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Wenn sich zwei Christen um einen Sitz im US-Senat streiten …

01.12.2022

Am 6. Dezember treten im US-Bundesstaat Georgia zwei Kandidaten zur Stichwahl an. Foto: unsplash.com
Am 6. Dezember treten im US-Bundesstaat Georgia zwei Kandidaten zur Stichwahl an. Foto: unsplash.com

Am 6. Dezember treten im US-Bundesstaat Georgia zwei Kandidaten zur Stichwahl um einen Sitz im Senat an. Beide sind bekennende Christen. Ein Beitrag von Ben Jakob

IDEA hat am 2. November ein Interview mit dem Titel: „Warum wählen so viele Evangelikale die Republikaner?“ publiziert. Diese Frage stellt sich mir persönlich auch und sie wird jetzt am 6. Dezember noch einmal aktuell. Denn es kommt im Bundesstaat Georgia zur Stichwahl zwischen zwei tiefgläubigen – und schwarzen – Kandidaten für einen weiteren Sitz im Senat.

Der demokratischen Amtsinhaber Raphael Warnock (53) kam auf 49,17 Prozent der Stimmen. Sein republikanischer Herausforderer Herschel Walker lag knapp dahinter auf dem zweiten Platz. Weil Warnock nicht über die 50-Prozenthürde kam, wird die Stichwahl nötig. Warnock, der Hauptpfarrer der „Ebenezer Baptist Church“, wurde vor zwei Jahren überraschend in den Senat gewählt.

Ihm gegenüber steht der ehemalige NFL-Football-Star und evangelikale Christ Walker, der vom Ex-Präsidenten Donald Trump unterstützt wird. Warnock ist der Sohn eines Pfingstpastoren-Ehepaars und zählt heute zu den führenden „African American Church Leaders“. Seit er als junger Pastor der Ebenezer Baptistenkirche übernommen hat, sind über 4.000 neue Personen als Mitglieder zur Gemeinde gestoßen.

Der 60-jährige Walker war in den 80er Jahren ein erfolgreicher Profi-Football Spieler. Trump sagte über ihn: „Wäre es nicht fantastisch, wenn der legendäre Herschel Walker kandidierte? Er wäre unaufhaltbar, genauso wie er damals in der NFL gespielt hat. Lauf, Herschel, lauf!“

Walker ließ sich nach 18 Jahren Ehe scheiden und hat vier Kinder von vier Frauen. Er ist gegen ein Recht auf Abtreibung. Wenige Wochen vor den Wahlen wurde berichtet, dass er zwei seiner Ex-Freundinnen zur Abtreibung geraten und diese bezahlt haben soll. Walker bestreitet dies bis heute. Er bekennt sich öffentlich zu seinem Glauben an Jesus Christus. In einem seiner Wahlkampf-Spots stellt Walker den Glauben seines Kontrahenten infrage und beendet den Spot mit: „Ich bin Herschel Walker, gerettet durch Gnade!“

Man kann gespannt sein, wie sich die Wähler am 6. Dezember zwischen den beiden gläubigen, aber doch so unterschiedlichen Christen entscheiden werden.

Der demokratischen Amtsinhaber Raphael Warnock. Foto: Picture Alliance/Brynn Anderson
Der ehemalige NFL-Football-Star Herschel Walker. Foto: Picture Alliance/Robin Rayne

Christen müssen die Spaltung stoppen – gemeinsam

Für mich, der ich viel von US-Christen lernen durfte, ist es äußerst bemerkenswert, dass nebensächliche Themen einem großen Teil der evangelikalen Kirchen heute wichtiger sind als die zentralen Fragen nach dem Reich Gottes. Unverständlich ist für mich auch, dass die Mehrheit der etwa 65 Millionen Evangelikalen in den USA einen notorischen Lügner wie Trump zum Präsidenten wählte.

Und warum gibt es bei den Demokraten eigentlich so wenige Persönlichkeiten, die sich offen zu einem persönlichen Glauben an Christus bekennen? Auch bei uns bekämpfen sich gläubige Christen untereinander und sprechen einander den „richtigen“ Glauben ab. Es ist an der Zeit, dass sich die Kirchen aller Konfessionen gemeinsam überlegen, wie die Spaltung der Gesellschaft gestoppt werden könnte. Denn unsere Welt brauchen keine tief „gespaltenen“ Staaten sondern die „vereinigten“ Staaten, die „United States of America“.

Das Ehepaar Ben und Barbara Jakob (Forch/Schweiz) gründete 1973 in der Schweiz „Campus für Christus“. Ben Jakob war zudem zehn Jahre Geschäftsführer der christlichen Hilfsorganisation World Vision in der Schweiz. Er pflegt seit vielen Jahren intensive Beziehungen mit Menschen in den Vereinigten Staaten, die er über 50-mal besucht hat. Er befasst sich seit vielen Jahren mit der gesellschaftspolitischen und kirchlichen Situation in den USA. Heute engagiert sich Ben Jakob für verschiedene Firmen und Non-Profit-Organisationen in den Bereichen Kommunikation, Marketing und Mittelbeschaffung.

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