Medien
Wie Christen das Alte Testament verstehen und anwenden
02.04.2026

Brauchen wir den ersten Teil der Bibel, das Alte Testament, noch? Mit dieser Frage beschäftigt sich die aktuelle Folge des IDEA-Podcasts „Zwischen Tür und Himmel“. Laut Pastor Simon Laufer (Heeslingen/Niedersachsen) ist das Alte Testament nicht „alt“ oder überholt, sondern als erster Teil der Heiligen Schrift von Jesus selbst gelehrt und zitiert worden. Für die ersten Christen sei die hebräische Bibel die maßgebliche Schrift gewesen. „Jesus selbst sagt, die ganze Schrift, die hebräische Bibel, redet über ihn selbst“, erklärt der Theologe.
Dennoch gelte nicht jedes Gebot aus dem Alten Testament automatisch für Christen heute. Die Bibel müsse „kanonisch“ – also im Zusammenhang – gelesen werden, um das Gesamtzeugnis Gottes zu erfassen. Zudem legten Christen den ersten Teil der Bibel „christologisch“ aus. Das bedeute, dass alle Texte aus der Perspektive des Kommens Jesu verstanden und auf ihn hin gedeutet würden. Jesus selbst habe nach seiner Auferstehung den Emmaus-Jüngern erklärt, „was in der ganzen Schrift über ihn gesagt war“ (Lukas 24,27). So würden Abraham, Mose, die Psalmen und die Propheten als Vorboten des Evangeliums interpretiert.
Gott und Gewalt im Alten Testament
Das Alte Testament enthalte aber auch herausfordernde Passagen, etwa Gewalttaten im Namen Gottes, so Laufer. Solche Stellen, wie beispielsweise der Aufruf zur Vernichtung der Amalekiter in 1. Samuel 15, müssten im historischen Kontext betrachtet werden. Alles andere sei ein Missbrauch solcher Verse.
Dennoch bleibe die Spannung zwischen dem Gottesbild des Alten Testaments und dem der Liebe im Neuen Testament bestehen. Laufer weist darauf hin, dass beide Facetten – Gottes Heiligkeit und Liebe – sowohl im Alten als auch im Neuen Testament vorkommen. Die Person Jesu sei dabei entscheidend für die Auslegung. „Das Kreuz von Jesus macht deutlich: Gott ist zornig über die Sünde und will Gerechtigkeit schaffen und tut das schließlich, indem er selbst ans Kreuz geht“, erklärt Laufer.
Abschließend betont der Pastor, die Bibel zeichne die Geschichte Gottes mit den Menschen in ihrer ganzen Komplexität – oft mit Konflikten und abgründigen Momenten. „Man kann und man darf auch mit Fragen noch im Herzen glauben und auch zu wissen, Gott trägt mich, auch durch die dunklen Kapitel.“
Zum Podcast „Zwischen Tür und Himmel“
Der etwa zehnminütige Podcast ist ein Angebot der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar). Er erscheint 14-tägig auf ztuh.de sowie den gängigen Podcast-Apps (z. B. Spotify, Pocket Casts, Amazon Podcasts und Apple Podcasts). Zuhörer können ihre Lebens- und Glaubensfragen an ztuh@idea.de schicken. Eine Auswahl der Fragen wird in den Folgen aufgegriffen und diskutiert.
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