die Universität, ich habe mich leichtgetan bei meinen beruflichen Karriereschritten und ich hatte eine wunderbare Ehe.
IDEA: Plötzlich war das Glück aufgebraucht.
Baader: Ich stand vor einem Scherbenhaufen. In dieser Zeit hat mein Vater einen Satz gesagt, der mich aufgerüttelt hat: „Was hier passiert ist, ist Gottes Wille. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: Du rebellierst gegen Gott und wirst ein verbitterter Mensch werden. Oder du akzeptierst, was passiert ist, und fragst Gott nach seinem Willen für dein Leben.“ Ich habe mich für den zweiten Weg entschieden. So kam ich zu Jesus Christus.
IDEA: Wie wurden Sie evangelisch?
Baader: Einige Jahre später heiratete ich erneut, und wir bekamen eine Tochter. Wir ließen sie evangelisch taufen, und so bekam ich Kontakt zur evangelischen Kirche. Ich besuchte mit unserer Tochter die Kindergottesdienste und wurde irgendwann Teil des Teams. In dieser Zeit habe ich begonnen, systematisch die Bibel zu lesen.
IDEA: Was hat Sie beim Bibellesen am meisten überrascht?
Baader: Wie klar und relevant die Bibel für meine Lebenssituation ist. Und mich hat überrascht, wie viele Prophezeiungen die Bibel enthält, von denen sich viele schon erfüllt haben. Dadurch wurde mir klar, dass die Bibel Gottes inspiriertes Wort ist. Sie erzählt davon, dass Jesus Christus Gottes menschgewordener Sohn ist, der auf der Erde gelebt hat, für uns gekreuzigt wurde und wieder von den Toten auferstanden ist. In mir wuchs der Drang, anderen Menschen davon zu erzählen.
IDEA: Warum sind Sie nicht in der evangelischen Landeskirche geblieben?
Baader: Ich war ungefähr zehn Jahre dort. Dann wechselte der Pfarrer, und mein Verhältnis zur Kirche lockerte sich. Ich ging auf die Suche nach anderen Gottesdienstformen und wurde dabei auch durch unsere Tochter inspiriert. Schließlich stießen wir auf die Freie evangelische Gemeinde München-Mitte, und uns gefiel die bibelzentrierte und zugleich lebensnahe Verkündigung. Heute bin ich Mitglied einer Tochtergemeinde in Freiham, einem neuen Münchner Stadtteil, in dem bald über 25.000 Menschen leben und 15.000 arbeiten werden. Die Stadt München hat unserer Gemeinde ein Schulgebäude zur Verfügung gestellt, das wir für unsere Gottesdienste nutzen können.
IDEA: Wie hilft Ihnen Ihr Managementwissen für die Gemeindearbeit?
Baader: Bei Bosch gibt es viele Möglichkeiten, sich fortzubilden. Es gibt Coaching-Angebote, Qualifikation in Projektarbeit, Gesprächstraining, Seminare für besseres Feedback oder zur Bewältigung von Konflikten. Das alles ist auch für die Gemeindearbeit nützlich.
IDEA: Besonders Konfliktmanagement dürfte für Gemeinden sehr hilfreich sein. Haben Sie einen Meister-Tipp?
Baader: Beiden Seiten zuhören, nicht vorschnell urteilen, sich bestmöglich in die Position des jeweils anderen hineinzuversetzen und immer nach dem Motto handeln, das uns Jesus Christus gelehrt hat: „Behandelt die Menschen so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet“ (Lukas 6,31).
IDEA: Vielen Dank für das Gespräch!
Thomas Baader (59) ist Global President of Business Unit Outdoor Garden bei Bosch Power Tools (Leinfelden bei Stuttgart). Er ist einer der Redner beim kommenden Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF).
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