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Bericht

Wie ein sächsischer Pfarrer das Feuer auf Rhodos erlebt hat

02.08.2023

Auf der griechischen Insel Rhodos wüten Waldbrände. Foto: picture-alliance/dpa/CTK/Pavel Nemecek
Auf der griechischen Insel Rhodos wüten Waldbrände. Foto: picture-alliance/dpa/CTK/Pavel Nemecek

Feuer auf Rhodos: Der sächsische Pfarrer Falk Klemm (Ehrenfriedersdorf/Erzgebirge) hat mit seiner Familie die Katastrophe vor Ort miterlebt. Er war den kompletten Juli für die Urlauberseelsorge der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf der griechischen Insel. Dort gibt es eine deutschsprachige evangelisch-lutherische Gemeinde ev-kirche-rhodos.com, in der er im Juli als Geistlicher tätig war. Für die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA hat Klemm seine Erlebnisse zusammengefasst.

v. l.: Pfarrer Falk Klemm und der Metropolit von Rhodos, Kyrillos II. Foto: Privat

„Der 22. Juli war ein normaler, warmer, schöner Sonnentag auf Rhodos. Am Vormittag gab es noch eine sehr berührende Gedenkveranstaltung, in der an die Vertreibung der Juden erinnert wurde. Doch dann erreichten uns die Nachrichten von den verheerenden Bränden: Auch die kleine evangelische Gemeinde wurde angefragt, ob sie ihre Räumlichkeiten für Betroffene zur Verfügung stellen könnte. Sie sagte sofort zu. Viele erklärten sich bereit für Gespräche, betreuten Betroffene, boten Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegung und Fahrdienste an.

Auch die Hilfsbereitschaft der gesamten Bevölkerung ging uns zu Herzen. Die Tavernen reichten den Betroffenen in Rhodos-Stadt kostenlos Frühstück. Betroffene Hotels stellten Urlaubern kostenlos und unkompliziert Mietwagen zur Verfügung, um sich in Sicherheit zu bringen, alle verfügbaren Busse und Boote fuhren sofort in die Krisenregion. Sie holten betroffene Urlauber ab und brachten sie zu den Familien und Hotels, die sich bereit erklärt hatten, Menschen aufzunehmen.

So kamen am späten Nachmittag des vergangenen Sonntags (23. Juli) auch Familien in das Ökumenische Zentrum der lutherischen Gemeinde in Rhodos-Stadt. Sie berichteten uns von dem sich schnell ausbreitenden Feuer und ihren Weg mit Mietwagen und Bus aus der Krisenregion. Für die Kinder hatte es was von einem Abenteuer, den Eltern war die Erleichterung anzumerken. Einige blieben kurz für einen Imbiss, andere wurden anschließend von Gemeindemitgliedern aufgenommen.

Insgesamt herrschte eine gute Stimmung. Viele waren erstaunt, auf diesem Wege eine deutschsprachige, christliche Gemeinde kennenzulernen. Manche fragten uns, warum es diese Gemeinde gibt, warum wir alle so freundlich helfen. Auch hier habe ich wieder gemerkt: Viele Menschen sind mittlerweile komplett säkular geprägt. Sie haben überhaupt keinen Kontakt mehr mit Kirchen oder mit religiösen Fragen. Möglicherweise kommt durch die kleinen Gespräche und den Austausch der ein oder andere später noch ins Nachdenken über den Glauben.

Kleine Symbole der Hoffnung

Gemeindeglieder, die aus der angrenzenden Krisenregion am 23. Juli zum Gottesdienst kamen, berichteten, dass das Feuer absichtlich gelegt worden sei. Die Feuerwehr bestätigte das später. Im Gottesdienst wurde bei den Abkündigungen berichtet, dass ein Drittel der Tourismusbranche auf Rhodos von der Katastrophe betroffen sei.

Ein Gemeindemitglied berichtete mir von einer berührenden Geschichte: Ein Feuerwehrmann hatte ein Rehkitz und eine Wildkatze aus dem Feuer gerettet und erst einmal in einen sicheren Raum gebracht. Da hätten sich die beiden ganz friedlich zueinander gelegt, was so in der Natur gar nicht vorkomme. Das waren diese kleinen Symbole der Hoffnung, dass es weitergeht.

Seit dem 24. Juli ist die Zahl der Urlauber spürbar zurückgegangen. Das ist nach der Corona-Pandemie ein herber Rückschlag für die vielen Menschen, die auf den Tourismus angewiesen sind. Mittlerweile ist der Brand unter Kontrolle.

Zurück bleibt eine große Fläche verbrannter Erde und die Hoffnung, dass sich so etwas in Zukunft nicht wieder ereignet. Auf jeden Fall verdient diese große Evakuierungsaktion größten Respekt. Mir ist niemand unter den Urlaubern bekannt geworden, der zu Schaden gekommen wäre oder im Krankenhaus liegt.“

Falk Klemm ist seit vielen Jahren im Sommer im Rahmen der Urlaubsseelsorge der EKD tätig. Auf Rhodos war es sein erster Einsatz. Zuvor war er unter anderem in Polen und in Österreich tätig. Die evangelische Gemeinde auf Rhodos ist klein. Die Angebote – Bibelgesprächskreise, Kirchkaffee, Begegnungsmöglichkeiten – werden ehrenamtlich geleistet. Zu den Gottesdiensten kommen Klemm zufolge im Sommer bis zu 30 Menschen, darunter einige Urlauber. Klemm ist Mitglied im IDEA-Trägerverein sowie Mitglied der Synoden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

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